Aktuelles aus Twisteden

Ein bedeutsamer Baum des Jahres 2021 wurde am Minigolfplatz gepflanzt

Stechpalme für Twisteden

Das Kuratorium zur Auswahl des jeweiligen „Baum des Jahres“ für Deutschland entschied sich im zurückliegenden Herbst für die Stechpalme als Baum des Jahres 2021. Am 3. November adelte die „Dr. Silvius Wodarz Stiftung“ in Berlin diese bedeutsame, jedoch in freier Landschaft kaum noch anzutreffenden Baumart.

Twisteden freut sich über 30 km/h

Seit fast 14 Tagen gehen die Mundwinkel in Twisteden nun hoch – manchmal allerdings auch runter. So lange hängt dort nämlich eine feste „Smiley-Ampel“ für Autofahrer*innen. Offiziell heißt sie „radargestützte Verkehrswarnanlage“ und zeigt das lachende oder traurige Gesicht und die tatsächliche gefahrene Geschwindigkeit an – erlaubt sind im Bereich der Schule 30 km/h.

Ortsvorsteher Paul Schaffers, die örtliche CDU und der Natur- und Heimatverein waren sich schnell einig: Zwar besitzt die Stadt Kevelaer eine mobile Anlage, aber die Twistedener sollten eine eigene bekommen. Schaffers erkundigte sich nach den Modalitäten und warb über seine Partei Sponsorengelder örtlicher Unternehmer aus Gärtnerei- und Tourismusbereich sowie der Kiesindustrie ein. Innerhalb kürzester Zeit war die Summe für ein Gerät zusammen, der Heimatverein und eine Spende des „Fonds Energie für Kevelaer“ machte ein zweites Gerät möglich.

So wird jetzt in beide Richtungen auf der Dorfstraße vor der Schule gemessen und angezeigt. Georg Metzelaers vom Ordnungsamt, der für eine „möglichst unbürokratische Abwicklung“, die Genehmigung in Kleve für die Installation an der Kreisstraße und den Kontakt zu einem Hersteller sorgte, hat auch schon beobachtet, dass die Gesichter Wirkung zeigen: „Die Autofahrer achten tatsächlich darauf.“ Schaffers sieht die Anlage auch als Beweis dafür, „dass man selbst was machen kann. Wir als CDU haben gesagt: Wir nehmen das in die Hand und machen was.“

Unbekannte entwenden Grabschmuck

In der Zeit zwischen Montagnachmittag, 15. Februar 2021, und Mittwochnachmittag, 17. Februar 2021, entwendeten unbekannte Täter*innen auf dem Friedhof am Gerberweg Grabschmuck. Gestohlen wurde ein Kerzenständer in Form der Gnadenkapelle. Zeugenhinweise zu verdächtigen Beobachtungen nimmt die Kripo Goch unter Tel. 02823-1080 entgegen.

Ganz ohne Karneval geht es nicht

Vor dem Haus von Präsident Rolf Roosen parkten die Vorstandsmitglieder der Karnevalsfreunde Twisteden (KFT) mit ihren fünf Autos, um dem „Zug“ mit dem einen Wagen eine entsprechende coronakonforme Jecken-Begleitung zu verleihen. „Ganz ohne geht einfach nicht. Zumindestens etwas – 14.11 Uhr, zur traditionellen Zeit“, unterstrich der Zugmarschall der KFT, Kevin Ricker. „Volksauflauf ist kontraproduktiv – angekündigt isset nicht“, machte er klar, dass man im Vorfeld vorsichtig gewesen war.

Anna Lindemann und Calvin Ehren hatten ihr Auto mit dem Schriftzug „Helau 2021“ beklebt: „Ich bin da durch meinen Freund reingerutscht, ich finde die Aktion ganz schön“, meinte die junge Frau. „Wir machen das einfach mal so“, meinte ihr Freund, ein von Kindesbeinen an begeisterter Karnevalist. „Ein bisschen die gute Laune ins neue Jahr hineintragen“ war seine Motivation.

