Winnekendonk hat keine Straßennamen, nur Hausnummern, aber im Jahre 1905 immerhin 1772 Einwohner. Die meisten leben auf Höfen und Katstellen und von der Landwirtschaft oder sind Handwerker. Und sie sprechen Platt. Das ist ziemlich praktisch für einen Sprachforscher wie Georg Cornelissen. Noch praktischer ist, dass es so viele Quellen gibt. Also schriftliche. Über Winnekendonk sei „besonders leicht zu schreiben, weil so viele Texte vorliegen“, sagt der Wissenschaftler, der in Winnekendonk aufwuchs und schon lange vom platten Niederrhein in das fast schon bergische Bonn gezogen ist.
Rund ein Jahr hat er an dem Buch „Unser Dorf / Ons Derp – Erinnerungen an das alte Dorf und seine Sprache: Winnekendonk und der Raum Geldern in der Kaiserzeit (1871 – 1918)“ geschrieben. Wer den Sprachexperten und seine fesselnden Vorträge über das Platt am Niederrhein kennt, weiß, dass seine Recherchen viel früher begonnen haben. Und dass er sie auf spannend-unterhaltsame Art an den Mann und die Frau zu bringen weiß. Und an die Kinder, denn auch die sprachen damals Platt.
Wie zum Beweis hält er sein neues Werk bei der Vorstellung hoch und zeigt das Titelbild. Es stammt aus dem Jahre 1914, vom 3. August, und zeigt eine Straßensperre in Winnekendonk. Genauer gesagt „bej Daelmans op den Tomp“. Dann sprudeln die Informationen nur so aus ihm heraus: Dass Daelmans damals eine Gaststätte an der Hauptstraße war, eine Poststelle an der die Pferdekutschen hielten, dass „op den Tomp“ auf Hochdeutsch „an der Ecke“ heißt. Dann berichtet er, als sei er dabeigewesen, vom Anlass der Straßensperre, di…



