Im Vorfeld der bevorstehenden Kommunalwahl am 14. September 2025 hat das Kevelaerer Blatt die zur Wahl zugelassenen politischen Parteien der Wallfahrtsstadt zu ihren Schwerpunkten und ihrem Wahlprogramm sowie zu wichtigen politischen Themen in Kevelaer befragt. Bis zum Wahlsonntag lesen Sie in ihrer Heimatzeitung die Antworten der Parteien, die auf die Umfrage reagiert haben.
KBV
Allgemein
Wo liegen die Schwerpunkte ihrer Arbeit für die kommende Wahlperiode?
Der wesentliche Schwerpunkt in der kommenden Ratsperiode liegt in der Konsolidierung des städtischen Haushalts und damit der Vermeidung des Abrutschens in die Haushaltssicherung. Viele der nachfolgenden Maßnahmen und Projekte sind ohne einen soliden Haushalt nicht oder nicht vollständig möglich. Ein weiterer Schwerpunkt ist der stetige Ausbau Kevelaers zur Kurstadt und die Verbindung vom Solegarten zur Innenstadt. Ganz wichtig ist auch der dauerhafte Erhalt der Grundschulen in den Ortschaften.
Städtebau
Die südliche Innenstadt (Postgelände, Roermonder Platz, Kauf-Center, Parkplatz, Marktstraße, Markt-Karree, Sparkassen-Gebäude) steht vor einem umfassenden Wandel. Wie sehen ihre Pläne für dieses Areal aus?
Im Bereich der Bury-St.-Edmunds-Straße sehen wir durch die geplante Einrichtung einer Ladezone für das Kauf-Center sowie die vorgesehene Verschmälerung der Fahrbahn und des Bürgersteigs um 6 m erhebliche verkehrstechnische Probleme. Dem angedachten Parkdeck stehen wir aus finanziellen Gründen, den Verkehrsproblemen und aufgrund des Standorts sehr kritisch gegenüber. Die Entwicklung eines Hotels auf dem ehemaligen Postgelände begrüßen wir grundsätzlich.
Wie wollen Sie für die dringend erforderliche Entspannung auf dem Wohnungsmarkt sorgen?
Aufgrund der Haushaltslage ist Kevelaer nicht in der Lage, selbst bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Dies geht nur über Investoren und über eine weitere Beteiligung an der GWS-Wohnungsgenossenschaft Geldern e.G. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Einführung der Grundsteuer C, um unbebaute Grundstücke einer Wohnbebauung zuzuführen. Sollte auf dem Postgelände kein Hotel gebaut werden können, bietet sich dieses Grundstück für eine Wohnbebauung an.
Wirtschaftsförderung
Wie wollen Sie Handel und Gewerbe stärken?
Durch eine weitere Attraktivierung der Innenstadt besteht die Möglichkeit, die Anzahl auswärtiger Besucher zu erhöhen. Dazu halten wir es für notwendig, dass die Tourist-Information wieder mit dem Hauptsitz am Peter-Plümpe-Platz angesiedelt wird. Weiterhin sollten für Kevelaer als Kur- und Wallfahrtsstadt die Sonntags-Öffnungszeiten wie in anderen Bundesländern gelten. Hier ist der Bürgermeister bereits aktiv geworden, dies unterstützen wir ausdrücklich. Das Einzelhandelskonzept ist dringend zu überarbeiten.
Welche Maßnahmen wollen Sie gegen die Leerstände in der Innenstadt ergreifen?
Wir setzen große Hoffnung auf die neue Wirtschaftsförderin, deren Hauptaufgaben das Leerstandsmanagement sowie der Ausbau des Gesundheitstourismus und in Zusammenarbeit mit der Wallfahrtsleitung die Förderung der Wallfahrt ist. Mit den Eigentümern der Ladengeschäfte, die oft nicht mehr in Kevelaer wohnen, muss hinsichtlich der Mietpreise gesprochen werden. Weitere Telefonläden braucht Kevelaer nicht. Eine Erhöhung der Besucherfrequenz durch eine Attraktivierung der Innenstadt und zusätzliche Veranstaltungen erleichtern die Ansiedlung neuer Geschäfte.
