Aktuelles aus Achterhoek

Viele zu schnell im Achterhoek

Am Mittwoch (9. Mai 2018) führte der Verkehrsdienst der Polizei Geldern zwischen 8.30 und 20.00 Uhr auf der Straße Achterhoek eine Geschwindigkeitskontrolle durch.

An der Kontrollstelle gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h. Dieser Streckenabschnitt ist bei Motorradfahrern besonders beliebt. In der Vergangenheit kam es hier zu mehreren schweren Motorradunfällen.

Kontrolliert wurden nicht nur Motorradfahrer. Insgesamt fuhren 137 Fahrzeuge zu schnell. 114 Fahrer erwarten ein Verwarngeld und 23 Fahrer eine Ordnungswidrigkeitenanzeige.

Fünf Motorradfahrer waren so schnell unterwegs, dass sie ein Fahrverbot bekommen. Am schnellsten fuhr ein Motorrad mit 123 km/h.

Ein Motorradfahrer wurde gleich zwei mal gemessen. Er war auf dem Hin- und auf dem Rückweg zu schnell.

Nach dem Ehrenkreuz eine flotte Sohle hingelegt

Mit ausgelassenem Tanz und guter Laune endeten der Achterhoeker Königsgalaball und damit die Kirmesfeierlichkeiten in dem lebenslustigen Dorf. Am frühen Abend waren zahlreiche Abordnungen der umliegenden Bruderschaften und Vereine mit der St. Maria-Bruderschaft Achterhoek in das Festzelt eingezogen und hatten trotz der Tatsache, dass es in diesem Jahr keinen Schützenkönig gibt, für eine feierliche Stimmung gesorgt.

Dazu trug dann auch die Ehrung für ein verdientes Mitglied der St. Maria-Bruderschaft Achterhoek bei. Der langjährige Präsident Willi Gietmann (links) erhielt als viertes Mitglied das St. Sebastianus-Ehrenkreuz des Bundesverbandes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften. Er zeigte sich entsprechend gerührt, ehe er mit den anderen Zeltgästen zur Musik von „Two for you“ eine flotte Sohle auf das Parkett legte.

Kinderfest im Achterhoek

Isabella Stenmans und Birgit Ingenbleek hatten sich wieder viele Gedanken gemacht. Das Kinderfest im Achterhoek war liebevoll vorbereitet worden und jedes Kind konnte bei der großen Vielfalt etwas finden, das interessant für es war.

Erbsenschlagen, Vier gewinnt, Schatzsuche im Bällebad, Dosenwerfen, „Kuhmelken“, heißer Draht, Zielwerfen oder Dart wurden angeboten. Dazu gab es die Möglichkeit, sich fantasievoll schminken zu lassen, zu basteln oder mit dem Bobbycar über eine eingezeichnete Strecke zu fahren.

Kein Kind ging leer aus

Damit es noch spannender wurde, erhielt jedes Kind eine „Laufkarte“. Wer am Ende alle Spiele abgezeichnet hatte, konnte sie mit seinem Namen versehen in eine Lostrommel werfen. Hier ging es dann darum, die Reihenfolge auszulosen, in der sich die Kinder von den gespendeten Gewinnen etwas aussuchen durften. Schmuse­tiere, Spiele, Autos und anderes Spielzeug fanden schnell ihre neuen Besitzer. Gewinner waren alle, denn kein Kind ging leer aus.
Dann war das Schießen um den Kinderkönig der St.-Maria-Schützen-Bruderschaft an der Reihe. Es gab einen spannenden Kampf um den Titel.

Zunächst wurden die Preise ausgeschossen (mit Gummigeschossen). Den Kopf holte sich Joshua Stenmans, den rechten Flügel Felix Albers, den linken Flügel Max Wormland und den Schwanz Jaron Stenmans. Neuer Kinderkönig wurde Jaron Stenmans, zu seiner Kinderkönigin machte er Nadine Ingenbleek. Zu seinen Ministern erklärte er Max Wormland und Marius Albers. Die ernannten zu ihren Damen Eva Wormland und Leni Aengenheister.