Die vierjährige Paula saß mit ihrer Mama im Wagen davor und rief schon begeistert: „Helau“. Sie habe sich schon den ganzen Tag darauf gefreut, lächelte die junge Dame. „Das ist mein erster Karnevalszug.“

Der Papa im Kofferraum

„Hoppeditz“ Uwe Ehren saß im Kofferraum. „Das ist coronakonform, weit weg von den anderen. Man muss zeigen, dass wir auch an Karneval denken“, feierte er so eine besondere Form des „Erwachens.“ Das „bestätigte“ auch sein „fast angeheirateter Schwiegersohn“ Philipp Gründel: „Der war das ganze Jahr im Kofferraum – jetzt haben wir ihn rausgelassen“, scherzte der gebürtige Duisburger. „Dass ich meinen Papa mal im Kofferraum transportieren würde, habe ich nicht gedacht“, musste auch Freundin Danielle Ehren lachen. „Es ist zumindestens ein bisschen Feeling“, war sie voller Vorfreude. „Die Vorbereitung heute morgen hat Spaß gemacht und alles, was sonst fehlt, konnte man so vielleicht ein bisschen auffangen.“ 

KFT-Präsident Rolf Roosen fuhr ganz vorne mit dem am Vortag noch umgerüsteten Minigarden-Wagen und seiner Familie. KFT-Kassierer René Ehren fuhr den Trecker vorne, seine Frau Jessica und die beiden Töchter feierten auf dem Wagen mit. „Das hat ein bisschen was von „Anarchie“, was wir hier machen. Aber die haben wir uns ja genehmigen lassen“, war Roosen gespannt auf das, was passiert. „Wir haben eigentlich letztes Jahr im November schon gesagt, wir machen das so. Alle Vereine lassen sich irgendeine Aktion einfallen, fahren zu den anderen Vereinen hin, verschenken Orden und Tütchen.“ Da wolle man nicht zurückstehen. „Die Menschen sollen einfach nur wissen, dass wir daran gedacht haben.“ Groß kommuniziert habe man das vorher natürlich bewusst nicht, um Menschenansammlungen zu vermeiden.

Die Jecken setzten sich in Bewegung

Zu „Nie mehr Fastelovend“ von „Querbeat“ setzte sich der kleine Tross mit dem „Hoppeditz“ Uwe Ehren und dem Vize-Präsidenten Reiner Schreiber an der Spitze, Musikboxen in dem hochgerichteten Kran und einem „uralten Schild, das wir gefunden haben, als wir den Trecker rausgeholt haben“ (Roosen) vom Birkenweg aus in Bewegung. 

Auch aus dem Auto heraus ließ es sich mitfeiern.

Mit der lauten Musik von Brings, De Höhner und anderen Klassikern sorgte der Zug naturgemäß für Aufmerksamkeit. „Überraschen tut mich hier gar nix mehr – ein Vögelchen hat es mir erzählt. Geil“, meinte ein Nachbar. „Wenn man Tradition aufrechterhält gegen alle Widerstände, das ist toll.“ Die Musik lockte auch Patty und Michael Brünken vor die Tür. „Super Aktion“, fanden beide. Und in der Quirinusstraße ließ es sich „Attacke“ Karin Raimondi nicht nehmen, ein paar Buttons zu verteilen. „Einfach nur klasse“, meinte sie.

Auch später am Gerberweg und der Kuhstraße feierten Menschen mit – so wie Sandra Schubert mit ihrem Mann und den Töchtern Emilia und Klara. „Da wird einem schon warm, etwas Herzschmerz, aber schön“, verband sie damit den Wunsch vieler. „Nächstes Jahr feiern wir wieder und werden uns in dem Armen liegen.“

Auch Familie Keuler trat vor die Haustür.  „Super, ich bin überrascht, dass hier ein paar Autos fahren. Wir machen hier unsere Privatparty“, meinte „Indianerin“ Desirée Keuler, deren Tochter Lina wie eine kleine Fee aussah. Und an der Kurve der Gaststätte Peters hin zur Dorfstraße tollte Tilo Lichner ausgelassen tanzend vor der Haustür. „Megageil, herrlich. Ich habe gestern Geburtstag gehabt, da gab es auch schon Karnevalsmusik.“

„Normale“ Fahrzeuge im Karnevalszug

Auf der Dorfstraße mussten sich einige „normale“ Fahrzeuge in die Kolonne einreihen, so dass die Autoschlange kurzzeitig sogar noch etwas länger erschien. Die Fahrer nahmen es gelassen, im Kreisverkehr hin zum Irrland bog der Tross ab in Richtung Ausgangspunkt. 

