Georg van Bebber trägt die Kette

Ein ausverkaufter Saal, gut gelaunte Gäste und die musikalische Eröffnung durch den Musikverein „Eintracht“. Besser hätten die Voraussetzungen für einen stimmungsvollen Heimatabend im „Knoase-Saal“ nicht sein können. Unter den 200 Gästen im vollbesetzen Saal fanden sich auch die Wettener Vereine. Mit dem Reiterverein van Bredow Wetten und seiner Präsidentin Annette van Stephoudt an der Spitze war zudem der zukünftige Ausrichter der Kirmes mit von der Partie.

Die anfängliche Nervosität der Präsidentin zur Proklamation des neuen Festkettenträgers sollte sich später als vollkommen unbegründet erweisen. Plauderte sich doch über ihre Erlebnisse mit der Kirmes „da haben mein Mann und ich bei der Feuerwehr unsere Hochzeitsreise gewonnen“. Zudem konnte van Stephoudt mit dem Bekenntnis zu „Zehn Vereine – ein Dorf“ das Publikum packen.

„Wie schnell die Zeit vergangen ist“, blickte aber zunächst Thomas Krahnen, wehmütig auf das vergangene Jahr zurück. Der Vorsitzende der Geselligen Vereine dankte dem SV Union für die gelungene Kirmes 2017 mit Willy Heuvens als Festkettenträger.

Dem schimmerten bei dem fotografischen Jahresrückblick später fast ein bisschen die Augen. „Es war eine große Ehre und ein großes Ereignis für mich“, versicherte Heuvens Minuten vor der Verkündung seines Nachfolgers. „Wie das ganze Dorf zusammengehalten hat. Und das am Kirmesssamstag mein Enkel geboren wurde, war der I-Punkt.“

Nachdem er in den letzten zwei Jahren jeweils wegen einer Juristen-Fortbildung nicht kommen konnte, nahm diesmal auch Dominik Pichler in Begleitung seiner Frau am Heimatabend teil. „Ich bin genug fortgebildet“, versicherte der Bürgermeister und freute sich über das nachträgliche Geburtstagsständchen der Gäste zu seinem 42. „Mir war ja bekannt, dass die Wettener gut feiern können.“

Die beiden Moderatoren Jens Kösters und Bernd Ingenhaag marschierten dann mit einem Rücksack zu „I‘m walking“ auf die Bühne, um gewohnt souverän und locker durch den Abend zu führen. Kösters überzeuget sogar mit einer Würfelzaubernummer, zu der er die Ortsvorsteherin Beate Claßen mit auf die Bühne holte.

Seitens des Reitervereins sorgten die „Turnenden Voltis“ mit einstudierter Akrobatik (angelehnt an die Votigierkunst) und die „Horse Girls“ im Cowboygewand für den ersten „weiblichen“ Akzent des Abends. „Ich hoffe, Ihr habt euch das gut angesehen. Nächstes Jahr machen wir davon einen Flashmob“, scherzte Bernd Ingenhaag. Den Mundartbeitrag übernahm diesmal nicht Maria Mevissen, sondern die beiden Jungs Michel Koppers und Johannes Deinert. Sie sorgten für Erheiterung mit einem amüsanten „Aufsatz über die Kuh“ als nützliches Haustier, ehe der Sportverein Union mit 15 Fragen beim Publikum für rauchende Köpfe sorgte.

Westerntanz in Wetten

Der Musikverein zeigte mit seinem „Vereins-Move“ (acht Mitgliedern in diversen Berufskostümen von Bäcker, Anstreicher, Priester bis Boxer, die parallel ihre Bewegungen vollführten) große Koordinierungsfähigkeiten, um anschließend unter dem Dirigat von Biggi Lehnen das auf den Reiterverein zugeschriebene Lied vorzutragen. Und auch der gute Zweck sollte bei der Veranstaltung Einzug halten. So kamen bei der Sammlung für die Seniorenfahrt 511,71 Euro zussammen.

Nach dem Veerter Gardetanz (die RV-Präsident war einst mal Karnevalsprinzession in Veert) und dem Jahresrückblick hatte Annette van Stephoudt dann die große Ehre, den zukünftigen Festkettenträger mit einem akustischen Rätsel anzukündigen.

Ein Rocksong, der Alarm der Feuerwehr und Musik von An­drea Berg konnten nur eins bedeuten: Es mus sich um den „Bomber“ Georg van Bebber handeln. Der Platzwart und seit kurzem zweiter Vorsitzender ist seit über vier Jahrzehnten im Reiterverein, Platzkommandant der Kirmes sowie Mitglied der Schützen und der Feuerwehr. Er ist somit aus dem Vereinsleben Wettens nicht wegzudenken.

Der Landwirt lobte erstmal alle Vorführungen, seine Vorgänger „und alle anderen Vereine, die es jedes Jahr schaffen, eine tolle Kirmes zu gestalten. Dass ich mal eher Festkettenträger werde als Schützenkönig, hätte ich nie geglaubt. Aber den Schützenkönig schaffe ich auch noch.“

Georg van Bebber bezeichnete es als „große Ehre“, angesichts der Bemühungen seiner Reiterkollegen, die „voller Vorfreude“ daran arbeiteten, sei ihm vor der Ausrichtung der Kirmes nicht bang.

„Dass das meine Eltern und meine vier Brüder hier mit mir erleben dürfen, ist der Wahnsinn“, grüßte er die Verwandschaft im Publikum. Vater Paul kennt das Gefühl nur zu gut. Der 82-Jährige war vor 20 Jahren selber Träger der Festkette: „Ich freu mich für ihn.“

Zum Adjutanten bestimmte Georg van Bebber „einen Freund, der auch in schwierigen Zeiten für mich da war. Er ist der Gemüsemann vom Niederrhein und wie ich in der Beerendonk zu Hause.“ Dann holte er Markus Heinen zu sich auf die Bühne.

Das Motto der Kirmes ist „Sattelfest“

Bei dem Aufmarsch wurde dieser originellerweise vom Musikverein mit dem „Martinslied“ begleitet, eine Anspielung auf seine alljährliche Rolle als „St. Martin“. Der 42-jährige nahm es mit Humor. Heinen hatte für seinen alten Kindheitsfreund nur einen Gedanken: „Er hat es verdient.“

Das Motto der Kirmes „verriet“ der Reiterverein über ein Video. Rainer Verheyen bekam an verschiedenen Orten, begleitet von einem Pony, jeweils einen Buchstaben nach dem anderen, bis er den Knoase-Saal „virtuell“ und real erreichte. Mit dem Pony ging es auf die Bühne. Mitglieder des Vereins zeigten dann die Buchstabenschilder, die das Wort ergaben: „Sattelfest.“

Der Kirchenchor klassisch.

Michel Koppers und Johannes Deinert bei ihrem Mundartbeitrag.

Veert brachte den Karneval zurück.

Der Kirchenchor mal anders.

Das Motto der Kirmes ist „Sattelfest“.