Seit Juni 2025 ist eine 36-jährige Kevelaererin auf der Suche nach einer neuen beruflichen Perspektive. Zahlreiche Bewerbungen hat sie geschrieben, doch bislang folgten vor allem Absagen. Nun wendet sie sich mit einem persönlichen Appell an die Arbeitgeber in Kevelaer und Umgebung: Sie möchte wieder arbeiten – in Teilzeit, mit Engagement und Leidenschaft.
„Ich möchte endlich wieder meinen Teil beitragen“
Die Frau ist Mutter eines dreijährigen Sohnes. Die Betreuung des Kindes ist nach ihren Angaben gesichert. Einer Rückkehr zu ihrem früheren Arbeitgeber nach der Elternzeit stand dennoch ein entscheidendes Hindernis im Weg: Der Standort in Kevelaer wurde geschlossen. Für sie sei damals eine Welt zusammengebrochen.
Dabei hatte sie in ihrer letzten Tätigkeit genau das gefunden, wonach sie lange gesucht hatte. Die Arbeit habe ihr Freude gemacht, 45 Stunden in der Woche seien plötzlich kein Problem gewesen. Auch in stressigen Situationen habe sie den Überblick behalten und sich als belastbar und zuverlässig erlebt.
„Es war mein absoluter Traumjob“, schreibt sie. Dieses Gefühl, gebraucht zu werden und etwas leisten zu können, möchte sie wieder erleben.
Ein Lebenslauf mit Brüchen
Der Lebenslauf der Kevelaererin ist von verschiedenen beruflichen Stationen und Unterbrechungen geprägt. Sie führt diese Entwicklung auch auf ihre psychische Erkrankung zurück. Bereits im Alter von 17 Jahren erlebte sie nach eigenen Angaben erste Depressionen sowie Angst- und Panikstörungen. Seitdem habe es immer wieder bessere und schwierigere Phasen gegeben.
Viele Jahre lang habe sie dennoch vor allem ein Ziel verfolgt: arbeiten. Deshalb habe sie auch Tätigkeiten angenommen, die ihrer Erkrankung nicht immer gutgetan hätten. Heute befürchtet sie, dass potenzielle Arbeitgeber vor allem die Brüche in ihrem Lebenslauf sehen – und nicht die Fähigkeiten, die sie tatsächlich mitbringt.
Fachleute weisen darauf hin, dass hohe psychische Arbeitsbelastungen und geringer Handlungsspielraum das Risiko für depressive und Angsterkrankungen erhöhen können. Ein passender Arbeitsplatz, klare Aufgaben und verlässliche Rahmenbedingungen können deshalb eine wichtige Rolle spielen.
Gesucht: Büro, Empfang und Kundenkontakt
Die Bewerberin möchte etwa 20 Stunden pro Woche arbeiten. Besonders gut vorstellen kann sie sich eine Stelle
- im Büro,
- am Empfang,
- im Kundenservice,
- in der Telefon- und E-Mail-Bearbeitung oder
- im Bereich Rechnungswesen und allgemeine Verwaltung.
Kundenkontakt liege ihr besonders. E-Mails und Telefonate habe sie ebenso erledigt wie das Schreiben von Rechnungen. Sie betont, dass sie loyal sei und Aufgaben mit großer Leidenschaft übernehme.
„Wenn ich etwas mache, dann zu 120 Prozent“, schreibt sie. Sie sei bereit, zur Probe zu arbeiten oder zunächst ein Praktikum zu absolvieren. Ihr Wunsch: Arbeitgeber sollen sich selbst ein Bild von ihr machen – und nicht allein anhand eines Lebenslaufs entscheiden.
Unterstützung durch die Arbeitsagentur
Die Kevelaererin hat zudem einen Grad der Behinderung und ist Menschen mit Schwerbehinderung gleichgestellt. Für Arbeitgeber muss das nicht zwangsläufig eine zusätzliche Belastung bedeuten. Die Bundesagentur für Arbeit weist ausdrücklich auf mögliche Förderungen und Unterstützungsangebote hin. Dazu können unter bestimmten Voraussetzungen Zuschüsse, eine geförderte Probebeschäftigung oder weitere Hilfen zur Eingliederung gehören.
Eine Gleichstellung ist grundsätzlich möglich, wenn ein Grad der Behinderung von mindestens 30, aber weniger als 50 vorliegt und die betroffene Person aufgrund ihrer Behinderung Schwierigkeiten hat, einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden oder zu behalten.
Die Bewerberin schreibt, dass die Arbeitsagentur sie dabei unterstützt, mögliche Förderungen für einen Arbeitgeber attraktiv und transparent zu machen.
Kein Mitleid, sondern eine faire Gelegenheit
Ihr öffentlicher Aufruf ist kein Wunsch nach Mitleid. Sie bittet um eine faire Gelegenheit, ihre Fähigkeiten zu zeigen. Ihr letztes Arbeitszeugnis sei hervorragend und entspreche vollständig der Wahrheit.
Gerade kleinere Betriebe in Kevelaer und den umliegenden Ortschaften wissen, wie wichtig zuverlässige und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind. In einem persönlichen Gespräch lässt sich oft besser erkennen, ob die Chemie stimmt und ob die Anforderungen einer Stelle zu den Stärken eines Menschen passen.
Die Kevelaererin möchte wieder Verantwortung übernehmen, finanziell unabhängiger werden und ihrem Sohn vorleben, dass ein schwieriger Weg nicht das Ende bedeuten muss. Was ihr dafür fehlt, ist derzeit nicht der Wille – sondern jemand, der ihr die erste Tür öffnet.
Schnelle Fakten
Was Bewerber wissen sollten
Eine psychische Erkrankung muss im Lebenslauf in der Regel nicht im Detail genannt werden. Für die Bewerbung genügt es meist, längere Unterbrechungen sachlich zu erklären, etwa mit „berufliche Auszeit aus gesundheitlichen Gründen“. Eine konkrete Diagnose gehört grundsätzlich nicht in die Bewerbungsunterlagen, sofern sie für die angestrebte Tätigkeit keine unmittelbare Bedeutung hat.
Wichtig ist, den Blick auf die beruflichen Fähigkeiten zu richten: Welche Aufgaben wurden sicher beherrscht? Welche Erfahrungen gibt es im Kundenkontakt, in der Organisation oder in der Verwaltung? Und unter welchen Rahmenbedingungen kann die Bewerberin ihre Stärken am besten einbringen?
Für Arbeitgeber bietet die Agentur für Arbeit Beratung zu Fördermöglichkeiten und zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderung an.
Redaktioneller Hinweis
Dieser Bericht basiert auf einem persönlichen Aufruf, der der Redaktion vorliegt. Die darin geschilderten Angaben wurden als persönliche Darstellung der Arbeitssuchenden kenntlich gemacht. Herabwürdigende oder medizinisch nicht erforderliche Details wurden bewusst nicht in den Mittelpunkt gerückt.
Kontakt
Für die Kontaktaufnahme schreiben Sie uns bitte eine eMail an redaktion(at)kevelaerer-blatt.de.
Wir leiten die Anfrage umgehend weiter.


Foto: Wallfahrtsstadt Kevelaer
Goldbeck GmbH