Da verschwimmen die Grenzen

„Kabarett unter‘m Dach“ mit Ludger Kazmierczak

Ludger Kazmierczak weiß auch in Kevelaer immer, wo es langgeht. Foto: nick

Man muss schon sagen, ein wenig fühlt man sich an den seligen Hanns Dieter Hüsch und seinen berühmten Spruch „Der Niederrheiner weiß nix, kann aber alles erklären“ erinnert, wenn man Ludger Kazmierczak da so auf der Bühne reden hört. Und das ist durchaus, wie aus dem Einleitungssatz klar hervorgeht, als Kompliment gemeint. Das Kulturbüro Niederrhein von Bruno Schmitz holte den Journalisten jetzt zu einem kleinen, aber feinen Auftritt unters Dach der Öffentlichen Begegnungsstätte nach Kevelaer.
Von Hölzken auf Stöcksken, von hier nach da, von oben herab und trotzdem geerdet steht er da und redet in einer Tour, die den Teilzeit-Spaßmacher mittlerweile in immer größeren Kreisen rund um seine Heimatstadt Kleve führt. Quasi aus einer Silvesterlaune heraus geboren, ist sein Programm mittlerweile vom Klever Lokalkolorit in die beinahe schillerndsten Farben umgeschlagen, die der Niederrhein so zu bieten hat.
Die hohe Kunst des Niederländischen
Da darf der „Schnupp-Schrank“ ebensowenig fehlen wie die Herrencreme oder der Besuch „unserer holländischen Freunde“, bei dem er auch noch zungenbrecherisch (Sprach-)Kurs auf die hohe Kunst des Niederländischen nimmt.
Da verschwimmen auch andere Grenzen, wenn er seine Herkunft bis zu seiner „Tante“ Angela Merkel zurückverfolgt – oder holt sie ihn ein? Da streift er die Geschichte: „Die Zeiten, wo wir uns alle 16 Jahre einen neuen Kanzler wählen konnten, sind vorbei.“ Da bringt er aktuelle Themen aufs Tapet: „Früher hieß es immer: Iss Deinen Teller leer, damit es schönes Wetter gibt. Was haben wir jetzt davon? Dicke Kinder und Erderwärmung!“
Da rattert er einen wunderbaren Regiolekt runter, vom verliebten „hier komm ich öfter“, über das immer wieder lächerliche „es geht sich um Folgendes“ bis hin zur niederrheinischen Verlaufsform: „Et war schön gewesen.“ Alles nach dem Motto: „Grammatik ist keine Pflicht. Ich kenne einen in Kevelaer, der benutzt noch den Dativ. Dem sein Bruder in Kervenheim schon nicht mehr.“
Da vermengt der hauptberufliche WDR-Radio-Korrespondent in seiner Teilzeit-Freizeit gekonnt Genres wie Kabarett und Comedy, Karneval und Klamauk. Er ist ebenso ein Witze-Erzähler wie ein ernster Kommentator, ein König wie ein Clown. Dabei ist er mit seinen flotten Sprüchen und feinsinnigen Befindlichkeiten immer eindeutig einer vom Niederrhein. Also einer von uns, der aus seiner umfassenden Verschmitztheit keinen Hehl macht, aber auch wenig Aufhebens von seiner zeitweisen Ohnmacht. Damit ist er näher dran an seinem Publikum, als es andere wohl je sein werden.
Schweißtreibendes Treiben
Hoffentlich kann sich Ludger Kazmierczak diese Unbefangenheit, Unverkrampftheit und gleichzeitige Unverfrorenheit erhalten. Denn das zeichnet ihn aus: Er macht das, was er da tut, weil er unglaublich viel Spaß daran hat. Das jedenfalls kommt unverstellt über die Rampe.
Auch wenn die meisten Zuschauer des schweißtreibenden Treibens beim „Kabarett unter‘m Dach“ am Montagabend keine Kevelaerer waren: Ludger Kazmierczak darf sicher gerne wieder hier kommen.