“Heute hier, morgen dort” Michael Nick Nicolas

Heute hier, morgen dort,
bin kaum da, muss ich fort
Hab mich niemals deswegen beklagt
Hab es selbst so gewählt, nie die Jahre gezählt
Nie nach Gestern und Morgen gefragt (Hannes Wader)

Nun ist es also soweit, und ich zähle doch die Jahre: Die Heimatzeitung in der Stadt, die – fast – meine Heimat war, in der ich 15 Jahre lang mehr Zeit verbracht habe als an meinem Wohnort oder anderswo, die mir in Nah und Fern nicht aus dem Kopf ging und mit deren kleinen und großen, alten und neuen Geschichten ich bei Ausflügen in die ,große, weite Welt‘ viele Menschen mal überraschte, mal nervte – dieses einmalige, „Kevelaerer Blättchen“, wie auch ich es inzwischen liebevoll nenne, ist Geschichte.
Ich werde nun weiterziehen, wieder eine Heimat nicht aufgeben, aber verlassen, wieder aufbrechen in eine ungewisse Zukunft. Ein altes Lied von Hannes Wader kommt mir in den Sinn.

Fragt mich einer, warum ich so bin, bleib ich stumm
Denn die Antwort darauf fällt mir schwer
Denn was neu ist, wird alt, und was gestern noch galt
Stimmt schon heut oder morgen nicht mehr (Hannes Wader)

Was bleibt, sind die vielen wundervollen Begegnungen, die ich hier erleben durfte, die freundliche Aufnahme, die konstruktiven Diskussionen, der respektvolle Umgang. Das werde ich mitnehmen und in Erinnerung behalten, wenn ich längst wieder anderswo bin. Danke dafür!

Manchmal träume ich schwer und dann denk ich es wär
Zeit zu bleiben und nun was ganz andres zu tun
So vergeht Jahr um Jahr und es ist mir längst klar
Dass nichts bleibt, dass nichts bleibt, wie es war (Hannes Wader)

In diesem Sinne: Macht es gut!

„Ich ließ ein Stück meiner Seele hier“ Alexander Florié-Albrecht
Als ich vor siebzehn Jahren beim Kevelaerer Blatt als Journalist begann zu arbeiten, konnte ich nicht ermessen, auf was für eine wunderbare Reise ich mich in den folgenden zwölf Jahren würde begeben dürfen. Unzählige Begegnungen, Termine, Gespräche und Themen erfüllten meinen Weg – von Keylaer bis Wetten, von Winnekendonk bis Kervenheim, von Kleinkevelaer bis Twisteden und in der Stadt. Die vielen Festkettenträger und Umzüge, die Feiern, die Prozessionen und Gottesdienste, die ehrenamtlichen Aktionen, die Musik, die großartige künstlerische Vielfalt von Orgelmusik bis Anarcho-Kunst. Alles der Teil eines großen Ganzen.
Was das Besondere ist: die Menschen in dieser Stadt. Lichtgestalten wie Hansgerd Kronenberg oder Winfried Janssen, die nicht mehr sind. Tolle Kollegen, die über die Jahrzehnte für das KB Geschichten erzählten. Menschen wie Martin Willing oder Jörg von der Höh, die nicht mehr sind.
Die anderen – Sonja, Björn, Delia, Nick, Hildegard, Jörg, Elena, Claudia – und Rudi, der das Blatt noch fast zehn Jahre – und uns – als einen Ort des kreativen Wirkens erhalten hat. Auch wenn das Ende Härten schafft.
Jede/r Einzelne von ihnen – eine Lichtgestalt, weil er/sie das Gemeinwesen (und das Blatt) mit dem eigenen Wesen erfüllt/erfüllt hat, mit dem Tun, dem Herz, der Kreativität, der Zuwendung. Sie/Ihr alle haben/habt es uns leicht gemacht, für sie/euch zu arbeiten und unterhaltsam, lebendig und kritisch zu berichten. Eine große Ehre – und eine große Freude. Danke Euch/Ihnen allen.
Als ich 2021 ging, ließ ich ein Stück meiner Seele hier. Sie ist hier geblieben. Und auch sie weint ein Stück.
Diese Stadt lebt – sie wird es auch weiter. Das Leben ist ein Kommen und ein Gehen, Glück und Verlust. Aber es wird etwas fehlen, was mehr ist als nur ein abstraktes Stück „Kulturgut“ von 147 Jahren – eine Geschichte, ein Stück Identität: der stete Begleiter, der Spiegel, das Kaleidospkop des Kevelaerer Lebens. Sowas etwas in dieser Form, gespeist aus der unerschöpflichen Solidarität einer Stadtgesellschaft – das wird es so nicht wieder geben.
Aber wer weiß: Es gibt sie ja vielleicht noch, die Streiter für diese Vision – Journalismus stadt- und menschennahbar, persönlich, streitbar, versöhnlich, herzlich, objektiv und klar zu machen – als Abbild einer Gemeinschaft. Wer weiß, ob jemand eine KB-Genossenschaft gründet und doch den Mut hat, zu investieren. Oder es lebendig online weitergeht – aus der Mitte der Bürgerschaft.
Wir können in jedem Fall sagen: Wir alle waren dabei. Wir alle waren ein Teil einer ganz besonderen Reise – aufreibend, anstrengend, mitreißend, traurig, konfliktreich, versöhnlich, bewegend und schön. Das Leben halt. Es war jede Sekunde wert. Wir Journalisten, wir Bürger – lasst uns das alles mitnehmen und bewahren wir uns alle das: Schätzen wir die Dinge, die in unserer lebendigen Demokratie einen wahren Wert haben.
Wie das hier!

