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„Chance ergreifen, den Strukturwandel in der Kirche aktiv zu gestalten“

13. Oktober 2019/in Kevelaer/von Kevelaerer Blatt

Kerstin Stegemann nahm kein Blatt vor den Mund, als sie im Kevelaerer Priesterhaus auf die Situation der Kirche zu sprechen kam: „Umstrukturierungen sind jetzt notwendig, und es ist nicht die Frage, ob wir das wollen. Wir müssen es, aber jetzt können wir sie noch aktiv gestalten.“

Seit Mai ist die 34-Jährige Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Münster, in Kevelaer sprach sie auf Einladung des Kreiskomitees der Katholiken. Und das Interesse am Schwerpunktthema des Abends, „Gemeinden ohne Priester – Modelle der Gemeindeleitung in den nächsten Jahren“, war groß.

Aus allen Teilen des Kreises Kleve waren Vertreter katholischer Verbände und Pfarreien in die Marienstadt gekommen, um mit Kerstin Stegemann über die Zukunft der Kirche zu sprechen. Sie setzen sich ehrenamtlich vor Ort ein, wofür ihnen der Vorsitzende des Kreiskomitees, Edmund Raadts, schon bei der Begrüßung seinen Dank aussprach.

Und auch Kerstin Stegemann betonte: „Sie als engagierte Laien tragen einen entscheidenden Teil dazu bei, dass das Bistum so sein kann, wie es ist.“ Die Zahl der Gläubigen, aber auch die der Priester sei in den vergangenen Jahren stark gesunken, doch das sei nicht nur Besorgnis erregend, sondern könne auch eine Chance sein. „Jetzt ist die Stunde der Laien, in der wir sagen können, wie wir uns Kirche vorstellen“, erklärte sie.

Der Generalvikar des Bistums, Dr. Klaus Winterkamp, habe ausdrücklich dazu aufgefordert, vor Ort in den Pfarreien neue Wege auszuprobieren und, falls sie nicht funktionieren, Ideen auch gegebenenfalls wieder zu verwerfen.

„Wichtig ist meiner Ansicht nach“, erläuterte Kerstin Stegemann, „dass Ehrenamtliche künftig nicht nur organisatorisch, sondern auch verantwortlich in der Leitung handeln dürfen.“ Dazu sei die Unterstützung durch hauptamtliche Fachkräfte notwendig, da sonst die Gefahr einer Überforderung der Ehrenamtler drohe.

In ihrem Vortrag stellte die Expertin aus Münster unterschiedliche Modelle der Gemeindeleitung vor, machte aber auch direkt deutlich, dass es „kein richtiges und falsches Modell“ gebe. Das könne von Ort zu Ort unterschiedlich sein. Jedoch „braucht es Menschen, die Mut haben und Verantwortung übernehmen.“ Gemeinsam könne man die Chance ergreifen, den Strukturwandel in der Kirche aktiv zu gestalten.

Zum Ende ihrer Ausführungen kam Kerstin Stegemann noch mit den Zuhörerinnen und Zuhörern ins Gespräch, die ihre Ideen und Wünsche auf bunte Karten schreiben konnten. Immer wieder wurde gefordert, dass Kirchen und Pfarrheime als Orte der Gemeinschaft erhalten bleiben sollen, dass Priester sich mehr auf die Seelsorge und weniger auf die Verwaltung konzentrieren sollten und Laien auf Augenhöhe Verantwortung übertragen werden müsse. Sie werde, versprach Kerstin Stegemann, die Wünsche und Anregungen mit in die nächsten Gespräche zwischen Diözesankomitee und Bistumsleitung nehmen.

Schlagworte: Gemeindeleitung, Kirche, Kreiskomitee der Katholiken
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