Die Akteure auf dem Wagen waren happy. „Es war anders wie sonst, aber besser wie gar nix“, meinte Jessica Ehren. Und Präsident Rolf Roosen ergänzte: „Auf der Dorfstraße war der Zug länger als die Jahre davor, weil soviele Autos dahinter waren. Die Familien, die da zusammen standen, die passten alle zusammen. Die kennen wir ja.“ Also verlief alles coronakonform. Und letztlich habe man Freude vermitteln können. „Es waren in jedem Haus lachende Gesichter. Keiner hat uns den Vogel gezeigt – also war die Idee gar nicht so schlecht.“ 

Eine Bildergalerie zu den diesjährigen Karnevalsaktionen finden Sie hier auf unserer Website. 

Vom Haus Freudenberg ging es beruflich nach Twisteden

Es ist und bleibt spannend – jedes Mal aufs Neue. „Wenn wir einen Beschäftigten auf den allgemeinen Arbeitsmarkt ‚entlassen‘, kann niemand mit Gewissheit sagen, dass es garantiert für beide Seiten passt“, beschreibt Barbara Stephan, Geschäftsführerin von Haus Freudenberg. Umso mehr freut sie sich über die aktuelle Vermittlung von Kevin Vermeulen aus Kevelaer. „Er hat im Frühjahr den Sprung aus der geschützten Werkstatt herausgewagt und fühlt sich sehr, sehr wohl an seinem neuen Arbeitsplatz“, sagt die Geschäftsführerin. 

Der ehemalige Beschäftigte der Garten- und Landschaftspflege am Freudenberger Standort Baersdonk ist nun im Gartenbaubetrieb Janßen in Twisteden zuhause – dem Unternehmen, das mit seinen leuchtenden Heidepflanzen, den Beauty Ladies, Marktführer in Europa ist.

Mehr als 60 Mitarbeiter*innen packen dort täglich rund um die Pflanzenwelt mit an. Mittendrin sorgt Kevin Vermeulen, meist innerhalb einer Gruppe mit bis zu sechs Kolleg*innen, für tatkräftige Unterstützung. Insbesondere die Verladearbeiten, das Aufbereiten oder das Aufladen und Transportieren von Pflanzen stehen auf seiner täglichen Aufgabenliste. Besonders gerne ist er mit den Maschinen zugange. „Kevin Vermeulen ist zuverlässig, denkt mit und ist sehr ehrgeizig – ein wirklich engagierter Mitarbeiter“, fasst Raphael Janßen als Geschäftsführer der Gartenbau Janßen GmbH & Co. KG zusammen.

Neue Wege in der Personalsuche

Für den Unternehmer stehen dabei zwei Komponenten im Fokus: Zunächst einmal gehe es ihm und seiner Familie um den sozialen Aspekt: „Wir wollten einem jungen Menschen, der es vielleicht nicht ganz so einfach hat im Leben, eine Chance bei uns bieten.“ Darüber hinaus habe der Mangel an Arbeitskräften zu neuen Wegen in der Personalsuche geführt. „Der Übergang von Haus Freudenberg zu uns verlief völlig unkompliziert“, schildert Janßen, „eine sehr gute Kommunikation war dabei das A und O.“ Kevin Vermeulen habe von Anfang an „gut gepasst“.

