Aktuelles aus Kevelaer

Vorweihnachtlicher Vortragsabend im Goldenen Apfel

Kevelaer. Eine beeindruckende Lesung mit Texten von Erich Kästner, James Krüss, Heinz Erhardt und zeitgenössischen Schriftstellern wurde im Hotel Goldenen Apfel geboten. Der vorweihnachtlichen Abend, den der ehemalige Lehrer Willi Caelers aus Bochum den gut 40 Zuhörern bot, war erstklassig und sorgte neben lustigen Passagen überwiegend für einen zeitkritischen Blick auf Weihnachten. Zunächst gab Caelers einen groben Überblick über das Leben von Kästner und dessen Sicht auf das Christfest.
Erich Kästner, der ein inniges Verhältnis zu seiner Mutter hatte, konnte die gemeinsamen Weihnachten in der Familie kaum ertragen. „Oh wie schön wäre es gewesen, wenn ich alleine mit den Geschenken gewesen sei.“ Denn er musste als „Zeremonienmeister“ verhindern, dass ausgerechnet am Weihnachtstag die offensichtlich zerbrochene Ehe zwischen seinen Eltern (er selbst war noch nicht einmal seines Vaters Kind, sondern das des jüdischen Sanitätsrates Dr. Emil Zimmermann) in einer Explosion endete. Kästner war schon als junger Schriftsteller ein zeitkritischer Geist. Caelers zitierte „Die Entwicklung der Menschheit“: „Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt, behaart und mit böser Visage. Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt und die Welt asphaltiert und aufgestockt, bis zur dreißigsten Etage… Da saßen sie nun, den Flöhen entflohn, in zentralgeheizten Räumen. Da sitzen sie nun am Telefon. Und es herrscht noch genau derselbe Ton wie seinerzeit auf den Bäumen.“
Kästner erkannte um 1930 den sozialen Sprengstoff, der, nicht nur in Deutschland, von der Armut breiter Schichten ausging und der heute nicht weniger aktuell zu sein scheint. Er textete dagegen: „Lieber, guter Weihnachtsmann, weißt du nicht, wie‘s um uns steht? Schau dir mal den Globus an. Da hat einer dran gedreht…. Lege die Industriellen kurz entschlossen übers Knie. Und wenn sie sich harmlos stellen, glaube mir, so lügen sie.“ Und in Abwandlung („chemisch gereinigt“) eines Weihnachtsliedes: „Morgen, Kinder, wird’s nichts geben! Nur wer hat, kriegt noch geschenkt. Mutter schenkte Euch das Leben. Das genügt, wenn man’s bedenkt. Einmal kommt auch eure Zeit. Morgen ist’s noch nicht soweit…“
Das Gedicht von Sigrid Heuer, welches Caelers vortrug, beschäftigte sich, in Abwandlung des Gedichts von Freiherr Josef von Eichendorff, zeitkritsch mit unserer Konsumgesellschaft: „Markt und Straßen, volle Gassen, hell erleuchtet jedes Haus, hektisch strömen Menschenmassen, nirgends sieht es festlich aus. All die Fenster haben Frauen oder Männer reich bestückt, nicht, damit die Kinder schauen, nein, damit der Umsatz glückt! … Und ich wandre aus den Mauern bis hinaus ins freie Feld. Denke traurig mit Bedauern, wie so arm doch ist die Welt!“
Aber der ehemalige Lehrer aus dem Ruhrgebiet ließ auch die Lachmuskeln ihre Aufgabe wahrnehmen. Bei James Krüss „Frieda die Letzte“ („Will das müde Jahr sich neigen, und der Winter kommt ins Land, fallen Blätter von den Zweigen und die Fliegen von der Wand…“), Loriots „Advent“ („…In dieser wunderschönen Nacht hat sie den Förster umgebracht. Er war ihr bei des Heimes Pflege seit langer Zeit schon sehr im Wege…“) oder von Heinz Erhardt „Ostern mit Humor“ („Wer ahnte, dass zum Weihnachtsfest
Cornelia mich sitzen lässt?…“) und „Eine Weihnachtsgans“ (Tiefgefroren in der Truhe liegt die Gans aus Dänemark.Vorläufig lässt man in Ruhe sie in ihrem weißen Sarg…“), erschallte herzhaftes Lachen durch den ganzen Gastraum.
Zum Abschluss gab Caelers eine Antwort von Rolf Krenzer auf die Frage: „Wann fängt Weihnachten an? Wenn der Schwache dem Starken die Schwäche vergibt, wenn der Starke die Kräfte des Schwachen liebt, wenn der Habewas mit dem Habenichts teilt, wenn der Laute mal bei dem Stummen verweilt und begreift, was der Stumme ihm sagen will, wenn der Leise laut wird und der Laute still, wenn das Bedeutungsvolle bedeutungslos, das scheinbar Unwichtige wichtig und groß, wenn mitten im Dunkel ein winziges Licht Geborgenheit, helles Leben verspricht, und du zögerst nicht, sondern du gehst, so wie du bist, darauf zu, dann, ja dann fängt Weihnachten an.“

