Aktuelles aus Kevelaer

Volksbank an der Niers sieht sich weiter als guter Partner für Wirtschafts- und Privatkunden

Über 300 geladene Gäste begrüßte Vorstandsmitglied Johannes Janhsen gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Wilfried Bosch im Kastell in Goch beim diesjährigen Neujahrsempfang der Volksbank an der Niers. Neben einem kurzen Blick zurück gab Janhsen einen umfassenden Ausblick auf die künftigen Entwicklungsfelder der Bank.
Die ARD-Journalistin und Börsenexpertin Anja Kohl schaute als Gastrednerin mit ihrem Vortrag „Immer Krise? Unser Geld im Zeitalter von Zentralbanken und Negativzinsen“ ebenfalls in die Zukunft.
Politik und Populismus
„Für die einen war 2016 das Jahr, in dem viele beliebte Künstler und Prominente gestorben sind, für die anderen war 2016 das Jahr, in dem die Politik ins Extreme, ins Populistische gerückt ist“, so der Bankvorstand zu Beginn seiner Rede. Für die Genossenschaftsbanken und damit auch die Volksbank an der Niers war das abgelaufene Jahr ebenfalls ein besonderes – und das nicht nur betriebswirtschaftlich. Wurde doch die Genossenschaftsidee von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Aus wirtschaftlicher Sicht hat die Volksbank in diesem Zeitraum ebenfalls viel erreicht.
„2016 war für uns ein Jahr, in dem wir viele Hausaufgaben zu erledigen hatten“, fasst Janhsen die letzten zwölf Monate zusammen. „Wir hatten zugesagt, die Veränderungen in unserer Geschäftsstellen-Landschaft mit den Menschen vor Ort zu besprechen und so umzusetzen, dass ihre Anforderungen an moderne Finanzdienstleistungen weiterhin verlässlich und kundenfreundlich erfüllt werden. Und das haben wir geschafft – überall.“ Die Volksbank an der Niers setze alles daran, dass die neuen Strukturen für alle zu einem Gewinnermodell zusammenwachsen. „Das gilt auch für unsere Kundenberatung, die mit Qualitätsstandards und EDV-Technik unterstützt wird“, beschrieb er die Kernelemente der genossenschaftlichen Beratung, die Fairness, Transparenz und das persönliche Miteinander in den Vordergrund rückt. „Nicht Gewinnmaximierung, sondern eine gute Partnerschaft, bei der an erster Stelle die Erfüllung der Bedürfnisse unserer Mitglieder und Kunden stehen, zeichnen uns aus.“
In den kommenden Jahren steht auch weiter das Thema Digitalisierung oben auf der Agenda der Bank.
Sorge bereiten weiterhin das Niedrigzinsniveau und die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank. Diese Kosten wird die Volksbank künftig zum Teil weitergeben. „Wir wollen und werden aber weiterhin alles versuchen, unsere Privatkunden nicht zu belasten“, sicherte der Bankvorstand zu. Auch weil die Volksbank weiterhin sehr attraktiv für die Menschen aus der Region ist, wenn es darum geht, Geld anlegen zu wollen. Über sieben Prozent betrug der Anstieg der Kundeneinlagen im Jahr 2016. „Gemeinsam mit dem heimischen Mittelstand sind wir der ökonomische Motor vor Ort“, so Janhsen. Entsprechend stieg das an die mittelständische Wirtschaft vor Ort, Landwirtschaft und Gartenbau sowie an Privatkunden ausgereichte Kreditvolumen um über acht Prozent.
Die Volksbank werde weiter massiv in Beratungsqualität, Service und Technik investieren, sicherte Janhsen zu. „Unsere hohen Standards wollen wir kontinuierlich weiter ausbauen, um weiterhin die Nummer eins an der Niers zu sein“, blickte er optimistisch in die Zukunft.
Die als ARD-Börsenexpertin bekannt gewordene Journalistin Anja Kohl gab einen spannenden Einblick in das aktuelle Finanzmarktgeschehen. Ihr Vortrag „Immer Krise? Unser Geld im Zeitalter von Zentralbanken und Negativzinsen“ verdeutlichte die komplexen Zusammenhänge hinter den täglichen Wirtschaftsnachrichten und zeigte auf, welche Faktoren und Entwicklungen die Zukunft der Finanzanlagen bestimmen werden. Janhsens Kritik an der EZB konnte Kohl nachvollziehen: Diese überflute die Staaten mit billigem Geld. Das lasse die Zinsen sinken. In der Folge würden Sparer, die ihr Geld nicht anlegen wollten, „enteignet“. „Wer kontrolliert eigentlich die EZB?“, fragte sie provokant. Negativzinsen hätten selbst die Amerikaner noch nicht gewagt, „für so einen Einfall braucht es wohl Europäer“, spottete die Finanzexpertin.

Messerstich keine Absicht?

Im Verfahren gegen einen 32-jährigen Weezer, der im Juli seine in Kevelaer lebende Ex-Freundin im Streit mit einem Messer schwer verletzt haben soll, prägten diverse Aussagen von Beamten und Anträge der Verteidigung den zweiten Prozesstag am Montag.
Richter Martin Laux vernahm dabei die Polizisten, die die Beteiligten des Geschehens – das Opfer, deren Freundin und den Cousin des Angeklagten, die in der Wohnung gewesen waren – befragt haben. Dabei wurde deutlich, dass es auf jeden Fall einen Streit zwischen Angeklagtem und Opfer gegeben hat und es hinsichtlich einer Stichverletzung der Ex-Freundin keinen Zweifel gibt – aber noch offene Fragen hinsichtlich des Ablaufs und einer Tatabsicht bestehen.
Der Anwalt des Angeklagten machte aus seiner Sicht auf zahlreiche Widersprüche aufmerksam, darunter die Tatsache, dass einmal die Freundin des Opfers das Messer abgewischt haben will und einmal der Cousin des Angeklagten.
In einer Erklärung verwies er auf „abweichende Einlassungen“ des Opfers und deren Freundin und sprach vom „zweifelhaften Wert“ der Zeugenaussagen der beiden Frauen. Das Opfer habe angeblich gesehen, wie der Angeklagte das Messer genommen habe und auf sie mit der Faust eingestochen habe, obwohl sie sich mit den Händen vor dem Gesicht geschützt habe. Die Freundin hingegen habe bestätigt, dass es keinen Einblick in die Küche gebe. Sie habe „gezielte“ Stiche nur aufgrund der Wunden gefolgert. „Das zeigt, dass die Zeugen Erlebnis und Rekonstruktion vermischen“, so der Anwalt.
Der Angeklagte habe sich selbst an der Hand verletzt, das habe ein Arzt festgestellt. Er habe niemanden verletzten wollen, habe bei einem Sturz reflexartig das Messer von der einen in die andere Hand umgegriffen und mit dem Messer eine Schneidehaltung nach vorn eingenommen.
Von einer Angriffshaltung, einem gezielten Angriff oder sogar einem Tötungsvorsatz könne nicht die Rede sein. Er beantragte, zur Frage einer Stichverletzung mittels Sturz und der Handhaltung des Messers Sachverständigengutachten einzuholen. Dazu fällte das Gericht noch keine Entscheidung – die Nebenklage will sich eventuell zu den Anträgen noch äußern.
Die Verhandlung wird am 30. Januar am Landgericht Kleve fortgesetzt.

