Der Kreis Kleve informiert seit 2011 jährlich über den aktuellen Stand in Bezug auf multiresistente Erreger (MRE). Ziel der „Netzwerkveranstaltung zur Bekämpfung der zunehmenden Verbreitung von MRE“ ist es, alle Partner im Gesundheitswesen über aktuelle Entwicklungen im Bereich der Hygiene und Infektionsprävention zu informieren ‒ mit Augenmerk auf die Situation im Kreis Kleve.

Im Fokus steht die Minimierung des Risikos von Infektionen durch schwer behandelbare multiresistente Bakterien. Zu Gast im Kreishaus waren rund 60 Fachkräfte aus den Bereichen Medizin, Hygiene und Pflege.

Dr. Martina Scherbaum, Leiterin des Fachbereiches Gesundheit, stellte den aktuellen Stand der Verbreitung multiresistenter Bakterien in den Hospitälern im Kreis Kleve vor: „Bei Aufnahme in den Krankenhäusern vor Ort wird der MRSA-Nasenabstrich wesentlich häufiger als in vergleichbaren Krankenhäusern im bundesweiten Durchschnitt durchgeführt. Mit dieser Maßnahme können MRSA-Fälle beinahe vollständig sofort erkannt und entsprechend behandelt werden. Dies reduziert das Risiko der Ansteckung in den Krankenhäusern nachweislich und erhöht damit die Sicherheit aller Patientinnen und Patienten.“

Ein weiteres Thema war die Relevanz der Influenza- und Coronaimpfung ‒ insbesondere bei Personen, die im Gesundheitswesen tätig sind. „Das Risiko einer Infektion mit Influenza ist bei Pflegekräften um das Fünffache erhöht“, sagt Dr. Scherbaum. „Das Risiko einer Eigeninfektion oder einer Übertragung auf Dritte ist damit auch als erhöht anzusehen.“ Eine interaktive anonyme Umfrage während der Sitzung zeigte dabei eine hohe Bereitschaft im Auditorium, sich gegen Influenza impfen zu lassen.

Infektionslage im Kreis

Patrick Schouten, Sachgebietsleitung Gesundheitsschutz beim Kreis Kleve, informierte in seinem Vortrag über die saisonale Verbreitung von Erregern, darunter Influenzaviren und der Coronaerreger „SARS-CoV-2“. Diese Erkrankungen können bei bestimmten Risikogruppen wie älteren Menschen und immungeschwächten Patienten zu erheblichen Gesundheitsgefahren führen. Die Infektionslage im Kreis Kleve ist momentan vergleichbar mit der gesamtdeutschen Infektionslage. Aktuell dominieren bei den Atemwegserkrankungen Infektionen mit Rhinoviren, Parainfluenzaviren und Coronaviren. Die Corona-Infektionslage ist deutlich geringer ausgeprägt als im letzten Herbst. Influenzaviren sind erst vereinzelt nachweisbar.
Dr. Wiebke Dohrn, Chefärztin der Pneumologie im St. Willibrord-Spital Emmerich, informierte über die gestiegenen Tuberkulose-Erkrankungen im Kreisgebiet. Dabei betonte sie, dass die Krankheit nicht nur eine gesundheitliche, sondern auch gesellschaftliche Komponenten innehat. Für die Bekämpfung der Tuberkulose sind entsprechend fachübergreifende Ansätze erforderlich.

Diana Nienhaus, Leiterin der Abteilung Veterinärangelegenheiten und Lebensmittelüberwachung beim Kreis Kleve, referierte über Schnittstellen zwischen Tier- und Humanmedizin. In ihrem Vortrag zum Thema „Antibiotikaresistenzen und Bekämpfung aviäre Influenza als mögliche Zoonose“ machte sie deutlich, dass übergreifende Ansätze notwendig sind, die das Zusammenspiel zwischen der Gesundheit von Menschen und Tieren sowie deren Umwelt betrachten. Zunehmende Antibiotikaresistenzen stellen dabei ein sich weltweit manifestierendes Gesundheitsproblem dar.

Die Teilnehmenden nutzen die Netzwerkveranstaltung zudem, um sich über die jüngsten Entwicklungen in der Infektionsprävention sowie den verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika auszutauschen. Der praxisorientierte Dialog zwischen den Fachkräften aus verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens stärkt die Zusammenarbeit. Hervorzuheben ist insbesondere die Vernetzung zwischen stationären und ambulanten Einrichtungen.