Eine dynamische Tradition

Kevelaer. Seit 50 Jahren leistet die Arbeiterwohlfahrt („AWO“) in Kevelaer professionelle Arbeit für die Menschen. In ihren Leitlinien heißt es: „Vor dem geschichtlichen Hintergrund als Teil der Arbeiterbewegung, bestimmen die Werte des freiheitlich-demokratischen Sozialismus, Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit ihr Handeln für eine sozial gerechte Gesellschaft.“
Mit einem Festakt feierte der erste Ortsverein des Sozialverbandes im Kreis Kleve deshalb mit zahlreichen Gästen im Konzert- und Bühnenhaus dieses Jubiläum. Marianne Janssen als 1. Vorsitzende, Wolfgang Funke als ihr Stellvertreter und Vorstandsmitglied Jörg Vopersal konnten unter anderen Bürgermeister Dr. Dominik Pichler, die stellvertretende Bürgermeisterin Brigitte Middeldorf, Bettina Trenckmann, die Vorsitzende des Kreisvorstandes der „AWO“, und die Geschäftsführerin Marion Kurth, Vertreter des Stadtrates, benachbarter Ortsvereine und anderer Sozialverbände sowie zahlreiche Mitglieder begrüßen. Unter Ihnen ganz besonders Alfred Hermens, das einzige noch lebende Gründungsmitglied von 1967, der im weiteren Verlauf der Jubiläumsfeier entsprechend geehrt wurde.
In seinem Grußwort erinnerte Dr. Pichler an Marie Juchacz, die im Dezember 1919 eine gute Idee hatte, als sie als einen Hauptausschuss in der SPD die „AWO“ gründete. „Seit vor 50 Jahren der Ortsverband Kevelaer gegründet wurde, haben Sie viel geleistet. Es gibt also eine Tradition, die aber immer noch dynamisch ist. Für die nächsten 50 Jahre wünsche ich Ihnen weiterhin Erfolg.“
„Ehrenamtliches, gesellschaftliches Engagement und professionelle Dienstleistungen charakterisieren uns als Sozialverband“, führte Bettina Trenckmann in einem Vortrag über die Arbeit der „AWO“ aus. Sie beschrieb das weitgefächerte Angebot in den Bereichen Arbeit und Soziales, Kinder und Jugend, Familie und Integrationshilfe im Kreis Kleve. Angefangen bei der Erwerbslosenberatung, der Flüchtlingsberatungsstelle, dem Frauenhaus, Schwangerschaftsberatung und Hilfe zur Erziehung, der Trägerschaft zahlreicher Kindertagesstätten, Offener Ganztagsschulen, Jugendarbeit und des Familienbildungswerkes bis hin zu Reiseangeboten deckt die „AWO“ das ganze Spektrum im Hilfebereich ab. Ihr war es wichtig, darauf hinzuweisen, dass es gerade in diesen unsicheren Zeiten wichtig sei, sich auf Werte zu besinnen, und dass Gemeinsinn, wie ihn die „AWO“ biete, das Wichtigste in unserer Gesellschaft sei.
Für den mit viel Beifall versehenen musikalischen Rahmen sorgten Anna Hüsmann, Nathalie und Liam Megill und Klara Schmachtenberg von den Jungen Streichern Kevelaer mit Musikstücken von Bach, Dvorak und Schostakowitsch. Eine Tanzdarbietung der Showgirls des VFR Blau-Gold-Kevelaer (wie immer beeindruckend) beendete den offiziellen Teil der Jubiläumsfeier. Bei einem Imbiss im Foyer gab es noch einen regen Gedankenaustausch.
Unterstützung für die „kleinen Leute“
Alfred Hermens, Gründungsmitglied des „AWO“ Ortsvereins Kevelaer, war gelernter Bergmann, arbeitete 22 Jahre in einer Bandwirkerei in Kapellen und 20 Jahre in der chemischen Industrie in Krefeld. „Es waren 1967 schwere Zeiten und die `kleinen Leute´ brauchten Unterstützung. Die „AWO“, die Gewerkschaften und die SPD waren damals die drei Säulen, die das soziale Netz der Arbeiter trugen. Deshalb bin ich von Anfang an in Kevelaer dabei gewesen.“