Die Gärtnerei Janßen bewirtschaftet rund 27 Hektar Freiland und drei Hektar unter Glas. Es werden 40 unterschiedliche Produkte im Beauty Ladies® Sortiment, Lavendel, Pernettya und Erica ventricosa produziert. Neben Raphael Janßen stehen seine Eltern und Geschwister, Marek und Lavinia Janßen, an der Spitze des Gartenbaubetriebes.

Abwarten und gucken, wo man noch Akzente setzen kann

Dass das vergangenen Jahr für alle Unternehmer auch in Kevelaer coronabedingt kein Vergnügen war, durften auch die Verantwortlichen des Twistedener Irrland-Parks erfahren – auch wenn man die Phase des ersten Lockdowns eigentlich ganz gut verpackt hat.

„Wir durften Mitte Mai wieder starten, eigentlicher Termin für die Eröffnung war ja Mitte März. Da hatten wir Schlimmeres erwartet, das ging schneller als gedacht“, sagt der Manager des Familienunternehmens, Christopher Tebartz-van Elst.
Punktlandung

Als das „Irrland“ am 1. November die Pforten schloss, kam der zweite „Lockdown, einen Tag später. Das war so eine Art Punktlandung“, sagt er. „Da hatten es die ganzen Weihnachtsmärkte wesentlich schwieriger als wir Parks.“ Dementsprechend verfährt man nach den Motto „Irgendwie geht es immer weiter“ – obwohl die aktuelle Lage kaum wirklich einzuschätzen ist.

„Wie es in der Politik weitergeht -    auch die wissen nicht, wann die Parks wieder öffnen dürfen“, sagt Tebartz-van Elst. „Das liegt an den Fallzahlen, wie sie sich entwickeln. Wie das Impfen so weitergeht, steht ja auch noch in der Schwebe. Wir hoffen auf die Osterferien“, sagt er und fände es schon gut, „wenn wir da eröffnen könnten.“

Bis dahin gelte es jetzt erstmal, abzuwarten und zu gucken, was man in der Zwischenzeit auf dem Gelände selbst noch an Akzenten setzen könne. Denn über 20 Jahre nach der Eröffnung des Parks gibt es immer wieder neue Projekte und Attraktionen, die es einzuführen gilt, um den Besuch in der Bauernhof-Erlebnisoase weiter attraktiv zu halten.
Das „Irrland“-Team hat sich dazu entschlossen, an zwei Schwerpunkten in der Vorbereitung des Parks zu arbeiten. „Wir arbeiten vor allem an dem Bahnhofsgebäude weiter mit den Blöcken, damit das Gleisbett ausgebaut wird.“

Eine neue „Indoor-Halle“

Und auf dem Plan steht eine „Indoor-Halle für Kleinkinder“, die im Nordbereich des „Irrland“ stehen wird. „Wo auch die Lok steht“, die zuletzt in einer spektakulären Aktion mit einem großen Kran dort hingehievt wurde (das KB berichtete). Dazu kommt eine neue Beregnungsanlage für den „Plantaria“-Teil . „Das geht eh nur im Winter“, sagt der Manager. Die Installation der computergesteuerten Anlage, soll dazu beitragen, dass man damit eine ganze Menge an Wasser sparen kann, sagt er.

Und dann hofft er auf Ende März. „Das könnte klappen, wenn sich die Bevölkerung an die Regeln hält. Aber da hört man auch momentan die dollsten Geschichten“, spielt er auch auf die Ereignisse in den Schneegebieten von Sauerland und Eifel an.

Was die Disziplin seiner Gäste anbetrifft, ist Tebartz-van Elst auch für das anstehende Frühjahr entspannt. „Bei uns haben sich 99 Prozent der Besucher an alles gehalten – von Maskentragen bis zum Abstand.“

Ein außergewöhnliches Manöver in Twisteden

Es war ein Erlebnis, das man nicht alle Tage sieht: Eine 28 Tonnen schwere Lok schwebte in luftiger Höhe nahe der Dorfstraße über die Hecke auf die Erlebnisfläche des „Irrland“. „Wir legen da noch Stahlplatten an“, erläuterte Timo Kayser vom Kevelaerer Kranvermieter Boll. Am Morgen war das riesige Kranfahrzeug  der niederländischen Verleihfirma Herpertz angefahren worden. Und die Experten ließen sich Zeit, um das Fahrzeug entsprechend zu sichern und auszurichten, damit es auf dem Untergrund die entsprechende Stabilität mitbrachte.