Schade, dass wegen der taggleich stattfindenden Erstkommunion nur sehr wenige Kinder den Nachmittag miterlebten. Gelohnt hätte es sich auf jeden Fall.

Erstmals ohne König

Schützenfest mit Königsschießen im Achterhoek. Willi Gietmann, Ehrenvorsitzender der St.-Maria-Schützen-Bruderschaft Achterhoek 1715, hatte gerade unter großem Jubel den linken Flügel beim Königsschießen 2018 heruntergeholt (Kopf, Willi Düngelhoef; rechter Flügel, Jan Otten).

Es waren zu dem Zeitpunkt fast fünf Stunden Schießen – immer genau gegen die Sonne – mit Pausen durch wolkenbruchartige Schauer vergangen, da braute sich eine erneute Gewitterfront zusammen. Mit der wechselnden Wetterlage hatte sie aber nichts zu tun.
Zwar war neben dem Rumpf auch noch der vierte Preis, der Schwanz zu gewinnen, aber jedem war klar: So wie der Rest im Auffangkasten des Schießstandes hing, könnte der nächste Schuss bereits den ganzen Vogel zum Fallen bringen und der Schütze wäre Schützenkönig 2018 im Achterho­ek gewesen.

Unauffällig machten sich die ersten Schützen auf den Heimweg und die Gesellschaft schmolz sichtbar zusammen. Keiner war bereit in die Gefahr zu laufen, den finalen Schuss abzugeben. Keiner wollte Schützenkönig werden.

Willi Gietmann schüttelte unentwegt den Kopf: „Das wäre schon eine sehr traurige Sache, wenn keiner bereit wäre, das Amt zu übernehmen. Am Geld liegt es bei uns nicht. Damit alle König werden können, halten wir die Kosten möglichst niedrig und der Verein hilft im Notfall auch noch.“ Auch als Hauptmann Willi Schattmann jr. die Bruderschaft antreten ließ und den Mitgliedern vorhielt, sie könnten doch nicht wirklich nach einer Zeit von 303 Jahren, in der die Bruderschaft besteht, es erstmalig zulassen, dass es keinen König geben würde, und auch der 1. Vorsitzende Michael Stenmans seinen Vereinskollegen noch einmal ins Gewissen sprach, fand sich niemand, der zum nächsten Schuss bereit war.

Nach einer erneuten Beratung des Vorstandes und dem Beschluss, dass niemand von ihnen den Königsschuss abgeben würde, wurde sogar die Möglichkeit gegeben, König werden zu können, ohne dass eine Königin erwählt werden müsse. Auch dieses „Angebot“ zog nicht.

Das Königspaar 2017, Jürgen und Birgit Ingenbleek, Ministerpaar Christoph und Isa Stenmans und Ministerpaar Klaus und Anne Düngelhoef, die vor dem Schießen mit einer Parade und mit Fahnenschwenken (der Musikverein Winnekendonk spielte auf) im Beisein von Ortsvorsteher Hansgerd Kronenberg und dem Präsidenten der Geselligen Vereine Winnekendonk Rüdiger Göbel geehrt und verabschiedet wurden, hängen nicht noch ein Jahr als Thron an. Sie werden aber voraussichtlich repräsentative Aufgaben bis zum nächsten Königsschießen wahrnehmen.

Der Krönungsball findet als Schützenball zum vorgesehenen Termin statt. Wie es jetzt in der Sankt-Maria-Schützenbruderschaft Achterhoek 1715 weitergeht, wird der Vorstand beraten.

Ganz scharf auf Schlagerparty …

Zum zweiten Mal nach 2017 erschallten Schlagermusikklänge zum Auftakt der Achterhoeker Kirmes in dem Festzelt am Schulweg. Die Partyband „The Cube“, die im vergangenen Jahr den Partygästen eingeheizt hatte, brachte diverse Sounds von Helene Fischer bis zum internationalen Pop zu Gehör.