Spannende Baustellen und dauernde Dokumentation

Kevelaer. Benedikt van Laak ist Bauingenieur. Seinen „Master“ an der Uni Duisburg/Essen hat er im Fachbereich „Infrastruktur und Umwelt“ gemacht, sich auf Siedlungswasserwirtschaft spezialisiert. Und ist heute bei den Kevelaerer Stadtwerken tätig. Viele „seiner“ Projekte sieht nicht nur er jeden Tag. Sie sind im Kevelaerer Stadtbild präsent, beinahe jeder hat sie schon gesehen. Wie zum Beispiel die aktuelle Baustelle „direkt vor der Tür“, auf die er quasi von seinem Büro am Wasserturm schauen kann: die Kanal-Baustelle an der Wember Straße.
Beinahe täglich ist er vor Ort, hält Kontakt zu Ingenieurfirmen und zum Polier der örtlichen Baufirma, ist Ansprechpartner für das Unternehmen wie für Anwohner gleichermaßen. „Baustellenbegleitung“ nennt er das einfach – was in der Praxis schon mal kompliziert werden kann.
Die Planungsarbeit dagegen findet naturgemäß überwiegend im Büro vor dem PC statt. Neben der Planung und der Vergabe neuer Projekte müssen auch die laufenden dokumentiert und zwischendrin sowie nach Abschluss die Rechnungen der Firmen inhaltlich geprüft werden.
Desweiteren kümmert sich van Laak gemeinsam mit Kollegen um das Abwassernetz der Stadtwerke. So werden zum Beispiel die Kamera-Kanalbefahrungen in einer Datenbank dokumentiert. „Innerhalb von zwölf Jahren muss jeder Kanal einmal befahren werden“, sagt van Laak. Die Dokumentation und eine Bewertung, die er nach vorgegebenen Normen vornimmt, dienen dazu, eine „Sanierungsliste“ zu erstellen. Aus dieser ist ersichtlich, welche Kanäle voraussichtlich wann erneuert werden müssen.
Für das kommende Jahr stünden einige große Projekte an, sagt van Laak mit Blick auf die Arbeit in Wetten, wo im Straßenbereich der Ortsdurchfahrt gearbeitet wird, oder die ersten Arbeiten an der Kevelaerer Hauptstraße im Rahmen des Handlungskonzeptes für die Innenstadt, die je nach Wetterlage im Januar beginnen sollen.