Auf der anderen Seite der Hecke an der Dorfstraße stand der Transporter mit der Lok, die dann mit den entsprechenden Trageseilen versehen wurde, um dann langsam Stück für Stück hoch, über die Hecke und dann auf die andere Seite gewuchtet zu werden.  Im Zuge der Aktion wurde später eine bereits auf dem Gelände stehende, immerhin 24 Tonnen schwere Diesellkok auf ein anderes Gleis gehievt, damit der neue Koloss seinen Platz auf dem Gleis dort erhalten konnte. 

Die Aktion ist ein Bestandteil des Planes, auf der „Irrland“-Fläche zwischen Dorf- und Kuhstraße einen Bahnhof im Stil des 19. Jahrhunderts zu entwickeln. „Und was braucht man dafür? Eine echte Dampflok“, freute sich „Irrland“-Chef Johannes Tebartz-van Elst nach Minuten des bangen Schauens und Hoffens mit seiner Familie und den anwesenden Mitarbeitern über den sicheren Transport des Fahrzeuges, das bis vor wenigen Wochen sogar noch gefahren war. Das gut hundert Jahre alte Exemplar hatte man über den Paderborner Eisenbahnverein aufgetrieben. „Wir hatten Glück, dass der Kessel kaputtgegangen ist und es für den Verein zu teuer war, einen Neuen zu kaufen“, berichtete Tebartz-van Elst.

Die Lok wird begehbar sein

Es ging hoch hinaus.

Mit neuem technischen Equipment will man dann die Illusion einer fahrenden Dampflok erzeugen. „Die Lok wird einfach zwei Zentimeter über die Schienen gesetzt. Unsere Werkstatt baut dann ein elektrisches Getriebe da rein – und dann sieht es so aus, als würde sie richtig laufen.“ Dazu komme noch „Disco-Qualm“ und die passende Akustik. „Dann sieht es so aus, als würde sie in den Bahnhof hinein fahren. Der Wagen da vorne ist 100 Jahre alt, den haben wir restauriert. Ein zweiter steht noch am Parkplatz, den müssen wir auch noch restaurieren. Und dann können die Leute da auch richtig reingehen.“

Dazu soll noch ein entsprechendes Bahnhofsgebäude kommen. „Das haben wir aber wegen Corona gestoppt.“ Denn trotz dieser aktiven Maßnahmen für die Zukunft des „Irrland“-Parks besteht die Unsicherheit, ob man im März wegen des Virus überhaupt schon öffnen kann.

Unbekannte stehlen Kettensäge und Erdbohrer

Im Zeitraum von Mittwochabend. 25. November 2020, 19 Uhr, bis Donnerstagmorgen, 26. November 2020, 7 Uhr, verschafften sich unbekannte Täter Zugang zu einer Werkhalle und einem Pferdestall am Vennweg. Hier entwendeten sie unter anderem eine Kettensäge und einen Erdbohrer und flüchteten mit ihrer Beute über einen Zaun in unbekannte Richtung.

Hinweise zu verdächtigen Personen oder Beobachtungen nimmt die Kripo Goch unter Tel. 02823-1080 entgegen.

Die „Frittenschmiede“ kommt nach Twisteden

Das Abenteuer „Gastronomie“ begann für Michael Schweppe im Mai 2016. Zu diesem Zeitpunkt übernahm er den Imbiss „Zur Frittenschmiede“ am Hoogeweg in Kevelaer. Seinen Betrieb erweiterte er kurz darauf um einen mobilen Anhänger für Veranstaltungen. Nach knapp fünf Jahren als Geschäftsinhaber eröffnet der Kevelaerer nun im Januar eine zweite Filiale in Twisteden. Die Entscheidung ist für den 40-Jährigen ein weiterer Schritt Richtung völliger Selbstständigkeit. Denn aktuell ist Schweppe hauptberuflich noch als LKW-Fahrer bei AGV in Sonsbeck tätig. Auf lange Sicht möchte er sich in Vollzeit seinem Imbissbetrieb widmen.