SSG Kevelaer siegt auf ganzer Linie

Was vergangenes Wochenende in der Kevelaerer Zweifach-Turnhalle geschah, lässt sich nicht mit wenigen Worten beschreiben. Nicht nur, dass vorab schon klar war, dass die erste Bundesliga-Luftgewehr-Mannschaft der Schießsportgemeinschaft (SSG) Kevelaer beide anstehenden Wettkämpfe gewinnen musste, um die Chance zu erhalten, in das Finale der besten acht Mannschaften aus Nord- und Süddeutschland zu gelangen; es wurde auch noch echte Pionierarbeit geleistet. Denn der Verein hat in Eigenregie dafür gesorgt, dass dieses Sportwochenende live im Netz auf Sportdeutschland.tv übertragen wurde.
„Da haben wir uns echt was vorgenommen“, schildert Georg Joosten, der Organisator dieses Mammut-Projektes. „Den Traum den Schießsport für alle Begeisterte frei zugänglich im TV-Format übertragen zu können, träumen wir schon lange. Nach einer Podiumsdiskussion, die live aus dem Kevelaerer Bühnenhaus gesendet wurde, kam mir die Idee, dass dies auch bei unseren jährlich stattfindenden Heimwettkämpfen möglich sein müsste.“
Gut, dass ihm diese Idee nicht mehr aus dem Kopf ging, denn er nahm kurzerhand Kontakt mit der Produktionsfirma VTS-Medienproduktion aus Sonsbeck auf, die sich für dieses Konzept schnell begeisterten. Das war der Beginn eines schlussendlich sehr erfolgreichen Projektes. Insgesamt wurde knapp 12 Monate geplant, konzipiert und vorproduziert, denn es sollten nicht nur die Wettkämpfe live über den Schirm gehen, dem Zuschauer wurde mit Interviews und Einspielern, z.B. ein Imagefilm über die Stadt Kevelaer, während der Übertragung, einiges geboten. Was der Internetuser dann zu sehen bekam, war eine Produktion auf allerhöchstem Niveau, und das obwohl die Akteure vor der Kamera vollkommene Laien im Bereich der Live-Reportagen waren. „Ich bin froh, dass ich mit Maik Eckhardt, einem sehr erfolgreichen Schützen mit internationaler Erfahrung, zusammen aus der Kommentatorenkabine berichten durfte. Mit so viel Schießsportkompetenz an meiner Seite ging es mir leichter von den Lippen, die Wettkämpfe zu kommentieren“, resümierte der Vorsitzende des Fördervereins der SSG, Lambert Janshen.
Auch Georg Joosten, der an beiden Tagen die Moderation übernahm, hatte bis dato keinerlei Erfahrungen mit der Live-Berichterstattung vor einer Kamera: „Wir sind alle ins kalte Wasser gesprungen, anfangs noch etwas holprig, aber von Wettkampf zu Wettkampf wurde es routinierter.“ Die Kommentare im Netz und auf der Facebook-Seite bestätigen diese Aussage, noch während der Übertragung liefen die Postfächer voll: „Es gab keinerlei negative Aussagen, durch die Bank haben die User nur positive Resonanz bezüglich der Übertragung abgegeben, u.a. wurde vermerkt, dass man den Liveauftritt ohne weiteres so auch bei den Öffentlich-Rechtlichen zeigen könnte“, freut sich Social-Media-Beauftragte Nicole Bollen. Die erste Liveübertragung eines Luftgewehr-Bundesliga-Wochenendes wurde von über 14.000 Zuschauern auf Sportdeutschland.tv angeklickt, mit dieser bombastischen Einschaltquote hatten weder der Sender noch die Organisatoren gerechnet. Das sollte der Einstieg in eine neue Sportberichterstattung gewesen sein. Ob und wann es die nächsten Wettkämpfe auf dem Bildschirm zu sehen gibt, liegt jetzt ganz bei den Verantwortlichen der anderen Bundesliga-Vereine, die sich, wie bereits geplant, demnächst zu Gesprächen mit den SSGlern zusammensetzen werden.
Auch die Besucher vor Ort in der Halle mussten bei Laune gehalten werden. Mit dem Hallenmoderator Philip Bernhard haben die Organisatoren der SSG einen mit Wettkampf-Fachwissen vollgepackten und engagierten Kommentator gefunden, der das Publikum mit großem Unterhaltungswert bei guter Laune hielt. Bei den insgesamt sechs Wettkämpfen sorgte er für die entsprechenden Informationen über die Schützen und die Zwischenstände und wurde ebenfalls Teil der Livemoderation zum Interview der Schützen an der Schießline nach den Wettkämpfen.
Für weitere Stimmung und lautstarke Anfeuerung während der Wettkämpfe sorgten die KSV-Cheerleader-Queens, die auch zwischen den Pausen auftraten.