Neue Zentralrendantur in Kevelaer eingeweiht

Kevelaer. (pbm/cb) Nach einer kurzen Andacht hat Weihbischof Rolf Lohmann das neue Gebäude der Zentralrendantur in Kevelaer am 29. November eingeweiht. Anschließend ging er durch alle Räume, besprengte sie mit Weihwasser und segnete die Kreuze an den Wänden. Dabei konnte er sich selbst ein Bild davon machen, dass die Mitarbeiter der Rendantur in modernen, gut eingerichteten Büros sitzen.
Von Regen und Hagel
kalt erwischt
Auf die Zeit, die seit dem ersten Spatenstich im April 2016 vergangen ist, blickte der Architekt Jörg Boussard zurück. Man sei von Starkregen und Hagel im Frühsommer „kalt erwischt“ worden, sagte er. In der Folge sei der Grundwasserspiegel um mehr als einen Meter gestiegen, die Arbeiten gerieten kurzzeitig ins Stocken. Nun, nach 19 statt veranschlagten 15 Monaten Bauzeit, freue er sich, das Gebäude übergeben zu können. Neuer Hausherr ist Stephan Nellesen, seit dem 1. November Leiter der Zentralrendantur. „Sehr glücklich“ sei er, dass er mit seinen Mitarbeitern einziehen dürfte, sagte er. Dabei bedankte er sich nicht nur bei allen, die am Bau des Hauses beteiligt waren, sondern auch allen, die den Zusammenlegungsprozess der Rendanturen Goch und Geldern begleitet und unterstützt hatten.
Weihbischof Lohmann betonte die Bedeutung einer starken Verwaltung. „Die Entlastung der Pfarreien durch die Rendanturen ist wichtig. Selbstverständlich ist die Aufgabe der Kirche die Pastoral, die kann aber nur funktionieren, wenn es eine starke Verwaltung gibt, das gehört zusammen. Dadurch, dass es starke Rendanturen gibt, kann in den Pfarreien pastoral gearbeitet werden.“ In dem neuen Gebäude ist neben der Rendantur auch die Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL) des Bistums Münster untergebracht. Zudem wurden sechs barrierefreie Wohnungen gebaut. Eine Rendantur ist die Finanzverwaltung mehrerer Pfarreien – in Kevelaer laufen gar die finanziellen Fäden von den zwölf Pfarreien aus den Dekanaten Goch und Geldern zusammen. Stephan Nellesen, seit dem 1. November Leiter der Zentralrendantur, umreißt die Aufgaben: „Wir kümmern uns um Personalfragen, egal ob es um die Einstellung von Küstern, Organisten oder Reinigungskräften geht, wir verwalten den Haushalt und die Finanzen der einzelnen Pfarreien, kümmern uns um den Bereich Bauen und Liegenschaften, wozu alle Pfarrhäuser, Kirchen und Mietobjekte der Kirche gehören. Zudem werden hier die 39 Kindertagesstätten der beiden Dekanate von A bis Z betreut.“
Der neue Standort der Rendantur sei „gut gewählt“, sagt der Gelderner Pfarrer Arndt Thielen. Und ergänzt augenzwinkernd: „Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass die Rendantur nach Geldern kommt. Aber Kevelaer ist zentral in der Mitte der beiden Dekanate.“ Das ist nicht der einzige Standortvorteil.
Das Gebäude an der Friedenstraße mit freiem Blick auf die Basilika ist ein Neubau, errichtet nach den modernsten Standards. Tageslicht-Lampen sorgen für eine angenehme Atmosphäre, es gibt einen großen Konferenzraum, alles wirkt hell und freundlich. Nellesen deutet im Konferenzraum an die Decke, aus der noch Kabel hängen: „Dort können wir einen Beamer anschließen, so sind künftig Schulungen möglich. Und vielleicht gibt es irgendwann ja auch Videokonferenzen mit anderen Rendanturen oder der Bistumsleitung in Münster.“
Bauleiter Jürgen Dahmen vom Architekturbüro Bousart zählt weitere Vorteile auf: „Für die Mitarbeiter gibt es eine Tiefgarage, selbstverständlich ist das Gebäude barrierefrei.“ Im Hinterhof wird es nicht nur Parkplätze für Mitarbeiter der Pfarrei St. Marien geben, sondern auch einen Unterstand für Fahrräder. Dort wird es zudem die Möglichkeit geben, Elektroräder aufzuladen
Bauherrengemeinschaft
Für das Projekt hat sich eine Bauherrengemeinschaft gebildet, bestehend aus dem neu gegründeten Verband der zwölf katholischen Pfarreien und drei Privatpersonen. Thielen betont: „Sollte die Zentralrendantur hier irgendwann keine Büros mehr benötigen, lassen sich die Räume mit wenig Aufwand in Mietwohnungen umbauen, die Nutzung ist also nicht auf einen reinen Bürobetrieb beschränkt.“ Doch diese Möglichkeit liegt, wenn überhaupt, in weiter Ferne.