Die Leute sind toll, die Bühne super – ein toller Auftritt“, meinte Sängerin Giulia Young nach den diversen Musikblöcken.
Und Dirk Maron alias „Wolfgang Petry“ sorgte anschließend bei den rund 300 Gästen für Stimmung. „Früher hatten wir das Maifest in der Art des Oktoberfestes. Aber das hat nicht mehr so gut funktioniert“, erläuterte der Vorsitzende der St. Maria Bruderschaft Achterhoek, Michael Stenmans, den Wechsel.

„Und der Aufwand war einfach schwierig“, da habe man auf ein neues Konzept gesetzt, das sich sicherlich noch festsetzen müsse, sagte er, hatte für die am Ende relativ mäßige Publikumsresonanz aber keine schlüssige Erklärung.

Der Labbeckerin Maren Pieper waren solche Überlegungen egal. Die 32-Jährige feierte mit einem Dutzend Mädels ihren Junggesellinnenabschied und ließ die Füße glühen. „Auf Schlagerparty waren wir ganz scharf“, sprach´s und stürzte sich wieder auf die Tanzfläche.

Auch das Hartefelder „Filmriss-Kommando“ hatte mit einem Trupp von zehn Mann den Weg ins Zelt gefunden. „Wir waren zum Tanz in den Mai hier und das war sehr gut. Es sind zwar etwas weniger Leute da, aber es ist trotzdem schön“, fand Heiner Spolders. Und das Achterhoeker Urgestein Johannes Baaken hatte bei einem Glas Bier Freude an dem Spaß der jungen Leute. „Die Leute, die hier so tanzen, das ist die Zukunft.“

Familie Baaken will der Natur eine Chance geben

20 Jahre lang lag das etwa 4.000 Quadratmeter große Grundstück in einem tiefen Dornröschenschlaf. Meterhohe Tannen, Fichten und Kiefern, die von dichten Brombeersträuchern umzingelt waren, ließen kaum einen Blick auf das Naturareal im Achterhoek zu.

“Der Besitzer konnte sich altersbedingt nicht mehr darum kümmern“, sagt Johannes Baaken, der diesen in einer aufwendigen Suche ausfindig machen konnte. In einer gemeinsamen Beratung mit seiner Frau Petra und seinem Sohn Raphael, entschloss sich die Familie Baaken das unmittelbar gegenüberliegende und brach liegende Landschaftsschutzgebiet, was allerdings keiner Kleingartenstreberanlage gleicht, dauerhaft zu pachten. „Wir möchten dieses Gebiet der Natur wieder zurückzugeben, eine Oase der Ruhe für die Natur schaffen“, erklärt der Betriebshofleiter der Stadt Kevelaer.

Das bedeutete aber auch, die Ärmel hochkrempeln und ran an Spaten und Heckenschere. Denn das ziemlich verwahrloste Grundstück benötigte eine intensive Bearbeitung. „Da mussten wir schon mit starkem Gerät ran“, verrät Johannes Baaken, der zuvor die untere Landschaftsschutzbehörde über sein Vorhaben informierte. In Absprache mit dem Kreis konnte dann Anfang des Jahres mit den Arbeiten am „Biotop“ beginnen. „Wir haben eine komplette Rodung vornehmen müssen“, berichtet Baaken.

Orkantief „Friederike“ erledigte den Rest. Für die weiteren Aufräumarbeiten konnte schließlich der starke Wintereinbruch genutzt werden. Freigelegt wurde dabei auch ein 1.500 Quadratmeter großer Wasserteich. „Darin konnten wir schon Fische und Frösche beobachten“, schwärmt der Familienvater, der auch schon Kopfweiden und Sträucher am neuen Feuchtgebiet einpflanzte.