„Ich wollte immer schon einen festen Laden haben“, erzählt Michael Schweppe, der in seiner Jugend Erfahrungen in der Gastronomie sammelte und außerdem Hobby-Koch und leidenschaftlicher Grillmeister ist. Der Imbiss in Kevelaer war für den 40-Jährigen ein guter Einstieg in die Gastronomie, den er nur durch die Mithilfe seiner Mutter Josi Schweppe meistern konnte. Die 58-Jährige ist die „gute Seele“ im Betrieb und steht mit viel Herzblut hinter der Theke. Auch in Twisteden wird sie künftig mit anpacken. Schweppe wird seine Filiale an der Dorfstraße 4b eröffnen. In dem Lokal war bis vor einigen Monaten „Tamaras Frittenschmiede“ ansässig. Trotz der Corona-Krise entschied sich der zweifache Familienvater für die Übernahme. In dem Dorf, in dem er selbst wohnt, habe er einfach ein gutes Gefühl, diesen Schritt zu wagen.

Kunden gewinnen und behalten

Der Imbiss in Kevelaer soll geöffnet bleiben, betont der Unternehmer, der beim Vorbesitzer selbst dort zu Gast war. Die Filiale in Twisteden habe letztlich natürlich einen anderen Charakter. Es gibt mehr Sitzmöglichkeiten, die Karte soll nach dem Start erweitert werden und auch Veranstaltungen plant Schweppe. „Wir wollen Kunden gewinnen und behalten“, sagt der Unternehmer, der auf eine familiäre Atmosphäre in seinem Team Wert legt. Auch der Imbisswagen für Veranstaltungen soll weiterhin erhalten bleiben. Mit diesem stehen der 40-Jährige und sein Team auf Schützenfesten, Geburtstagen und sonstigen Feierlichkeiten. Das Ganze werde gut angenommen. Auch für dieses Jahr sei der Hänger beinahe ausgebucht gewesen – bis Covid-19 kam.

Bis der Betrieb in Twisteden vollständig eingespielt ist, soll dort vorerst nur am Nachmittag geöffnet sein. Die offizielle Eröffnung ist für den 2. Januar um 15 Uhr geplant. Zur Vervollständigung seines Teams sucht der Unternehmer noch Vollzeit-, Teilzeit- oder 450-Euro-Kräfte.

Auf das Beste für Twisteden gucken

Dass Paul Schaffers leidenschaftlicher Fußballfan ist, ist nicht nur an den Geißbock- Symbolen an der Garage und im Garten zu sehen. Im Keller hat der 63-jährige Geschäftsführer der Welbers Kieswerke GmbH zahlreiche Utensilien seines Vereins aufbewahrt, wo er mit seinen Jungs früher auch Fußball geguckt hat. Mit dem jüngeren seiner beiden Söhne, der in Siegen studiert und Ende des Jahres in seine Firma mit einsteigt, geht er immer wieder zu den Spielen. „Man hat jetzt gemerkt, dass da was fehlt“, bekennt er gerne. Mit dem Ältesten geht das mit dem Fußballbesuch nicht – denn der studierte Physiker ist wissenschaftlicher Assistent an einer Uni in Finnland.

Es fehle ihm auch was in Richtung Karneval, wo die Jecken am 11.11. wegen Corona nicht loslegen können – ein Wermutstropfen für den „überzeugten Karnevalisten“ Paul Schaffers, der „22 Jahre lang hier im Karnevalsverein Vorsitzender“ war. Er habe gerne in Projekte wie das Männerballett viel Zeit hineingesteckt. „Es war wahnsinnig viel Arbeit“, bekennt der Kevelaerer Karnevalsprinz von 1998 im Nachhinein. Als er 2009 merkte, dass er keine Ideen mehr hatte, gab er das Amt ab, „ehe die mich da wegjagen“. Eben ganz oder gar nicht.