Das Rundumkonzept sollte allerdings nicht von dem eigentlichen Event, nämlich der letzten Wettkämpfe in der Saison 2016/17 der ersten Bundesliga Luftgewehr in der Gruppe Nord ablenken. Auch das hatten die Verantwortlichen der SSG im Griff. Die Sportler wurden in ihrer Konzentration und Vorbereitungen nicht gestört. Insgesamt gab  es an diesem Wochenende sechs Wettkämpfe zu sehen, zwei davon mit Kevelaerer Beteiligung. Wie im Vorfeld schon klar, mussten die Tiger der SSG beide Begegnungen gewinnen, um sich für die Finalwettkämpfe im Februar in Paderborn zu qualifizieren.
Beim Gegner Freischütz Rautheim hatten die Marienstädler schon im Vorfeld keine Bedenken, denn Rautheim hatte bis dato noch keinen Wettkampf für sich entscheiden können und lag bereits auf einem nicht mehr zu verhindernden Abstiegsplatz. Trotzdem wurde es hier Anfangs sehr spannend. Für einen Schreckmoment sorgte Katharina Kösters, die mit ihrem vierten Schuss eine Zwei auf die Scheibe brachte, völlig untypisch und nur durch einen technischen Defekt zu erklären. Im Laufe des Matches fing sie sich wieder, aber konnte nicht verhindern, dass ihr die Gegnerin aus Rautheim, Julia Schubert, den Einzelpunkt mit 389:382 Ringen abnahm. Das war jedoch der einzige verlorene Punkt aus Sicht der SSG. Mit einem 4:1-Gewinn und einer Erfahrung reicher sollte es am nächsten Tag gegen den viel stärkeren SV Gölzau an den Stand gehen.
Der letzte Wettkampf in der Gruppe Nord war für Gölzau und auch für Kevelaer die Entscheidung, wer von den beiden Teams das letzte Ticket zum Finale zieht. Alle anderen Begegnungen in beiden Gruppen waren schon entschieden. Durch die Liveübertragung durften die Wettkämpfe in Kevelaer eine Stunde später beginnen, was sicherlich dazu führte, dass einige Sportler und Bundesligavereine sich nicht haben nehmen lassen den Livestream einzuschalten. Trotzdem gingen die fünf Kevelaerer Spitzenschützen begleitet von lautstarken Fanchören gefestigt und zuversichtlich an den Stand.
An Position Fünf nahm Katrin Leuschen ihrem Gegner Richard Bennemann den Einzelpunkt mit 387:385 Ringen ab. Alexander Thomas erzielte vier 99er-Serien und beendete seine Begegnung mit 396:391 Ringen von Natalie Pfeiffer. Ganz oben auf war die Niederländerin Pea Smeets: Nur ihr erster Schuss ging in die Neun, die restlichen Schüsse blieben auf der Anzeige rot – also nur noch Zehner. Endergebnis in dieser 3. Paarung: 399:396 gegen Charleen Bänisch vom SV Gölzau. Katharina Kösters, die am Vortag vom Pech verfolgt wurde, hatte Schwierigkeiten in ihren Wettkampf zu finden. Mit für ihre Verhältnisse untypischen 96 und 97 Ringen begann sie die ersten beiden Serien, nur bei Serie drei (99 Ringe) konnte sie ihre gewohnte Leistung abrufen. Am Ende schloss sie mit 387 Ringen und hatte dabei Glück im Unglück, denn ihre Gegnerin Lena Cramer konnte nur mit 386 Ringen antworten. An Position Eins traf Jana Erstfeld auf Gegner Tomasz Bartnik. Erstfeld erzielte drei 100er-Serien hintereinander, leider konnte sie in der vierten Serie das hohe Niveau nicht halten und schoss diese mit 97 Ringen aus. Insgesamt wurden es 397 Ringe, genau wie bei ihrem Gegner. Auch wenn es jetzt schon fest stand, dass die SSG diesen Wettkampf gewonnen hatte, musste diese Partie mit einem Stechen entschieden werden.
Beide Sportler wurden an den Stand gebeten und durften sich vorbereiten, die Schussabgabe erfolgt gleichzeitig, beide schossen eine Zehn. Der nächste Stechschuss folgte – beide eine Zehn. Stechschuss drei: beide eine Neun. Erst bei dem vierten und letzten Stechschuss konnte Erstfeld mit einer 10 gegen eine 9 von Bartnik auch den fünften Einzelpunkt für die SSG Kevelaer einfahren.
Das Ticket für die Finalwettkämpfe wurde somit erfolgreich gezogen. Am 4. und 5. Februar 2017 finden diese in Paderborn statt, wo die SSG als Dritter in der Tabelle Nord gegen den Zweiten der Tabelle Süd, Eichenlaub Saltendorf, im Viertelfinale antreten muss.
Trainer Rudi Joosten kann sein Glück kaum in Worte fassen: „Wir haben ganz schön gepowert an diesem Wochenende, und den letzten Wettkampf auch noch mit 5:0 zu gewinnen ist einfach super. Unser Saisonziel, die Finalteilnahme, haben wir erreicht. Alles, was jetzt noch kommt, ist die Sahnehaube, immer nach unserem Motto: ‚Alles kann, nichts muss!‘“

