Der aktuelle Stand sowie die zukünftigen Gestaltungsmöglichkeiten der hausärztlichen Versorgung im Ort sowie in der Stadt Kevelaer waren Thema des Informationsabends, zu dem der CDU-Ortsverband Twisteden in das Café zum Schafstall eingeladen hatte.
Bardo Jensch, der CDU-Ortsverbandsvorsitzende, konnte dazu etwa 40 interessierte Besucherinnen und Besucher begrüßen. Der langjährige Twistedener Hausarzt Christoph Starke stellte in einem zweistündigen, sehr offenen und informativen Vortrag die hausärztliche Versorgung in der Region dar. Er betonte dabei, dass der Hausarzt die wichtigste Schnittstelle für Patienten bei der ärztlichen Diagnose und Behandlung sei und bleibe. Auch neue und notwendige gesundheitspolitische Konzepte dürften deshalb die herausgehobene Funktion des Hausarztes nicht gefährden.
Sehr herausfordernd sei es dabei im Raum Kevelaer, dass die überwiegende Anzahl der Hausärzte das 60. Lebensjahr bereits überschritten haben und deshalb Nachfolgefragen ganz oben einzuordnen seien. Gegenüber einem Soll von 100 Prozent stehe derzeit nach dem Ausscheiden von Ärztin Klein im vergangenen Jahr der hausärztliche Versorgungsgrad im Raum Kevelaer bei 86 Prozent, also bei einer Unterversorgung.
Die Brisanz der Situation bestehe darin, dass bei einem weiteren Absinken des Versorgungsgrades, z.B. auf unter 80 Prozent, durch das Ausscheiden eines weiteren Hausarztes eine geordnete ärztliche Versorgung nur noch mit Abstrichen und zu Lasten der Patienten zu leisten sei. Bei der Suche nach Lösungen für die Zukunft sei ganz klar zu sehen, dass das Modell des klassischen Hausarztes, so wie er im Raum Kevelaer derzeit noch weitgehend anzutreffen sei, nicht die ausschließliche Perspektive sein könne.
Aufgrund der geänderten Lebensplanungen der heute jungen Ärztinnen und Ärzte seien dringend neue Praxismodelle zu entwickeln, die auch ärztliche Teilzeitmodelle und Ärzte im Angestelltenverhältnis mit einbeziehen.
Medizinische Versorgungszentren könnten deshalb eine sehr interessante Bereicherung für die medizinische Nahversorgung bilden – sowohl für die Patienten als auch für die Ärzte.
Die Herausforderung für die Kommunen sieht Starke darin, entsprechende Räumlichkeiten und ein entsprechendes Umfeld für Praxisgemeinschaften bzw. Versorgungszentren zu konzipieren und zu fördern, ohne dass die finanziellen Spielräume der Städte, ähnlich wie leider zu oft bei kommunalen Krankenhäusern, dabei am Ende überstrapaziert werden. Bevor Starke bereitwillig auf die verschiedenen Fragen der Zuhörer eingehen konnte, informierte er darüber, dass er zusammen mit seiner Frau gerne seine Praxis in Twisteden noch weitere fünf Jahre bis zum Erreichen seines 70. Lebensjahres führen möchte – soweit ihm das seine Gesundheit zuließe.
Gleichzeitig verwies er darauf, dass bei der Niederlassung von Hausärzten die persönliche Ansprache eine große Rolle spiele. Jeder dürfe deshalb junge Ärzte oder am Arztberuf Interessierte auch mit ihm direkt in Kontakt bringen.
Bardo Jensch dankte schließlich Starke dafür, dass er allen Anwesenden ein so wichtiges und komplexes Thema umfassend vermittelt habe. Den Zuhörern dankte er für ihre überaus konzentrierte Teilnahme.