Wenn die Physiker in der Zukunft angekommen sind…

Kevelaer. Das Bühnenbild deutete es schon an: Wohl selten hat jemand eine klassischerweise verquaste Dürrenmatt-Vorlage derart gradlinig verschlankt, wie es das Rheinische Landestheater Neuss mit den Physikern tat. Und dass das klappt, ohne die dramaturgisch wichtigen Ecken und Kanten des Stücks zu verbiegen, wussten vor allem die zahlreichen, an zeitlich begrenzte Aufmerksamkeitsintervalle gewöhnten Schülerinnen und Schüler im Publikum zu schätzen. In weniger als anderthalb Stunden Spielzeit plus Pause war das Thema der Weltrettung minus der drei zuvor ermordeten Krankenschwestern grob gerechnet durch und das Bühnenhaus am Dienstagabend wieder von Wahnsinnigen befreit. Aber die Köpfe der zahlreichen, meist jugendlichen Zuschauer noch lange nicht, denn das Paradestückchen Theater um Weltformel, Weltzerstörung, Weltrettung und Wissenschaft hallt in jedem nicht ganz hohlen Kopf trotz der reduzierten Fassung immer noch lange nach.
Mit beinahe wissenschaftlicher Akribie sezierten Reinar Ortmann (Inszenierung) und Anna-Lena Schulte (Dramaturgie) die Szenen und reduzierten diese auf ihre Grundbausteine. Ein sehr gutes Ensemble nahm die gelegten Spuren auf und arbeitete die Figuren und ihre jeweiligen Aufgaben stringent aus. Fast schon klinisch wirkte diese Umsetzung der komödiantischen Vorlage, und passte sich damit dem Spielort, einem Sanatorium, auf eine ganz besondere Weise gekonnt an.
Vielleicht mag mancher diese klinische Reinheit, das Weiße im Auge des Betrachters, als zu hell und gleichzeitig zu erleuchtet betrachten. Die verspielte Muffigkeit, die Dürrenmatt in den 1960er Jahren in seine Szenerien und Charaktere projiziert, wurde vollends von der Bühne gefegt und durch fast schon zu Science-Fiction-artige Anmutung ersetzt. Eine sehr moderne Art, mit klassischen Fragen umzugehen, das sei zugegeben, doch so lange es um Mensch und Intellekt in der Wissenschaft geht, mag man das Gezeigte sicherlich als Laborsituation darstellen können. Zumal, wenn Regie und Schauspieler sichtlich Freude daran haben, dem ,ollen Dürrenmatt‘ ein wenig Zukunftsfähigkeit – und damit deinem Klassiker gleichzeitig ein wenig Unvergänglichkeit – einzuhauchen.
Die Idee, die hinter der Inszenierung steckt, ist mehr als eine Modernisierung eines Klassikers für ein junges Theaterpublikum. Und es machte viel Spaß, dieses frisch polierte Urgestein des Sprechtheaters anzusehen.