Rat zur Naturerhaltung am Biotop holte sich die naturliebende Familie zusätzlich bei den Mitgliedern vom NuK (Natur und Kultur im Achterhoek). „Das sind wertvolle Ratschläge und Tipps“, bedankt sich Johannes Baaken für die Vorschläge, der sich zudem auch über die eingesetzte Handarbeit freut. Die erfolgte in der vergangenen Woche. Denn die ersten warmen Frühlingsstrahlen lockten Familie Baaken, Bernd Richter und Horst van Lier zur Bepflanzung am Biotop. Dabei wurden Habichtskraut, Sumpfprimeln, Bärlauch und Co. in einer Gemeinschaftsaktion eingepflanzt. Alleine das gefleckte Knabenkraut sieht Horst van Lier bald schon wachsen. „Die Orchidee dürfte an diesem Standort, da ungedüngt, sehr gute Chancen zur Ansiedlung und Fortpflanzung haben“, erklärt der Liebhaber und Züchter heimischer Orchideen.

Im nächsten Schritt wird noch eine ausgesuchte Wildblumensamenmischung eingebracht. „Und dann schauen wir mal, wie sich alles entwickelt“, so Johannes Baaken, der diesem neu erschaffenen Biotop Zeit, Raum und Ruhe schenken möchte. Er will der Natur eine Chance geben. Für Spaziergänger ist diese Naturperle von außen einsehbar, jedoch nicht zu betreten, da dieses wertvolle Biotop nicht gestört werden sollte.

Landschaftspflege im Achterhoek

Der Achterhoek glänzt wieder. Was viele Autofahrer während ihrer Fahrt durch das geöffnete Autofenster „verlieren“, hatte sich im vergangenen Jahr wieder angesammelt und es wurde der jährliche Frühjahrsputz in der Landschaft fällig.
Mitglieder (darunter zahlreiche Kinder) des NUK (Natur und Kultur im Achterhoek e.V.) machten sich auf, um mit Arbeitshandschuhen und Sicherheitswesten ausgestattet Straßenränder und Gräben innerhalb der Streusiedlung von Müll zu reinigen.
Autoreifen und Massen an Flaschen
Hierbei war von Autoreifen über Massen an Flaschen, Getränkedosen, Zigarettenschachteln, Verpackungen eines Schnellrestaurants und sogar eine Fernbedienungseinheit eines Krans alles zu finden. Unzählige Müllsäcke wurden gefüllt und nicht nur ein Bollerwagen, sondern auch ein Pritschenwagen des städtischen Betriebshofs, der den gesammelten Müll wegfuhr, waren am Ende voll beladen.
Wie es beim Verein Natur und Kultur im Achterhoek üblich ist, wird bei jeder Gelegenheit auch die Gemeinschaft gepflegt. So trafen sich alle Helfer im Anschluss an der Vereinswiese des NUK, um zusammen Pizza aus dem Steinofen zu essen.
Ursprünglich war auch vorgesehen, bei der Aktion dort den Baum des Jahres einpflanzen. 2018 ist dies die Edelkastanie. Da der Termin für die Müllsammelaktion aber mehrmals verschoben werden musste und die Kastanie in die Erde sollte, wurde dies bereits in kleinem Rahmen vorher durchgeführt und die Edelkastanie hat bereits erste Wurzeln geschlagen.
500 Hecken und Feldgehölze aus der regionalen Artenliste wurden vom NUK gekauft und an seine Mitglieder verschenkt. Holunder, Hartriegel, Flieder, Schneeball, Schlehe, Liguster, Weigelia, Rotdorn, Vogelkirsche und Haselnuss sind einige Beispiele hierfür. So wurde wieder ein deutliches Zeichen für den Landschafts- und Naturschutz gesetzt.
Ein stabilisierendes Landschaftselement
Feldgehölze gliedern und beleben das Landschaftsbild durch blühende oder Früchte tragende Sträucher, sie schaffen Nahrungs-, Brut-, Zufluchts- und Schlafstätten für viele Tiere, vor allem für Vögel, Insekten und Kleinsäuger und sind ein stabilisierendes Element in unserer Landschaft. Außerdem dienen sie der natürlichen Schädlingsbekämpfung.
Vor allem, wenn durch Kombination von Feldgehölzen und Hecken eine ökologische Vernetzung erreicht wird, leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Schutz und zur Erhaltung von Tier- und Pflanzenarten.
Natur und Kultur im Achterhoek widmet dem aktiven Naturschutz in der Bauernschaft weiterhin einen großen Teil seiner Arbeit und trägt so zum Erhalt der Umwelt bei.