Die Proben laufen auf Hochtouren: Theaterchor Niederrhein gastiert in Kevelaer

Gerade erst hat der Theaterchor Niederrhein mit einem Flashmob die Weihnachtskundschaft eines Lebensmittelmarktes überrascht. „Oh ja, die Resonanz war überwältigend“, schwärmen Christina Derix und Marloes Lammerts, Vorsitzende des Theaterchors Niederrhein e.V. immer noch.
Doch auf diese Lorbeeren ausruhen kommt für den Chor nicht in Frage. Die Proben zum Galakonzert am kommenden Wochenende im Konzert und Bühnenhaus, laufen auf Hochtouren. „Besonders in der Woche vor dem Konzert, wird von den Sängern einiges abverlangt“, weiß Marloes Lammerts. Das scheint den etwa 100 Chormitgliedern nichts auszumachen. Voller Elan, Freude und Spaß stimmen sie ihre Songs an, warten auf ein Zeichen ihres Dirigenten.
„Quatschen könnt ihr nachher“, ermahnt der musikalische Leiter des Niederrheinchors, Tom Löwenthal. Ein Lächeln huscht aber dennoch über sein Gesicht. Er weiß, wie er die Sänger ansprechen darf, weiß wie er sie motivieren kann. Er kennt seinen Chor, weiß was er verlangen kann. Der Chor wiederum weiß was der Chorleiter erwartet. „Natürlich das Beste“, sagen Christina Derix und Marloes Lammerts, Mitbegründerinnen des Theaterchors Niederrhein. Dieser gründete sich im Oktober 2015 und begeisterte Sänger wie Chorleiter Tom Löwenthal auf Anhieb. (Das KB berichtete). Bereits im letzten April veranstaltete der Chor sein erstes Konzert und füllte damit die gute Stube Kevelaers bis auf den letzten Platz. Keine Frage, der Bedarf nach neuen Stimmen, einer neuen Form des Chorgesanges war da und gab den Gründerinnen Recht. Etwa 20 neue Anmeldungen waren die Folge.
Doch nach dem Konzert bedeutet auch vor dem Konzert. So setzt der Theaterchor jetzt seine musikalische Reise fort. Es scheint so, als klingen die Stimmen noch besser, noch klarer, noch ausgereifter. „Es gibt immer Potenzial nach oben“, sagt Marloes Lammerts und spricht damit den Sängerinnen und Sängern aus der Seele.
Unter der musikalischen Leitung von Tom Löwenthal und der Thea­terregie von Peter van Aar und Dorette Ploegmakers, schickt der Theaterchor einen Liebesbrief auf die musikalische Reise. „Es geht um die Kommunikation in der Liebe“, verrät Marloes Lammerts. Musikstücke von Mozart, Andrew Lloyd Webber, Sarah Connor oder Elvis Presley dürften während des Konzerts Gänsehaut erzeugen. Beide Konzerte, am Samstag, 14. Januar, um 20 Uhr und am Sonntag, 15. Januar, um 15.30, sind bis auf wenige Restkarten ausverkauft. Diese können eventuell noch an der Abendkasse des Konzert-und Bühnenhauses erworben werden.

Einbruch an der Nordstraße

Am Montag, 9. Januar 2017, zwischen 16.40 und 18.30 Uhr kletterten unbekannte Täter über eine Garage auf die Dachterrasse eines Einfamilienhauses an der Nordstraße. Dort hebelten die Täter eine Tür auf und drangen in das Gebäude ein. Die Täter durchsuchten mehrere Schränke und entwendeten verschiedene Schmuckstücke.
Hinweise zu verdächtigen Personen erbittet die Kripo Goch unter Telefon 02823-1080.

Kaufmann und Unternehmer in Sachen Holz

Er war ab 1954 ehrenamtliches Vorstands-Mitglied der Spar- und Darlehnskasse eGmbH Kevelaer und gehörte später dem Aufsichtsrat an. Er brachte 1971 die Fusion mehrerer Spar- und Darlehnskassen mit auf den Weg und wurde Vorsitzender des Aufsichtsrats der neuen Volksbank eG Kevelaer. In diesem Amt wirkte er bis zu seinem Ausscheiden 1985.
„Herr Neuhaus, den man als handfesten Genossenschaftler bezeichnen kann, wurde wegen seiner allzeit verbindlichen Art von den Mitgliedern geschätzt…“, hieß es in einer Laudatio. 31 Jahre lang hatte der Kaufmann und Unternehmer in Sachen Holz sich für das Institut eingesetzt.
Beim Abschied lag ein schwerer Schicksalsschlag wenige Jahre zurück: Im Sommer 1981 war seine Holzhandlung einer Brandstiftung zum Opfer gefallen.
Es war ein hoffnungsloser Kampf gewesen: Der heftige Wind in dieser Nacht hatte den Brand im riesigen Holzlager immer wieder angefacht. Der Brand war weithin zu sehen – und zu hören: Es krachte und zischte aus dem lichterloh brennenden Lager. Nicht einmal die gerade eröffnete, von der Familie Neuhaus in unermüdlicher Arbeit geschaffene Ausstellungshalle konnte gerettet werden.
Das Großfeuer griff auf die Wohnhäuser Nr. 50 und 62 über. In letzter Minute retteten mutige Wehrmänner die 84 Jahre alte Petronella Blockhaus aus ihrer brennenden Wohnung. Das Haus, in dem die Frau 30 Jahre gewohnt hatte, wurde – wie alles auf dem Betriebsgelände – zerstört. Sechs Menschen wurden aus dem Haus geholt. Nachbarn wurden gewarnt, das Feuer könne sich ausweiten.
Und das tat es: Weitere sechs Häuser wurden zum Teil erheblich beschädigt. Allein der Verlust der Holzhandlung wurde mit drei Millionen Mark beziffert.
Unvergessen ist die Tat auch deshalb, weil sie Teil einer Serie von neun Brandstiftungen war, die die Stadt in Angst versetzte. Fast jede Nacht heulten die Sirenen – und jeder wusste: Der Feuerteufel hatte erneut zugeschlagen. Innerhalb weniger Tage brannte es bei Butzon & Bercker (zweimal), bei den Gebrüdern Tebartz, bei Neuhaus, bei Zumkley, an Tankstellen und einem Gehöft.
Eine zehnköpfige Sonderkommission der Kriminalpolizei ermittelte innerhalb von 14 Tagen einen tatverdächtigen, 19 Jahre alten Kevelaerer. Er legte ein Geständnis ab.
An einen Neubau der Holzhandlung Neuhaus auf dem angestammten Gelände war wegen verschärfter Bauvorschriften für den Innenstadtbereich nicht zu denken. Hans Neuhaus entschied sich für ein Grundstück auf dem ehemaligen Sportplatz an der Feldstraße.
Mit dem Namen von Hans Neuhaus ist auch die Kevelaerer Wäh­lergemeinschaft (KWG) verknüpft. 1964 errang sie drei Ratssitze. Sie wurden von Hans Neuhaus, Ernst Gerats und Hans Goemans besetzt. Bei der Bürgermeisterwahl – Peter Plümpe siegte – bewarb sich Hans Neuhaus für die KWG um den Posten des ersten Vizebürgermeisters. Aber Karl Dingermann (CDU) setzte sich durch. Neuhaus wurde zweiter stellvertretender Bürgermeister. Fünf Jahre später zog Neuhaus erneut in den Stadtrat – nun für die CDU, nachdem sich die KWG aufgelöst hatte.
Hans Neuhaus starb im November 1987. Er hinterließ seine Frau Agnes, geb. Weis, und seine drei Söhne mit ihren Familien, Karl-Hans und Birgitt Neuhaus mit Ruth und Marc, Franz-Josef und Gertrud Neuhaus sowie Michael und Wilma Neuhaus.