Kevelaer – Leporello


Die Kevelaerer Hobby-Künstlerin Monika Behrens hat sich schon oft mit Kevelaer-Motiven auseinandergesetzt und diese mit Farbe und Pinsel auf die Leinwand gebracht. Jetzt kam ihr der Gedanke, dass es doch schön wäre, wenn man die besonderen Kevelaerer-Wahrzeichen in eine kompakte Form brächte, damit diese während der Advents- und Weihnachtszeit für stimmungsvolle Freude sorgen würden.
Im November war es dann soweit, sie hat 3 Einzelbilder (Gnadenkapelle, Basilika und Wasserturm) in Aquarellfarbe auf Leinwand gemalt. Ihr Lebensgefährte Wolfgang Deselaers hat diese Bilder dann fotografiert und digital zusammengesetzt, sodass daraus eine Vorlage für einen Druck entstand. Der in einem Copy-Shop erstellte Prototyp wurde mit einer Schere beschnitten und leicht gefaltet, so dass daraus ein Leporello (Faltbuch) entstand. Das Leporello wurde bei den beiden zuhause auf eine Kommode gestellt und mit einer kleine Lichterkette dekoriert. Fertig war die weihnachtliche Deko. Da Monika Behrens auch bei Facebook unterwegs ist, wollte sie ihr neues Werk auch ihren Freunde präsentieren.
“Die Resonanz darauf war überwältigend”, sagte sie im Gespräch mit dem KB. “Viele Kevelaerer wollten wissen, wo und wann man denn eines davon erwerben kann”, führte sie mit strahlenden Augen weiter aus.
Da sie sich eine professionelle Herstellung finanziell nicht leisten konnten, kam man mit dem Verlag des Kevelaerer Blattes auf die Idee, daraus eine Gemeinschaftsproduktion zu machen. In den weiteren Überlegungen entstanden so mehrere Varianten durch das Spielen mit der Hintergrundfarbe. Neben der Originalfarbe in einem hellen Blau sind jetzt noch Rot, Grün und ein dunkleres Blau hinzugekommen.
Jeder kann jetzt individuell wählen, wie er “sein” Kevelaer-Leporello nutzt, ob als Zuschnitt (obere Kante in Wellenform), als aufgerolltes “Windlicht” oder als Einzel-/Mehrfachbild (individuelle Zusammenstellung).
Das Einzelbild mit den drei Kevelaer-Motiven in einer Grundfarbe (21 x 60 cm) ist für
€ 27,50 exklusiv beim Kevelaerer Blatt zu bestellen (leserservice@kevelaerer-blatt.de) oder ab Samstag, den 9.12.2017 auf dem Advents- und Krippenmarkt (Kevelaerer Blatt Fahne) zu kaufen (solange der Vorrat reicht, inkl. Weihnachtslose des Verkehrsvereins).
Rudi Beerden
 

Das lebendige Krippenspiel

Kevelaer. Esel, Kälbchen und Schafe, dazu ein Stall, Maria und Josef, Hirten, Engel und drei Könige – das alles mit lebendigen Tieren und von echten Menschen dargestellt, dazu eine kleine Puppe, die in Windeln gewickelt in einer Futterkrippe liegt, und ein Sänger, der die Situation in feierlich vorgetragenen Liedern beschreibt, fertig ist das Krippenspiel, das jedes Jahr wieder zahlreiche Menschen zur Advendszeit ins Forum Pax Christi zieht.
Aber der Reihe nach. Unter der Leitung von Sabine Krysmann spielten zahlreiche Messdienerinnen und Messdiener auch in diesem Jahr die Weihnachtsgeschichte. Im Rahmen des Krippenmarktes im Forum Pax Christi wird unter den Klängen von Karl Timmermann an jedem der Adventswochenenden an die Geburt von Jesus vor 2017 Jahren erinnert. Timmermann singt Lieder aus seiner CD „Weihnacht am Niederrhein“ und die Jugendlichen und jungen Erwachsenen stellen in liebevoll hergestellten Kostümen die Protagonisten dar. Für „Wiederholungstäter“, die jedes Jahr das Krippenspiel besuchen, erklangen vertraute Lieder, wie „Weihnacht am Niederrhein“ oder „Leuchte, kleines Licht“, und mancher Krippenmarkt-Besucher konnte laut mitsingen. Dicht drängten sich die kleinen und großen Gäste um das Gatter der Spielstätte und erlebten, dass Mensch und Tier nicht nur lebendig, sondern dass das Krippenspiel auch live war. Einige kleine Tonprobleme ließen sich schnell beheben.
Dann kam jedoch eine Situation, die urkomisch war. Der Esel hatte an den ausliegenden Trögen versucht, etwas Essbares zu finden. Es war aber kein Futter mehr vorhanden. In Eselsruhe schaute er sich um und schritt dann vorsichtig, als wenn er sich anpirschen wollte, Richtung Krippe, um die sich die Hirten mittlerweile knieend versammelt hatten. Einer der Hirten hatte den anschleichenden Esel im Augenwinkel wohl bemerkt und drehte sich etwas in seine Richtung, als ob er sagen wollte, „lass mich bloß in Ruhe“. Der Esel schien verstanden zu haben und lenkte seinen Schritt einem nichtsahnenden anderen Hirten zu. Dieser musste dann unter dem Lachen der Zuschauer erleben, dass lange Haare manchmal für einen Esel wie frisches Futter aussehen, denn dieser fing an, an dem vermeintlichen Heu zu knabbern. Haare und Hirte blieben heile, es war nur ein heiterer Moment in einem besinnlichen Krippenspiel der lebendigen Krippe von Kevelaer.
Das Ensemble:
Mitwirkende in beiden Vorführungen:
Maria: Hannah Adamaschek; Josef: Ben Stepholt, Malte Fiedler; Hirten: Anna Lena Holtappels, Jonas Holtappels, Anika Valkysers, Phillip Adamaschek, Catarina Liebeheim, Theo Opwis; Engel: Sarah Adamaschek (großer Engel), Amelie Hiep, Lynn Martens, Michaela Przynicka, Michaela Angenheister, Florian Hiep, Emelie Henning, Emma Kocken, Karlien Willems, Nick Schumacher; Könige: Christian Derksen, Igor Harz, Fabian Plaep;
Kostüme und Leitung: Sabine Krysmann;
Musik: Karl Timmermann.

