Die Erfüllung sehen

"Bedenkliches"

Frau Marie-Luise Langwald schreibt:

Die kleine Tür in Betlehem.
Wie oft muss ich leisten
und möchte nur lieben,
muss ich stark sein
und fühle mich schwach,
muss ich groß sein
und bin doch ganz klein.

Die kleine Tür in Betlehem
macht mir Mut.
Nur wer klein ist,
kommt zum Großen,
wer schwach ist,
trifft auf Stärke,
wer liebt,
findet das Leben.

Die kleine Tür in Betlehem
führt zu ihm.

Wer einmal in Betlehem war, weiß, was es bedeutet, sich tief zu bücken, sich klein zu machen, um die Herrlichkeit des menschgewordenen Gottes in einer Höhle wahrzunehmen. Kommt nach Betlehem um die Erfüllung unserer Sehnsucht zu sehen. Dort lernen wir das Staunen über Gott, der sich bis in die tiefste Tiefe hineinbegibt. Dort haben wir keine Privilegien mehr, dort sind wir alle arm und angewiesen. Dort tat Gottes Liebe sich kund mit einem Schrei, wie jedes neugeborene Baby ihn tut.

Was wir in diesen Tagen feiern, was damals in Betlehem geschah, muss sich in unseren Herzen vollziehen. Unser Herz ist die Höhle von Betlehem. Hier will Gott Mensch werden. Hier soll Neues geboren werden. Meine Armut ist kein Hindernis. Gott hat eine Vorliebe für das Kleine, das Arme.

Gott wird unser Bruder, er steht auf unserer Seite. Das Kind, das in der Krippe liegt, ist die Hoffnung aller Menschen. Seine Wehrlosigkeit besiegt den Hass, den Unfrieden, die Unterdrückung.

Das Kind, das in der Krippe liegt, ist unser Erlöser. Es reicht uns die Hand, wenn wir vor ihm knien.

Im Stundengebet der Kirche beten wir um diese Erfüllung und sie wird uns zugesprochen, wenn es in einer Antiphon heißt: „Seht, nun hat sich alles erfüllt, was der Engel Gabriel Maria verkündete“.

Erfüllt sein von der großen Liebe und Freude Gottes! Das wünsche ich Ihnen.

Schw. M. Bernadette Bargel osc
Klarissenkloster Kevelaer