Wie wollen Sie ortsansässige Industrie- und Gewerbeunternehmen unterstützen?
Es müssen seitens der Verwaltung alle Anstrengungen unternommen werden, vorhandene Gewerbeflächen zu erweitern und neue Gewerbeflächen im Stadtkern wie auch in den Ortschaften, z. B. Kervenheim, zu erschließen. Die Gewerbesteuer sollte nicht über die vom Land vorgegebenen Richtsätze erhöht werden. Die Wirtschaftsförderin muss die Betreuung bestehender Unternehmen und die Ansiedlung von neuen Unternehmen zur Chefsache machen.
Wie könnten nach ihrer Auffassung neue Unternehmen angesiedelt werden?
Um neue Unternehmen anzusiedeln, sind verschiedene Strategien und Maßnahmen erforderlich. Dazu gehören die Schaffung eines attraktiven Umfelds sowie eine aktive Ansprache potenzieller Unternehmen. Weiterhin hilfreich ist eine gut ausgebaute Infrastruktur, wie die bessere Verkehrsanbindung der Gewerbegebiete, schnelle Internetverbindungen, niedrige Gewerbesteuerhebesätze, unkomplizierte Genehmigungsverfahren und eine hohe Lebensqualität, die auch für Fachkräfte attraktiv ist.
Migration
Wie bewerten Sie die derzeitige Situation von Migranten in Kevelaer (Integration)?
Die Situation in Kevelaer ist derzeit besser als in vielen anderen Städten und Gemeinden. Hier haben Politik und vor allem Verwaltung in den vergangenen Jahren Überdurchschnittliches geleistet. Aber auch Kevelaer kommt personell und wegen der nicht auskömmlichen Finanzierung durch Bund und Land finanziell an seine Grenzen.
Wie bewerten Sie die derzeitige Situation von Geflüchteten in Kevelaer (Unterbringung, Integration, wirtschaftliche Situation, Zukunftsperspektiven)?
Sowohl auf der Ladestraße als auch am Bauhof sind gerade neue Unterkünfte geschaffen worden. Den vielen ehrenamtlich tätigen Bürgern und Bürgerinnen innerhalb unserer Stadt, die sich im Bereich der Migration und Integration engagieren, sei an dieser Stelle ganz besonders gedankt. Wir gehen davon aus, dass durch die Maßnahmen der neuen Bundesregierung die Anzahl der Flüchtlinge sinkt und dadurch auch die Zuweisungen nach Kevelaer zukünftig sinken werden.
Bürgerbeteiligung
Sehen Sie Unzulänglichkeiten bei der Beteiligung von Bürgern in Kevelaer?
Gerade im Bereich der Stadtentwicklung ist ein angemessener Dialog mit den betroffenen Anwohnern unabdingbar. Dies ist bislang leider nicht in ausreichendem Maße geschehen, darauf haben wir mehrfach hingewiesen. Auch in der Kommunalpolitik ist Hintergrundwissen für die politischen Entscheidungen erforderlich. Hier sind die Fraktionen und Verwaltung aufgerufen, dies für die Bürger und Bürgerinnen transparent zu kommunizieren, z. B. durch regelmäßige Sprechstunden des Bürgermeisters und/oder der einzelnen Fraktionen.
Wie würden Sie die Bürgerbeteiligung verbessern?
In allen den Bürgern betreffenden Belangen ist es wichtig, dass die daraus entstehenden Konsequenzen transparent öffentlich gemacht werden. Insbesondere über die vom Bund und Land der Stadt übertragenen Aufgaben und die daraus entstehenden Kosten müssen die Bürger informiert werden. Bürger sollten frühzeitig über Planungs- und Entscheidungsvorhaben informiert werden. Der Rat sollte eigene Leitlinien entwickeln, um transparente Regeln für die Bürgerbeteiligung zu schaffen.