Ein Diamant ist unvergänglich…

Kevelaer. …ebenso wie die Liebe zwischen Anneliese und Heinz Koenen. Seit 60 Jahren sind die beiden Kevelaerer verheiratet und feierten dieses Jubiläum im Kreis der Familie und Freunde im Gelder Dyck. Der ehemalige Chemiefacharbeiter lernte seine Anneliese im Jahre 1956 in Kevelaer kennen. Ein Jahr später wurde geheiratet. Ein Haus auf der Weberstraße wurde gebaut wo die beiden 30 Jahre lang wohnen blieben. „Nachdem unser Sohn ausgezogen ist, wurde uns das Anwesen zu groß und wir haben uns dann wohnlich etwas verkleinert“, berichtet die gebürtige Bielefelderin, die mit sieben Jahren nach Kevelaer kam. Zweimal Groß- und einmal Urgroßeltern dürfen sie sich nennen. „Wir blicken auf glückliche Jahre zurück und freuen uns, dass wir beide gesund geblieben sind. Wir hoffen, dass wir das auch noch viele Jahre bleiben werden“, freut sich Heinz Koenen.

Aktuelle Änderungen der Gottesdienstorte in der kommenden Woche

Aufgrund von notwendigen Aufbauarbeiten in der Basilika anlässlich des Besuchs des Bundespräsidenten, die auch die Beichtkapelle mitbetreffen, müssen alle Gottesdienste, die sonst in der Beichtkapelle oder in Sakramentskapelle stattfinden, in der Zeit vom 11.-16.12. in der Kerzenkapelle stattfinden. Dies betrifft die Gottesdienste am Werktag um 8.40 Uhr (Laudes), 9.00 Uhr (Hl. Messe), 12.00 Uhr (Sext), 17.00 Uhr (Rosenkranzgebet) und um 18.30 Uhr (Hl. Messe).
Am Sonntag, dem 17.12., findet die Vorabendmesse um 18.30 Uhr in der Kerzenkapelle und sowohl die Adventsandacht um 15 Uhr als auch die Abendmesse um 18.30 Uhr in der Beichtkapelle statt.
Gesprächs- und Beichtmöglichkeiten sind in dieser Zeit zu den gewohnten Zeiten in der Sakramentskapelle gegeben.

