Ein kleiner Meilenstein für den NuK im Achterhoek

Der Verein erwirbt erstes eigenes Land und will dort die Biodiversität nachhaltig und dauerhaft fördern

rlen und Weiden wachsen auf dem betreffenden Grundstück. Foto: M. David

Matthias David vom Verein Natur und Kultur im Achterhoek freut sich, dass sie „einen kleinen, aber feinen Meilenstein passiert“ haben: „Oft haben wir uns gefragt, wie wir unsere Natur nachhaltig schützen können.

Klar ist es toll, Wildblumensaat auszubringen und damit der Insektenwelt ein wenig Erleichterung zu verschaffen und die Biodiversität zu fördern. Wir haben dafür ja sogar Land gepachtet. Aber was nutzt es langfristig, wenn man ein Areal umgestaltet, welches lediglich gepachtet ist. Geht die Pachtvereinbarung nach zehn Jahren in andere Hände, kann es passieren, dass alle Mühe vergebens war, weil der Folgepächter andere Ziele im Sinn hat.

Für uns vom NuK war klar, dass wir echte Nachhaltigkeit nur auf eigenem Land erreichen könnten. Dieses Ziel ist angesichts der Preise unter dem heutigen agrarischen Druck nur schwer zu erreichen, bzw. teuer zu bezahlen. Es sei denn, man hat Glück oder der Zufall kommt zur Hilfe.

Wir erhielten vor gut zwei Monaten einen Tipp. Ein kleines Stück Land im Herzen Achterhoeks stand zum Verkauf. Eine kleine Parzelle an den Fischteichen östlich der Wetterley an der Oetzelstraße suchte einen neuen Besitzer. Früher wurde diese Gegend „Achterhoeker Ried“ genannt und stellte ein Eldorado für Kiebitze dar. Heute ist es unterteilt und im Besitz verschiedener Menschen, die dort eine Art Schrebergärten-Dasein pflegen. Der natürliche Ursprung ist längst Vergangenheit. Nur eine einzige Parzelle dümpelt still und unauffällig in ihrer natürlichen Folgeerscheinung als Erlenbruchwäldchen vor sich hin.

Zelle wechselt Besitzer

Und genau diese Zelle sollte nun den Besitzer wechseln. Nach einer ersten Ortsbegehung stellten wir den (für uns) hohen Wert dieses Geländes fest. Hierzu ein knapper Exkurs: Jedes Gewässer ist geschaffen, um zu verlanden. So will es der Lauf der Zeit. Es entsteht und es vergeht. Geschaffen durch wilde Flüsse (als wir noch welche hatten), vergangen durch Verlandung. Ein Gewässer ist in seiner Geburt nahrungsarm, reichert sich im Laufe der Jahre an, wird dadurch produktiv und nimmt mehr und mehr Nährstoffe in sich auf. Laub und Äste wehen hinein, Blütenstaub und tote Insekten rieseln hinein und alles reichert sich an.

Mit den Jahrzehnten entwickelt sich eine Schlammschicht auf dem Grund, die so lange anwächst, bis das Gewässer verschwindet und die ersten Erlen Fuß fassen. Der Kreislauf schließt sich.

Das erwähnte Grundstück ist in seiner Entwicklung schon einen Schritt weiter. Hier haben sich nun neben den namensgebenden Erlen auch die Weiden breit gemacht. Einige von ihnen sind abgestorben und werden in naher Zukunft für viel Totholz am Boden sorgen. Blickt man sich im Achterhoek um, findet man kein vergleichbares Stück Land, in dem die Entstehungsgeschichte unserer Landschaft so gut ablesbar ist wie hier.

Wir haben es als äußerst wertvoll eingestuft, da hier die Natur seit Langem unberührt ist, obwohl drum herum die Zeit nicht stehen geblieben ist. Im letzten Jahr haben wir aus diesem Gebiet die erste Pirol-Beobachtung seit langer Zeit vermelden dürfen. Es gab für den Erwerb auch einen zweiten Interessenten. Ein Pferdebesitzer aus Duisburg suchte ein Stück Land, um es in eine Weide zu wandeln. Hätte er den Vorzug bekommen, wäre dieser Kleinstwald verloren gewesen.

Am heutigen Tag (22. November 2019, Anm. d. Red) wurden wir notariell aufgefordert, den Kaufpreis anzuweisen. Mit dieser Überweisung steht dem Wechsel des Eigentümers im Grundbuch nichts mehr im Wege. Der NuK ist von nun an erstmals Eigentümer von Grund und Boden. Und wir sind stolz wie Bolle.

Nuk ist „stolz wie Bolle“

Wer hätte vor sechs Jahren gedacht, dass wir hierzu einmal fähig sein werden. Ein guter Zeitpunkt, allen Mitglieder Danke zu sagen. Ohne die breite Unterstützung in der Bevölkerung hätten wir es nicht bis hierher gebracht.

Wie geht es weiter? Nach einigen Bedenken haben wir uns entschlossen, die Fläche für ein Öko-Punkte-Konto anzumelden. Für den reinen Erhalt – also für´s Nichtstun – bekommen wir einen Öko-Punkt pro qm. Die Summe dient zur Refinanzierung des Kaufes. So verausgaben wir unsere Kasse nicht zu sehr und haben danach wieder Luft für das nächste Projekt, das uns unter den Nägeln brennt. Was das ist … ?

Das verraten wir erst im nächsten Jahr, wenn die Weichen gestellt sind.“