“Frau Aldi” feiert Geburtstag

Wenn Regina Berns und ihr Mann Matthias – “Matze” – lachen, dann erfüllt das den ganzen Raum. Humor und die Beschäftigung mit Menschen, das sind zwei wesentliche Elemente im Leben der Winnekendonkerin, die jetzt 80 Jahre alt wurde.

“Wir haben das von Kindheit an mitbekommen, wir waren immer ein Haus der offenen Tür”, erinnerte sie sich an ihre Kindheit mit ihren insgesamt vier Geschwistern im Haus der Eltern in der Reeser Oberstadt. Der Vater war gelernter Bäcker und wurde später Lagerist, die Mutter war Hausfrau.

“Wer ein Problem hatte oder was Schönes zu erzählen hatte, konnte da kommen – jung oder alt. Das hat uns sehr geprägt, selbstbewusst und weltoffen gemacht. Und ich hatte früh ganz viel mit vielen Menschen zu tun” – wichtig für ihre spätere Karriere als “Frau Aldi”. “Ich wäre nie ein Büromensch geworden”, sagt sie und muss bei dem Gedanken schmunzeln.

Nachdem das Haus durch den Krieg zerstört worden war, musste die Familie in die Reeser Feldmark ziehen – und die Kinder einen Kilometer zur Schule laufen. “Der Satz des Vaters lautete: Egal, was kommt, aus allem das Beste machen. So praktiziere ich das bis heute.”

Für das Abitur fehlte das Geld: Regina machte den Volksschulabschluss. 1952 begann sie eine Lehre als Verkäuferin in einem Reeser Textilgeschäft. Später arbeitete sie in der Strickwarenabteilung des Bocholter “Nähkasten”, wohin sie mit mehreren Kolleginnen von außerhalb mit dem Bus fuhr. “Von morgens sieben Uhr bis abends um halb acht” war sie unterwegs.

1958 lernt sie ihren Mann auf einer Prozession von Rees nach Kevelaer kennen. Die Gruppe steht auf der Hauptstraße an einer Eisdiele, als zwei “Halbstarke” mit dem Mofa aufkreuzen, die Prozession auf ihrem Weg über die Schravelsche Heide Richtung Kervenheim nach Uedem und Rees überholen. “Sie sagten damals, sie hätten von uns Fotos gemacht und wollten die uns nächste Woche bringen”, erzählte sie, wie sie mit dem Maschinenschreiner zusammenkam, der bei der Firma Rademacher auf der Biegstraße tätig war. “Er war halt zäh und hatte Humor.”

Sechs Jahre lang wohnte das Paar in Wetten, in der Zeit wurden vier Kinder geboren. 1969 zog die Familie nach Winnekendonk um. Auch dieses Domizil wird zu einem “lauten, lebensfrohen” Haus, die Kontakte in die alte Heimat bleiben – wie zu Karneval: “Der Spielmannszug Rees ist vorgefahren mit 30 Mann im Bus und zog mit, mit Kind, Windeln und Kegel.”

Regina Berns kümmerte sich um die Familie, so was wie Mutterschutz existierte da noch nicht. 1979 erlitt ihr Mann einen Zusammenbruch – beide mussten überlegen, was zu tun ist. Und so stieg sie noch mal mit 44 Jahren bei Aldi als Verkäuferin ein. “Normalerweise lag das Einstellungsalter bei maximal 35 Jahren – eine jüngere Dame warf aber nach zweieinhalb Monaten das Handtuch, und sie riefen mich dann an”, erinnert sie sich.

Am 1. März 1981 begann dort ihre Tätigkeit, die sie bis zur Rente 1997 ausfüllte. Vier Wochen lang nervte sie ihre Familie täglich am Mittagstisch mit der Aufzählung der tausend Preise, die sie im Kopf haben muss. “Da wurde ich von den Kollegen mit motiviert”, erinnert sie sich. Zu einigen hat sie bis heute noch Kontakt.

27 Stunden oder zweieinhalb Tage pro Woche arbeitete sie dort. “Ich war so ‘ne Art ,Mutter der Kompanie’, denn ich war ja mindestens eine Generation älter. Die meisten waren ja so 20 oder Ende 20”, erzählt Berns. So konnte sie aus ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz im Umgang mit Menschen schöpfen.

Zumeist saß sie an der Kasse. “Ich musste immer mit den Leuten quatschen – und wenn’s nur ein paar belanglose Worte waren. Die Leute wussten das – und die Kolleginnen konnten eine paffen gehen.” Später konnte sie schneller die Preise eintippen als die Scanner die Preise einlesen.

Und Berns blieb auch mal länger dort sitzen, wenn eine Kasse ausfiel. Wenn dadurch die Leute bis auf die Straße standen und warteten – sie begegnete der Situation mit Gelassenheit und Freundlichkeit.

Als “Frau für alle Fälle” wurde sie stets gerufen, wenn jemand ausfiel. “Kannse aushelfen?” – der Satz führte sie neben Kevelaer auch in die Filialen nach Straelen, Geldern, Kleve, Goch und Emmerich. “Da war ich mal für ein paar Tage oder eine Woche. Die kannten mich dann auch.” Selbst holländische Pilger kamen vorbei, zeigten zum Plausch Bilder. Ein paar Bekannte im Turnverein, wo sie aktiv war, brachten dann den Spitznamen “Frau Aldi” auf. ”

Das nahm seine Runde. Bis heute passiert es ihr, dass sie Leute darauf ansprechen. “Wir waren vor kurzem in Steinfurt im Altenheim, da kam eine alte Schwester, die früher in Kevelaer im Kloster war, vorbei und sagte: ,Tach, Frau Aldi'”, erzählt ihr Mann. Selbst sieht sie die Ansprache für sich als Kompliment. “Zu dem stehen, was man sagt und tut”, sei vollkommen okay. “Und mir hat’s immer Spaß gemacht.”