Erinnerungen an die Erinnerungen

Es fing mit einer Leica III an, Diese rein mechanische Kamera – nix mit Spiegelreflex oder gar digital – bekam Wilfried Schotten von seinem Vater zum Abitur geschenkt. So geschehen im Jahre 1968 und es sollte noch 10 Jahre dauern, bis der Junior, inzwischen auf der Weezer Straße wohnend, gegenüber sein erstes Kevelaer-Foto vom ehemaligen Gebäude der Großbinderei Josef Thum schoss.
„Drauflos knipsen“ nannte er sein Tun und im Laufe von 25 Jahren waren so viele Dias zusammengekommen, dass er sich damit an die Öffentlichkeit wagte. Der erste von insgesamt 42 Dia-Vorträgen, die in der Stadt schnell bekannt und beliebt wurden, fand 2003 im Forum der Begegnungsstätte statt. Schotten erinnert sich genau an diesen Juni-Abend: „Unser beliebter Martin Pauli war gerade verstorben, ihn hatte ich noch zu diesem Vortrag eingeladen und er konnte krankheitsbedingt nicht mehr kommen. So blieb nichts anderes übrig, als in einer kleinen Ansprache ihm diesen Vortrag zu widmen.“ Auch von der großen Hitze dieser Juni-Tage und speziell an diesem Abend unterm Dach des Forums weiß Schotten noch „ein Lied zu singen“.
Inzwischen war die Leica zu wertvoll geworden, als dass er sie einem plötzlich Fall oder Sturz hätte aussetzen wollen, so wurde eine „Spiegelreflex“ angeschafft. Das mit der kleinen Digi-Cam kam noch viel später. Was zunächst zu der Erkenntnis führte, dass er zum Archivieren all seine inzwischen in die Hunderte angewachsene Zahl an Dias per Hand, sprich per Dia-Scanner einzeln einscannen musste. So war es in den letzten vier, fünf Jahren schon eine deutliche Arbeitserleichterung, als er gleichzeitig mit der „alten“ wie mit der Digi-Cam seine Bilder schießen konnte.
Diese alten Geräte…
Für viele Nachbarschaften, Vereinigungen, ehemalige Abiturkollegen und Jahrgangstreffen packte Schotten jahrelang seine notwendigen Utensilien in den Kofferraum, um sie an Ort und Stelle aufzubauen: Leinwand, Projektor, Projektortisch; und die modern und technisch versierten Mitmenschen fragten ihn ein ums andere Mal: „Warum baust du immer diesen altmodischen Rummel auf, anstatt deine Fotos mittels Beamer zu präsentieren?“ Dann geriet er jedesmal ins Träumen und erzählte von einem Ambiente, das zu altmodischen Diavorträgen unbedingt dazu gehöre, eben diese alten Geräte…
Nun ist das berühmte „Ende der Fahnenstange“ erreicht. Im großen St.-Antonius-Saal fanden sich nun knapp 100 Menschen ein, die Schotten etwas spitzbübisch begrüßte: „Auf den Plakaten, mit denen ich Sie einlud, stand das Wort „letztmalig“; daher darf ich heute Abend einen vollen Saal begrüßen…“
Der Eintritt war frei und die spendenfreudigen Kevelaerer entrichteten freiwillig einen schönen Obolus von knapp 300 Euro zugunsten der von Schotten ausgewählten Aktion „Schwester Rita“. Tags drauf erfuhr er schon von dieser schönen Zahl und freute sich riesig darüber. Die hohe Zahl seiner Dias war wohl schon bekannt und so brauchte er sich nicht – wie weiland 2003 – dafür entschuldigen, dass er den Anwesenden „nur 115 aus dem Fundus von 2200 Dias“ präsentieren konnte. Und wiederum hatte er, wie des Öfteren während des Vortrages, einen Scherz parat mit den Worten: „Dann ist wenigstens gewährleistet, dass wir heute noch vor Mitternacht ‘na Bett kommen.“
„Niemals geht man so ganz…“ So will er es zunächst mal halten, wenn ihn jemand zu einem kleineren Vortrag einlädt. Schau’n mer mal.