„So manche Begegnung hat nachhaltig mein Herz berührt“ Hildegard van Lier
Nun liegt sie vor uns, die letzte Ausgabe vom Kevelaerer Blatt. Auch mich stimmt diese Tatsache traurig. Etwa 17 Jahre durfte ich ein Teil unserer unvergleichlichen Heimatzeitung sein. Ich durfte über Menschen unserer Stadt im „Kävels Bläche“ berichten. Es waren Brautpaare auf dem Weg ins Glück, Jubelpaare die ihr gelebtes Glück mitteilten, Schicksale die zu Tränen rührten, Kinder die ihre Welt entdeckten, Naturliebhaber die sich für den Erhalt unserer Umwelt einsetzten, Vereine die Traditionen pflegten, Frauen und Männer die sich unermüdlich ehrenamtlich engagierten, Künstler die ihr Können auf der Bühne, auf einem Musikinstrument, mit Farbe und Pinsel oder Handwerklich präsentierten. Es waren die Menschen von Nebenan, wie Du und Ich, die sich mir öffneten, mir ihre Geschichten erzählten, mir ihr Vertrauen schenkten. Mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser aus Kevelaer, Twisteden, Wetten, Winnekendonk, Achterhoek und Kervenheim, durfte ich die höchsten Sonnenblumen und die dicksten Tomaten prämieren, Blumenwiesen aussäen, Plätzchen backen und geheime Weihnachtsrezepte verraten. Mit Ihnen pilgerte ich zur Gnadenkapelle, ob zu Fuß oder auf dem Motorrad und wohnte so mancher Pilgerpfortenöffnung bei. So manche Begegnung wird mir unvergessen bleiben und hat nachhaltig mein Herz berührt. Danke für das Vertrauen. Ich werde die Zeit beim Kevelaerer Blatt, auch mit ihren unvergleichlich liebevollen Kolleginnen und Kollegen, in dankbarer Erinnerung behalten. So sage auch ich leise „Servus.“

„Leider enden selbst die schönsten Dinge irgendwann“ Elena Gavriil

Lieber Rudi, liebes KB-Team, liebe Leserinnen und Leser,

vor 2,5 Jahren habe ich mich mit einem letzten Bericht aus dem KB-Team verabschiedet. Nun sitze ich hier, schreibe diese Zeilen und irgendwie ist es nochmal ein kleiner Abschied. Es war mir eine große Freude, Teil unserer Lokalzeitung gewesen zu sein und mit Euch als Team gemeinsam Kevelaerer Geschichten zu erzählen. Vom kleinen Verein über wunderbare Veranstaltungen bis zur hitzigen Ratssitzung war thematisch wohl alles dabei. Und genau das habe ich an der Arbeit beim KB geliebt. Genau das hat das Kevelaerer Blatt bis heute ausgemacht.
Ich denke, ich täusche mich nicht, wenn ich sage, dass die KB-Redaktion es über viele, viele Jahre hinweg geschafft hat, das Vertrauen vieler Bürgerinnen und Bürger zu gewinnen. Ein Vertrauen, das solche Geschichten erst möglich gemacht hat. Danke, dass Sie ihre Geschichten mit der Redaktion geteilt haben.
Ein besonderer Dank gilt nicht zuletzt dir, Rudi, dass du alles gegeben hast, um unser „Bläche“ so lange zu halten.
Leider enden selbst die schönsten Dinge irgendwann – wenn auch erst nach 147 Jahren. Und schön war‘s wirklich.