Sogar Aldi-Gründer Theo Albrecht lernte sie kennen. “Der fuhr bei allen Kollegen mal rund und begrüßte alle – ein ganz einfacher Mensch, der sich nix aus seiner Position machte. Und als die LuGa eingeweiht wurde, kam sein Sohn.” 1997 hörte sie bei Aldi mit 60 Jahren auf – im Kevelaerer Blatt erschien damals der Hinweis eines Lesers, der sich bei der “freundlichsten Verkäuferin” Kevelaers bedanken wollte.

Seitdem kümmert sie sich um ihre elf Enkel und ihre Urenkelin Alicia – “oft den ganzen Tag lang mit Hütchenspiel, Minigolf, Mensch-ärgere-dich-nicht”. Sie schreibt Gedichte, geht mit ihren Mann überall hin, “wo was los ist” – ob zu Sommerfesten in der Nachbarschaft oder zum Maikranz setzen, – trägt das Missionsblatt für 23 Personen aus. “Ich hatte nie Langeweile.”

Zum Geburtstag ging es am Nachtigallenweg schon nicht besonders ruhig zu, bei der Feier mit Bekannten und der Familie zu Hause. Am Samstag, 14. Januar, wird es sicher nicht ruhig: Dann gibt es mit gut 60 Personen eine Party in der Öffentlichen Begegnungsstätte, wo der Sohn als Hausmeister arbeitet. Und dort kann sich die Jubilarin auch auf Überraschungsgäste freuen.

Für die nächsten Jahre hat sie klare Vorstellungen. “Solange es geht, möchte ich mein Leben so weiterführen – und das mit einem Lächeln.” Ein Lebensmotto nimmt sie auch mit auf den Weg: “Wenn’s mal ein Tief gibt, soll man immer das Weiße auf dem Blatt suchen – und nicht den schwarzen Punkt.”

Weihbischof Theising nimmt in Kevelaer Abschied vom Niederrhein

In der Marienbasilika des Wallfahrtsortes Kevelaer feierte er 2010 seine erste Messe als Weihbischof. Am gleichen Ort hat Wilfried Theising am 8. Januar seinen letzten Gottesdienst als Weihbischof der Region zelebriert. Im Beisein der Kreisdechanten Johannes Mecking aus Kleve und Stefan Sühling aus Wesel, Domkapitular Rolf Lohmann sowie von zahlreichen Priestern aus der Region verabschiedete sich Theising von den Menschen am Niederrhein. „Ich danke Ihnen für das, was wir gemeinsam in den vergangenen Jahren erlebt haben. Es waren wunderschöne Jahre, eine Zeit, die ich tief in mein Herz eingeschrieben habe“, wandte er sich an die Gläubigen in der vollbesetzten Basilika.
In seiner Predigt hob Weihbischof Theising Kevelaers Bedeutung für sich persönlich und für die Menschen im Bistum Münster hervor. „Wer einmal von Kevelaer angezogen worden ist, der kommt von diesem Ort gar nicht wieder los“, sagte er. Oft habe ihn der dienstliche Weg nach Kevelaer geführt. „Das ist mir nicht schwer gefallen, weil ich diesem Ort sehr verbunden bin“, betonte er. Kevelaer sei besonders, „weil wir hier die Erfahrung machen, dass wir geliebt werden.“
In Anlehnung daran hob der Weihbischof den Satz „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe“ aus dem Evangelium des Tageshochfestes „Taufe des Herrn“ hervor. „Ein wunderbarer Satz für unser Leben; wir dürfen fest daran glauben, dass dieser Zuspruch uns allen gilt“, sagte Theising. Durch die Taufe wolle Jesus sich solidarisch mit den Menschen zeigen und ein Zeichen seiner Liebe zu den Menschen setzen. Er ermutigte die Gläubigen, den eigenen Tauftag in Erfahrung zu bringen: „Es ist ein so wichtiges Datum für unser Leben als Christen, für unser ewiges Leben.“
Der Weihbischof betonte, dass es Orte wie Kevelaer brauche, an denen die Zusage der Liebe Gottes immer wieder neu erfahrbar werde. In dem Kind, das Maria in den Armen halte, werde die Liebe Gottes für alle Menschen sichtbar. Theising versicherte, dass er diesen Ort auch künftig aufsuchen werde, „weil ich hier die tiefe Erfahrung gemacht habe, dass ich geliebt werde, weil ich hier die Kraft und den Segen Gottes empfange.“ Kevelaer verbinde die Menschen des gesamten Bistums und darüber hinaus miteinander. „Ich hoffe, dass dieser Ort auch uns in Zukunft miteinander verbunden sein lässt“, wünschte er sich.
Am Schluss des festlichen Gottesdienstes, den die Basilikamusik mit Chor und Orchester musikalisch gestaltete, dankten zwei ehrenamtliche Vertreter dem Weihbischof für seinen Dienst am Niederrhein. Conny Graßhoff aus Sevelen, Mitglied im Diözesanrat und im Zentralkomitee der Katholiken, sowie Edmund Raadts aus Kleve, Vorsitzender des Kreiskomitees der Katholiken und Mitglied im Vorstand des Diözesankomitees, überreichten Theising einen Präsentkorb mit regionalen Produkten. „Vielleicht hat der Korb einiges zu bieten für die Fahrt von Vechta an den Niederrhein, wo wir Sie gerne wiedersehen!“
Zahlreiche Niederrheiner hatten zuvor bei einem Stehempfang im Petrus-Canisius-Haus die Gelegenheit genutzt, sich persönlich von Weihbischof Theising zu verabschieden. Statt materieller Geschenke hatte er sich eine Spende für die Lourdeswallfahrt der Rhein-Maas-Bruderschaft gewünscht, die er selbst bereits begleitet hat. „Für mich ist das heute ein Übergang“, sagte Theising. „Auf der einen Seite muss ich vieles wieder loslassen, auf der anderen Seite wartet ein Neuanfang auf mich.“
Doch er versprach den Niederrheinern, nicht zum letzten Mal in Kevelaer gewesen zu sein. „Bevor ich wusste, dass ich nach Vechta wechsle, habe ich für das Jahr 2017 schon eine Reihe von Gottesdiensten angenommen. Die stehen im Programm, aus dieser Nummer komme ich gar nicht mehr raus“, sagte er schmunzelnd. In diesem Zusammenhang lud er auch zum Gegenbesuch ein: „Schauen Sie doch mal vorbei, für die Niederrheiner steht die Tür in Vechta immer weit offen.“

