Das Kevelaerer Blatt wird mit der letzten Ausgabe im Januar 2026 eingestellt werden müssen. Diese Entscheidung fällt nach intensiven, aber erfolglosen Bemühungen in den vergangenen Monaten, eine tragfähige Zukunftslösung für unsere Heimatzeitung zu finden.
Ein Abschied nach 147 Jahren
Seit 1879 begleitet das Kevelaerer Blatt das Leben der Menschen in Kevelaer und den Ortschaften, zunächst als „Kevelaerer Volksblatt. Für Thron und Altar“, später als Wochenzeitung und unter dem liebevollen Namen „Kävels Bläche“. Es ist damit die älteste lokale Wochenzeitung Deutschlands und ein Stück Kevelaerer Identität geworden.
Über fast eineinhalb Jahrhunderte hat diese Zeitung Kriege, Krisen, politische Umbrüche und den tiefgreifenden Wandel in Stadt und Wallfahrt begleitet – Woche für Woche, nah an den Menschen. Viele Leserinnen und Leser sind mit dem Kävels Bläche aufgewachsen, haben die ersten eigenen Vereinsberichte geschrieben, Familienanzeigen aufgegeben oder Erinnerungsstücke im Archiv gesucht.
Mit der Übernahme des KB vor ca. 10 Jahren von der Funke Mediengruppe habe ich eine große Aufgabe übernommen, vor der ich immensen Respekt hatte. Gemeinsam mit der Redaktion haben wir in den Jahren viele Ideen entwickelt und umgesetzt, die zur Attraktivität des Bläche beigetragen haben. Das alles hat viel Zeit und auch Geld gekostet, aber das Ergebnis wurde durch Sie, liebe Leserinnen und Leser immer gewürdigt. Das war immer unser Antrieb!
Warum es jetzt nicht mehr reicht
Wie viele Lokalzeitungen in Deutschland steht auch das Kevelaerer Blatt seit Jahren unter massivem wirtschaftlichem Druck. Steigende Kosten für Produktion, Personal und Vertrieb treffen auf verändertes Mediennutzungsverhalten, sinkende Printauflagen und einen immer stärkeren Wettbewerb um Werbeerlöse – vor allem im digitalen Raum. Trotz aller Sparanstrengungen, Modernisierungen und neuen Angebote – vom Online-Auftritt bis hin zu digitalen Lesemodellen – reichen die Einnahmen nicht mehr aus, um den Betrieb dauerhaft solide zu sichern.
Diese Entwicklung ist kein lokales Einzelphänomen, sondern Teil einer bundesweiten Krise der Lokal- und Regionalpresse, die gerade kleinere, unabhängige Häuser besonders hart trifft. Was in den großen Medienkonzernen oft noch intern aufgefangen werden kann, führt bei einem eigenständigen Titel wie dem Kävels Bläche letztlich an eine wirtschaftliche Grenze, die redaktionelle Qualität und tarifgerechte Arbeit nicht mehr zulässt.
Vergebliche Suche nach einer Lösung
In den vergangenen Monaten ist nichts unversucht geblieben, um das Kevelaerer Blatt in eine neue Zukunft zu führen. Modelle von Genossenschaft, Förderverein und erweiterten Digitalabos wurden geprüft und durchgerechnet. Am Ende hat sich jedoch gezeigt, dass keine dieser Ideen in der nötigen Größenordnung tragfähig und umsetzbar ist – weder organisatorisch noch finanziell. Viele persönliche Gespräche und konkrete Verhandlungen über eine mögliche Übernahme unserer Heimatzeitung haben sich dann leider kurz vor Weihnachten zerschlagen.
Diese Entscheidung ist deshalb nicht das Ergebnis eines plötzlichen Kurswechsels, sondern das bittere Ende eines langen Ringens um den Fortbestand der Heimatzeitung. Der Schritt fällt umso schwerer, weil die Wertschätzung, die das KB bis heute in der Leserschaft genießt, in Umfragen wie im persönlichen Feedback immer wieder deutlich geworden ist.
Danke für Treue und Vertrauen
Dass das Kävels Bläche 147 Jahre lang erscheinen konnte, ist vor allem der Treue seiner Leserinnen und Leser, der Vereine, Initiativen, Kirchengemeinden, Schulen und Unternehmen in Kevelaer und den Ortschaften zu verdanken. Ohne Ihre Abos, Ihre Anzeigen, Ihre Hinweise und Ihre Geschichten hätte diese Zeitung nicht zu dem werden können, was sie ist: ein Stück Kevelaerer Kulturgut.
Bis zur letzten Ausgabe Ende Januar 2026 wird die Redaktion mit unverändertem Engagement über das berichten, was Kevelaer bewegt – in Print und online. Danach wird eine vertraute Stimme im lokalen Konzert fehlen. Was bleibt, sind Erinnerungen an unzählige Ausgaben, an Debatten, Jubel, Traueranzeigen, Vereinsfeste und Alltagsgeschichten – und die Hoffnung, dass der Wert verlässlicher Lokalberichterstattung in dieser Form auch in Zukunft in Kevelaer nicht vergessen wird.
Ist das das Ende?
Möglicherweise wird es eine schlanke Online-Ausgabe in deutlich reduziertem Umfang geben, die ausschließlich auf „ehrenamtlichen“ Beiträgen basiert. Verbindlich versprechen kann ich das heute aber nicht, weil auch hierfür erst Rahmenbedingungen geklärt und freiwillige Mitstreiter gefunden werden müssen, die sich der lokalen Berichterstattung verbunden fühlen und engagiert mitmachen möchten.
Trotz aller Traurigkeit überwiegt bei mir der Stolz, dass es uns gemeinsam so lange gelungen ist, das Interesse an den Geschichten aus Kevelaer und den Ortschaften wachzuhalten. Der Zuspruch, die Rückmeldungen und das Lob, das ich und wir als Redaktion in dieser Zeit erfahren durften, waren etwas ganz Besonderes.
Ihnen/Euch allen danke ich ausdrücklich und von Herzen für die Loyalität und für das Interesse an diesem Stück Kevelaerer Zeitungs- und Stadtgeschichte.
Ganz herzliche, aber auch sehr traurige Grüße
Ihr/Euer
Rudi Beerden