Geboren ist der CDU-Politiker in Keylaer, wuchs auf einem kleinen Bauernhof auf. Der Vater war Betriebsschlosser und gelernter Schmied. Von ihm stammt der Leitsatz: „Wenn Du Dir was vornimmst, musst Du das durchziehen.“ Seine Mutter war Hausfrau. „Sie hat immer zu mir gesagt: ein lieber braver Junge. Ich war vom Wesen her sehr zurückhaltend.“

Als Kind bestand die Welt aus der Schule, der Umgebung und einer sorgenfreien Zeit. „Wir durften Baumhäuser bauen, Cowboy und Indianer spielen und schmutzig nach Hause kommen“, erinnert sich Schaffers sichtbar gerne daran. Über die Stationen Hubertus- Grundschule und Edith-Stein-Realschule sowie Handelsschule Geldern begann er eine Lehre als Industriekaufmann, ging dann für 15 Monate zur Bundeswehr, war in Emmerich stationiert. „Eine verlorene Zeit“, sagt Schaffers im Rückblick dazu. Eine Zeit, die man irgendwie rumbekommen musste.

Eine harte Zeit

Nach einer kurzen Episode bei Welbers, wo er jetzt seit Jahrzehnten wirkt, zog es den damals 21-Jährigen eigentlich in die Großstadt, raus aus dem „engen“ Kevelaer. Aber daraus wurde nichts. „Da stand dann ,leider‘ die richtige Frau“, spricht er über seine erste Ehe. Im Alter von 29 Jahren starb seine damalige Frau jedoch an Brustkrebs – eine harte Zeit, über die Paul Schaffers aber reden kann. „Man sitzt stundenlang in der Ecke und weint“, bekennt er ganz offen. „Sie war damals auch schwanger und es bestand die Frage, ob nur Chemo oder nur Schwangerschaft. Das war die schlimmste Woche meines Lebens.“ Am Ende signalisierte der behandelnde Mediziner, dass beides möglich sei; der jüngste Sohn wurde im Alter von acht Monaten vorzeitig geholt.

Seiner Frau versprach er, sich um die beiden Jungs zu kümmern. Das habe geklappt, sagt er heute. „Die wollten ja auch weiterleben, und das Leben geht schließlich weiter.“ Um die Kinder nicht aus der gewohnten Umgebung herausnehmen zu müssen, gestaltete er das Grundstück an der Martinistraße, wo sie wohnten, um.

Und er habe das große Glück gehabt, „nochmal eine tolle Frau kennenzulernen“, die ihn und die zwei Kinder in ihr Herz geschlossen hat. Diese Zeit damals habe ihn aber in der Hinsicht geprägt, nicht alles im Leben so ernst zu nehmen. „Wenn ich daran denke, kann ich bei vielen Sachen gut runterfahren.“

Mit Politik hatte er nichts am Hut, bis ihn 2009 ein CDU-Mann fragte, ob er sich vorstellen könnte, für die CDU in den Kevelaerer Rat zu gehen. Es brauche da nicht nur Verwaltungsleute, sondern auch Unternehmer. „Meine Frau warnte mich: Du musst immer alles hundertprozentig machen.“ Er sagte zu. „Das war am Ende auch zuviel“, meint er aus heutiger Sicht. Die CDU sei schon „meine Partei“, sagt er. Als junger Mann sei er eher der SPD zugeneigt gewesen. Aber mit dem Beruf und immer mehr Verantwortung veränderte sich auch der Blick. „Ich kam mit den CDU-Leuten vom Denken her eher zurecht.“ Er wurde Fraktionsvorsitzender, habe „versucht, Dinge für Kevelaer anzuschieben“, sagt er. „Da konnte ich was machen, was mit einem guten Bürgermeister bewegen“, steht er zu dem konstruktiven Verhältnis, das er mit Dominik Pichler ab 2015 gepflegt hat. „Er hat immer, wenn es um Kevelaer ging, praktisch gedacht.“ Und Schaffers zeigt sich anderen Positionen gegenüber aufgeschlossen. „Mir ist fremd, Ideen schlecht zu finden, nur weil sie von einer anderen Partei kommen.“