"Frau Aldi" feiert Geburtstag

Wenn Regina Berns und ihr Mann Matthias – “Matze” – lachen, dann erfüllt das den ganzen Raum. Humor und die Beschäftigung mit Menschen, das sind zwei wesentliche Elemente im Leben der Winnekendonkerin, die jetzt 80 Jahre alt wurde.
“Wir haben das von Kindheit an mitbekommen, wir waren immer ein Haus der offenen Tür”, erinnerte sie sich an ihre Kindheit mit ihren insgesamt vier Geschwistern im Haus der Eltern in der Reeser Oberstadt. Der Vater war gelernter Bäcker und wurde später Lagerist, die Mutter war Hausfrau.
“Wer ein Problem hatte oder was Schönes zu erzählen hatte, konnte da kommen – jung oder alt. Das hat uns sehr geprägt, selbstbewusst und weltoffen gemacht. Und ich hatte früh ganz viel mit vielen Menschen zu tun” – wichtig für ihre spätere Karriere als “Frau Aldi”. “Ich wäre nie ein Büromensch geworden”, sagt sie und muss bei dem Gedanken schmunzeln.
Nachdem das Haus durch den Krieg zerstört worden war, musste die Familie in die Reeser Feldmark ziehen – und die Kinder einen Kilometer zur Schule laufen. “Der Satz des Vaters lautete: Egal, was kommt, aus allem das Beste machen. So praktiziere ich das bis heute.”
Für das Abitur fehlte das Geld: Regina machte den Volksschulabschluss. 1952 begann sie eine Lehre als Verkäuferin in einem Reeser Textilgeschäft. Später arbeitete sie in der Strickwarenabteilung des Bocholter “Nähkasten”, wohin sie mit mehreren Kolleginnen von außerhalb mit dem Bus fuhr. “Von morgens sieben Uhr bis abends um halb acht” war sie unterwegs.
1958 lernt sie ihren Mann auf einer Prozession von Rees nach Kevelaer kennen. Die Gruppe steht auf der Hauptstraße an einer Eisdiele, als zwei “Halbstarke” mit dem Mofa aufkreuzen, die Prozession auf ihrem Weg über die Schravelsche Heide Richtung Kervenheim nach Uedem und Rees überholen. “Sie sagten damals, sie hätten von uns Fotos gemacht und wollten die uns nächste Woche bringen”, erzählte sie, wie sie mit dem Maschinenschreiner zusammenkam, der bei der Firma Rademacher auf der Biegstraße tätig war. “Er war halt zäh und hatte Humor.”
Sechs Jahre lang wohnte das Paar in Wetten, in der Zeit wurden vier Kinder geboren. 1969 zog die Familie nach Winnekendonk um. Auch dieses Domizil wird zu einem “lauten, lebensfrohen” Haus, die Kontakte in die alte Heimat bleiben – wie zu Karneval: “Der Spielmannszug Rees ist vorgefahren mit 30 Mann im Bus und zog mit, mit Kind, Windeln und Kegel.”
Regina Berns kümmerte sich um die Familie, so was wie Mutterschutz existierte da noch nicht. 1979 erlitt ihr Mann einen Zusammenbruch – beide mussten überlegen, was zu tun ist. Und so stieg sie noch mal mit 44 Jahren bei Aldi als Verkäuferin ein. “Normalerweise lag das Einstellungsalter bei maximal 35 Jahren – eine jüngere Dame warf aber nach zweieinhalb Monaten das Handtuch, und sie riefen mich dann an”, erinnert sie sich.
Am 1. März 1981 begann dort ihre Tätigkeit, die sie bis zur Rente 1997 ausfüllte. Vier Wochen lang nervte sie ihre Familie täglich am Mittagstisch mit der Aufzählung der tausend Preise, die sie im Kopf haben muss. “Da wurde ich von den Kollegen mit motiviert”, erinnert sie sich. Zu einigen hat sie bis heute noch Kontakt.
27 Stunden oder zweieinhalb Tage pro Woche arbeitete sie dort. “Ich war so ‘ne Art ,Mutter der Kompanie’, denn ich war ja mindestens eine Generation älter. Die meisten waren ja so 20 oder Ende 20”, erzählt Berns. So konnte sie aus ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz im Umgang mit Menschen schöpfen.
Zumeist saß sie an der Kasse. “Ich musste immer mit den Leuten quatschen – und wenn’s nur ein paar belanglose Worte waren. Die Leute wussten das – und die Kolleginnen konnten eine paffen gehen.” Später konnte sie schneller die Preise eintippen als die Scanner die Preise einlesen.
Und Berns blieb auch mal länger dort sitzen, wenn eine Kasse ausfiel. Wenn dadurch die Leute bis auf die Straße standen und warteten – sie begegnete der Situation mit Gelassenheit und Freundlichkeit.
Als “Frau für alle Fälle” wurde sie stets gerufen, wenn jemand ausfiel. “Kannse aushelfen?” – der Satz führte sie neben Kevelaer auch in die Filialen nach Straelen, Geldern, Kleve, Goch und Emmerich. “Da war ich mal für ein paar Tage oder eine Woche. Die kannten mich dann auch.” Selbst holländische Pilger kamen vorbei, zeigten zum Plausch Bilder. Ein paar Bekannte im Turnverein, wo sie aktiv war, brachten dann den Spitznamen “Frau Aldi” auf. ”
Das nahm seine Runde. Bis heute passiert es ihr, dass sie Leute darauf ansprechen. “Wir waren vor kurzem in Steinfurt im Altenheim, da kam eine alte Schwester, die früher in Kevelaer im Kloster war, vorbei und sagte: ,Tach, Frau Aldi'”, erzählt ihr Mann. Selbst sieht sie die Ansprache für sich als Kompliment. “Zu dem stehen, was man sagt und tut”, sei vollkommen okay. “Und mir hat’s immer Spaß gemacht.”
Sogar Aldi-Gründer Theo Albrecht lernte sie kennen. “Der fuhr bei allen Kollegen mal rund und begrüßte alle – ein ganz einfacher Mensch, der sich nix aus seiner Position machte. Und als die LuGa eingeweiht wurde, kam sein Sohn.” 1997 hörte sie bei Aldi mit 60 Jahren auf – im Kevelaerer Blatt erschien damals der Hinweis eines Lesers, der sich bei der “freundlichsten Verkäuferin” Kevelaers bedanken wollte.
Seitdem kümmert sie sich um ihre elf Enkel und ihre Urenkelin Alicia – “oft den ganzen Tag lang mit Hütchenspiel, Minigolf, Mensch-ärgere-dich-nicht”. Sie schreibt Gedichte, geht mit ihren Mann überall hin, “wo was los ist” – ob zu Sommerfesten in der Nachbarschaft oder zum Maikranz setzen, – trägt das Missionsblatt für 23 Personen aus. “Ich hatte nie Langeweile.”
Zum Geburtstag ging es am Nachtigallenweg schon nicht besonders ruhig zu, bei der Feier mit Bekannten und der Familie zu Hause. Am Samstag, 14. Januar, wird es sicher nicht ruhig: Dann gibt es mit gut 60 Personen eine Party in der Öffentlichen Begegnungsstätte, wo der Sohn als Hausmeister arbeitet. Und dort kann sich die Jubilarin auch auf Überraschungsgäste freuen.
Für die nächsten Jahre hat sie klare Vorstellungen. “Solange es geht, möchte ich mein Leben so weiterführen – und das mit einem Lächeln.” Ein Lebensmotto nimmt sie auch mit auf den Weg: “Wenn’s mal ein Tief gibt, soll man immer das Weiße auf dem Blatt suchen – und nicht den schwarzen Punkt.”