Wilder Westen im hinteren Winkel

Manchmal ist der Wilde Westen näher, als man denkt. Bereits zum elften Mal trafen sich Trapper, Cowboys und Indianer über das Osterwochenende im Achterhoek und versprühten hier Wildwest-Atmosphäre. „Es ist wie ein großes Familientreffen“, versichern die zahlreichen Teilnehmer. Auf Einladung des Stammes „Wang Sini Tangkal“, der sich vor über zehn Jahren in friedlicher Absicht im Achterhoek niederließ, trafen bereits am Gründonnerstag die ersten Siedler und Indianerstämme am Lager auf dem Winkelschen Weg ein.

Wie im 18. Jahrhundert

Im Achterhoek trafen sich an Ostern Cowboys und Indianer.(Foto: HvL)

Im Achterhoek trafen sich an Ostern Cowboys und Indianer. (Foto: HvL)

„Wir sind alle Hobbyisten und empfinden das Leben der amerikanischen Kultur aus dem 18. Jahrhundert nach“, erklärt Horst Krämer alias „Kentucky“ vom Stamme der Wang Sini Tangkal. 2007 siedelte sich eine kleine Gruppe von Gleichgesinnten im Achterhoek an. Hier wird ihnen die Möglichkeit gegeben, das Leben aus einer längst vergessenen Zeit zu leben. Bei regelmäßigen Wild-West-Treffen werden Geschichten aus dieser Zeit erzählt, das Leben authentisch nachempfunden. Für die An- und Aufnahme im Achterhoek ist der Stamm sehr dankbar. Denn Rauchzeichen und Indianertrommeln sind das ein oder andere Mal im Ort über die Weiten der Prärie deutlich zu vernehmen.

So auch am vergangenen Wochenende. Über hundert Indianer, Cowboys, Trapper, Waldläufer und Pelzhändler hatten am Stammesplatz der Wang Sini Tangkal ihre Zelte aufgeschlagen. „Andere gehen angeln“, erklärten „Pelzhändler“ aus Mülheim an der Ruhr ihr Hobby. Auf einem kleinen Ofen, der mit Holz befeuert wurde, bereiteten die Händler in einem Dutch-Ofen ihr Abendessen. „Ein deftiges Gulasch“, beschrieben sie ihr duftendes Mahl.

„Natürlich ist das alles sehr aufwendig“, berichtete „Kentucky“, „erst das Zelt aufschlagen, einrichten, dann Feuer machen, eine Kochstelle aufbauen, Wasser holen… aber genau das macht den Reiz der vergangenen Zeit aus“, führte der Wang-Sini-Tangkal-Indianer weiter aus.

Aufwendige Kostüme

Im Achterhoek trafen sich an Ostern Cowboys und Indianer.(Foto: HvL)

Im Achterhoek trafen sich an Ostern Cowboys und Indianer. (Foto: HvL)

In einem großen Einzug versammelten sich derweil Schwarzfuß-, Dakota- und Sioux-Indianer, Bisonjäger, freie Trapper, Siedler und Westernfreunde zum „Pow-Wow“ am Lagerfeuer. Ein Pow Wow ist ein Indianisches Treffen (auch Nichtindianer sind herzlich eingeladen), um gemeinsam zu tanzen, zu singen, Kontakte zu pflegen und die indianischen Kulturen zu pflegen. In bunten und sehr aufwendig gestalteten Kostümen, die meist handgefertigt sind, bewegten sich Indianer und Siedler zu den rhythmischen Klängen der Trommeln. Immer wieder wurden neue Tänze angestimmt, die zum gemeinsamen Tanzen und Singen aufforderten – eine friedliche Vereinigung der Siedler, Indianer und Trapper.