Ehrenamt und Vereine
Wie ist es um die Unterstützung von Ehrenamtlern und Vereinen in Kevelaer bestellt?
Die Wichtigkeit der ehrenamtlich tätigen Bürger und Bürgerinnen und der Vereine ist uns bewusst. Der Festakt für die Ehrenamtlichen soll beibehalten werden. Solange es die Haushaltslage der Stadt zulässt, sollte das Ehrenamt auf jeden Fall gestärkt und die Vereine finanziell unterstützt werden. Eine solide Haushaltspolitik ist dafür Voraussetzung, da es sich um freiwillige Maßnahmen handelt, die im Falle einer Haushaltssicherung in der vorliegenden Form nicht mehr durchgeführt werden können.
Müssen Ehrenamtler und Vereine besser unterstützt werden? Welche Maßnahmen sind effektiv für eine Unterstützung (finanzielle Unterstützung/organisatorische Unterstützung)?
In der Verwaltung sollte ein fester Ansprechpartner für Vereine für die finanzielle und organisatorische Unterstützung vorhanden sein. Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) bietet Förderungen für Bildungsaktionen und andere Projekte an. Die DSEE bietet auch ein Mikroförderprogramm an, das Vereine und Organisationen mit bis zu 500 Euro unterstützt. Es gibt verschiedene Förderprogramme und Zuschüsse auf Landes- und Bundesebene für ehrenamtliche Projekte.
Klimaschutz
Welche Maßnahmen zum kommunalen Klimaschutz planen Sie?
Ziel ist, die Klimaneutralität Kevelaers bis zum Jahre 2030 zu erreichen. Die umfassende Information der Bürger für ein klimafreundliches Verhalten und die Schärfung des Bewusstseins für den Klimaschutz durch das städtische Klimamanagement sind eine wichtige Voraussetzung zum Erreichen dieses Ziels. Hinzu kommen die weitere Beteiligung der Stadt an Windkraftanlagen, der zügige Ausbau von öffentlichen Ladestationen für PKW und Fahrräder und die Bereitstellung finanzieller Mittel für die Anpflanzung von Bäumen.
Verkehr
Welche kommunalen Maßnahmen zum Verkehr (ÖPNV, Schienenverkehr, Straßen, Fahrradwege, Fußgängerwege) planen Sie / würden Sie planen?
Der Rad- und Fußgängerverkehr muss mehr Beachtung erhalten, auch durch Errichtung von Fahrradstraßen. Der Bereich der südlichen Innenstadt wird nach Fertigstellung der OW 1 und der Verkehrsführung über die Gelderner Str. das neue Einfallstor zur Stadt darstellen. Dies erfordert ein gesamtstädtisches Verkehrskonzept. Am Peter-Plümpe-Platz bestehen noch einige Probleme beim Parkverkehr. Die Sicherung der Bürgerbuslinien ist für den Anschluss der Ortschaften an die Ortsmitte besonders wichtig.
Wie sieht nach ihren Plänen eine Prioritätenliste für infrastrukturelle Maßnahmen aus?
Eine Prioritätenliste für infrastrukturelle Maßnahmen sollte basierend auf verschiedenen Kriterien erstellt werden, die sowohl technische als auch soziale Aspekte berücksichtigen. Dazu gehören die Verbesserung der Verkehrswege, der Ausbau der digitalen Infrastruktur sowie die Schaffung von Einrichtungen für Bildung, Gesundheit und Freizeit. Darüber hinaus Maßnahmen, die die Lebensqualität der Bürger verbessern und soziale Teilhabe ermöglichen (z. B. barrierefreie Zugänge), Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Mobilität und Erweiterung von Grünflächen. Die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger ist bei der Erstellung einer Prioritätenliste notwendig, um die Bedürfnisse und Erwartungen der Bevölkerung zu berücksichtigen.
Wahlprogramm
Wo findet man Ihr Wahlprogramm zur Kommunalwahl 2025?
Weitere Informationen auf unserer kbv-kevelaer.de und unser „Programm 2025-2030“ auf Facebook unter „Politik in Kevelaer“.