Bruder Thomas wird 80: Canisianer blickt auf ein bewegtes Leben zurück

Sich Gott verbunden fühlen, in ihm verwurzelt sein. Ja, das ist es wohl was Bruder Thomas zur Canisianergemeinschaft hat gehen lassen. Damals, vor mehr als 55 Jahren. „Genau das war mein Weg“, sagt Bruder Thomas Bischop, der am 11. Januar 2017 seinen 80. Geburtstag feiern darf. Mit Freunden, Weggefährten der Gemeinschaft und den Priestern aus dem Priesterhaus in Kevelaer. Denn hier in Kevelaer, dem Gründungsort der Ordensgemeinschaft der Canisianer, ist Bruder Thomas seit zehn Jahren zuhause, hier fühlt er sich wohl.
„Aber wer weiß, was mein Lebensweg noch für mich vorsieht“, sagt das Geburtstagskind mit einem Lächeln. Am 11. Januar 1937 erblickt Werner Bischop in Raesfeld bei Borken das Licht der Welt, erlebt mit Kinderaugen die Wirren des Krieges. Dennoch gründet er an seinem Geburtsort den ersten Pfadfinder-Stamm, um mit anderen Jugendlichen alte, kranke und behinderte Menschen zu besuchen. Nach dem Schulabschluss absolviert er eine Kaufmannslehre in einem Baustoffhandel.
Doch in seinen Gedanken wächst der Wunsch nach einem geistlichen Beruf. „Ich wollte etwas für das Reich Gottes, etwas für die Menschen tun“, erklärt der Canisianerbruder. So zieht es ihn als jungen Mann nach Neuss. Hier möchte er seine mittlere Reife machen, lernt dabei die Brudergemeinschaft der Canisisaner kennen. 1958 tritt er als 21-Jähriger der Ordensgemeinschaft, die ihren Hauptsitz in Münster hat, bei.
Am 6. Mai 1959 wird Werner Bischop in der Kevelaerer Kerzenkapelle eingekleidet, erhält den Namen Bruder Thomas. Im Collegium Ludgerianum in Münster erhält Bruder Thomas seinen ersten Einsatz.
Die etwa 80 bis 100 Schüler des Internats, die er nachmittags beaufsichtigt und deren Hausaufgaben er betreut, sind nur wenig jünger als er. „Ich wurde einfach ins Schwimmerbecken geworfen“, erinnert sich Bruder Thomas.
Der Umgang mit den jungen Menschen liegt dem Ordensbruder. Nur vier Jahre später traut ihm die Brudergemeinschaft den Einsatz im Martinistift in Appelhülsen zu. Im Heim für schwer erziehbare Jugendliche im Alter von 15 bis 20 Jahren gewinnt Bruder Thomas erneut das Vertrauen der Heranwachsenden. Er hört ihnen zu, gibt ihnen Mut, schaut dorthin, wo andere wegschauen.
1969 wird Bruder Thomas an das Collegium Augustinianum Gaesdonck in Goch geholt. „Eine ganz wertvolle Erfahrung“, schwärmt der Canisianer noch heute. Hier wird der Erzieher erster Ansprechpartner für bis zu 550 Internats-Schüler. Er sucht mit Schülern, Lehrern und Eltern nach Lösungen, betreut die Hausaufgaben und gestaltet mit den Schülern die Freizeit. Noch bis heute hat er Kontakt zu vielen Ehemaligen und deren Eltern.
1984 wählen ihn seine Mitbrüder zum Leiter der Canisianer-Gemeinschaft und holen ihn damit zurück nach Münster zurück. Nach 18 Jahren Ordensleitung erfüllt sich Bruder Thomas einen Traum und lässt sich zur Niederlassung nach Tula in Mexiko versetzen. „Ich wollte noch einmal eine Veränderung“, erklärt der 80-Jährige. Er setzt sich fünf Jahre für die Ärmsten der Armen ein, für die, die am Rande der Gesellschaft leben.
Seit 2007 lebt Bruder Thomas nun im Priesterhaus in Kevelaer. Er kümmert sich innerhalb der St. Mariengemeinde um die Opferstöcke, ist Lektor, Kollektant, Kommunionhelfer, bereitet Betstunden vor. Im Info-Büro der Marienstadt gibt er Reisenden und Pilgern die nötigen Informationen zum Wallfahrtsort. Sein Anliegen, Gott und den Menschen geholfen zu haben, sieht Bruder Thomas im Alter von 80 Jahren als erfüllt und freut sich in Kevelaer über einen frohen Lebensabend.