Der politische Rückzug

Ende 2013, nachdem parteiinterne Auseinandersetzungen zum Rücktritt von Thomas Selders führten, wurde ihm auch das Amt des CDU-Stadtverbandsvorsitzenden angeboten. „Da habe ich mich wirklich gewehrt. Aber man sagte mir: Du kannst das.“ Aus dem Gedanken, das nur eine zeitlang kommissarisch zu machen, wurde ein Amt, das ihn bis zum März dieses Jahres begleitet hat. Man traute ihm zu, die Strömungen in der Partei zusammenzuhalten. Im März trat er von seinem Amt als Stadtverbandsvorsitzender zurück, als die Partei nicht der Empfehlung des Vorstands folgte, keinen eigenen Bürgermeister- kandidaten gegen Pichler aufzustellen. „Ich wollte mich nicht verdrehen und habe das nicht bereut.“ Er zog sich politisch zurück, trat nicht mehr für den Rat an.

Aber er erkennt an, wie sich die Partei jetzt zusammengerauft hat. Dabei nennt er ausdrücklich den Namen Michael Kamps. Was er gut fand an der Arbeit als Fraktionsvorsitzender, sei, dass sich Kevelaer „gut entwickelt“ habe, was nicht nur sein Verdienst sei, wie er betont – und man viele Dinge recht geräuschlos habe entscheiden können. In der Rückschau sei er froh über strukturpolitische Entscheidungen wie den Antwerpener Platz und Aldi-Süd oder bei Fragen wie der Gesamtschule. „Das mit der Hüls, da bin ich stolz drauf“, sagt Schaffers. „Auch Kevelaer wird sich verändern“, ist er überzeugt, dass die „Pilgerei alleine nicht reichen wird“, um die Zukunft der Stadt zu sichern.

Es kommt anders als man denkt

Josef Kobsch (l.) übergibt das Amt des Twistedener Ortsvorstehers an Paul Schaffers. Foto: AF

Eigentlich war das Thema Politik abgeschlossen. „Haken dran und Thema durch“, hatte er sich gesagt – bis der Ortsverband ihn versuchte, für das Amt des Ortsvorstehers zu aktivieren. „Das wollte dann nicht nur die CDU, mich haben auch viele im Dorf angesprochen.“ Er beriet sich mit seiner Frau und versprach, „dass sie die Notbremse ziehen darf“, wenn das Amt zu viel an Zeit kostet. „Ausgleichend sein und auf das Beste für Twisteden gucken“, das stehe jetzt an erster Stelle. Neue Baugebiete bekommen, für das IBC eine Lösung finden. „Da muss dringend was gemacht werden.“ Die Vereine wollten das IBC vor Ort behalten. „Je weiter das raus ist aus dem Ort, desto weniger wird es frequentiert.“ Das kleine Gebäude an der Seite werde in den nächsten Tage ja abgerissen. „Bevor das überplant wird, sollte man wirklich die ganze Fläche in Angriff nehmen und sehen, was man da machen kann.“ Für den Traberpark kann er sich super vorstellen, das Potenzial dort zu nutzen und ein Wohngebiet mit bezahlbarem Wohnraum zu entwickeln.

Was das Dauerthema Verkehr in der Dorfstraße angeht, sieht er beide Seiten. „Die wird man nicht ganz sperren können, da wird ein gewisser Verkehr immer stattfinden.“ Man sei ja auch zum Beispiel über die Gärtnereibetriebe vor Ort froh. Mit der Stadtverwaltung werde man in dieser Woche dazu Gespräche zu führen. „Wir haben unseren Kunden als Unternehmer Merkzettel für die Umgehung in Lüllingen mitgegeben, und unsere eigenen Fahrzeuge haben da auch ihre Anweisungen.“