Es waren wohl das Knistern des Lagerfeuers, die aufwendig gestalteten Kleider, die große Leidenschaft zum Hobby, die eine ganz besondere Atmosphäre am Lagerplatz der Wang-Sini-Tangkal-Indianer im Achterhoek schafften. Dies alles wurde am Ostersonntag mit einem traditionellen Osteressen gekrönt. „Dann gibt es einen klassischen Sauerbraten vom Pferd, dazu Knödel und Rotkohl“, berichtete „Kentucky“, der sich über den großen friedlichen Zusammenhalt der Wild-West-Freunde mit den Indianerstämmen freute. „Schließlich wollen wir alle nur spielen“, bestätigten die Bisonjäger aus Köln.

Eine große Kunst

Man muss Heinz Henschel nicht persönlich gekannt haben, um sich vorzustellen, wie er da am Sonntag saß. Vermutlich an einem einfachen Biertisch, vor sich ein großes Glas Gerstensaft oder einen Pott Kaffee, auf einer wohl kunterbunten Wolke seines eigenen Kosmos‘. Man ahnt ein bescheidenes Lächeln unter dem mächtigen Schnauzbart. Und ganz viele Besucher der Ausstellungseröffnung schauten am Sonntag mal kurz nach oben und winkten ihm zu, diesem Mann, der aus Freundschaft zu Menschen in den Achterhoek kam und der sich mit dem Landstrich und den Menschen hier vor seinem Tod ein wenig anfreundete.
Man wird nicht jeden Tag einen unbekannten Künstler entdecken. Aber dass Heinz Henschel einen Kevelaerer zum „Gralshüter“ seines bis dato weitgehend unentdeckten Nachlasses wählte, ist nicht nur für diesen ein Glücksfall. Das Niederrheinische Museum Kevelaer bekommt mit der Ausstellung „Wanderer zwischen den Welten“ die Chance, sich nicht nur als Hüter verstaubter Exponate zu präsentieren – was durchaus, inklusive der entsprechenden Arbeit des ,Staubwischens‘ eine ehrbare Aufgabe ist – sondern auch als ein Raum für Entdeckungsreisen ins Unbekannte.
Es wird eine Diskussion darum geben, wer Heinz Henschel denn nun ist. Ein Künstler? Ein Handwerker? Ein Kunsthandwerker? Das Kevelaerer Museum wagte den Schritt, diesen Unbekannten mit offenen Armen aufzunehmen. Die Experten standen genauso mit offenem Mund vor den Werken dieses Mannes, wie es heute die Besucher der Ausstellung tun. Ich habe niemanden getroffen, der nicht zumindest verwundert den Kopf schüttelte, als er zum ersten Mal auf ein Werk von Heinz Henschel traf. Und das ist mehr, als mancher Künstler mit seinem Gesamtwerk geschafft hat.
Dass man dies alles in Kevelaer erleben darf, ist natürlich ebenfalls ein Glücksfall. Es zeigt aber auch, was wir hier brauchen: Ideen, Visionen, Fantasie. Und dann die Kraft, das auch zeigen zu wollen. Das kann nicht jeder, schon keiner allein. Deshalb sind solche mutigen Menschen wie die Ausstellungsmacher im Kevelaerer Museum so wichtig. Sie sehen über Tellerränder. Sie zerreden ihre Ideen nicht, sie präsentieren sie. Oft sogar ehrenamtlich. Man sollte ihnen zusehen, man sollte ihnen zuhören, man sollte sie wertschätzen. Man sollte all das „weiter so“ und „haben wir immer schon so gemacht“ über Bord werfen. Das tut sich von allein. Wir müssen wieder offen werden für das, was wir sehen, und wertschätzen, dass wir es sehen können.
Das Kevelaerer Museum zeigt nur einen Teil des Henschelschen Kosmos‘. Aber es hat den Mut, die Museumswelt für einen Mann zu öffnen, der uninterpretiert ist. Der (noch) nicht etabliert ist. Der auf dem „Kunstmarkt“ noch „ohne Wert“ ist. Das macht diese Ausstellung so wertvoll. Sie fordert im übertragenen Sinne Unvoreingenommenheit ein. Denn hier kann sich buchstäblich jeder noch selbst ein Bild machen, ohne sich auf berufene Münder berufen zu können.
Ich kann nur jedem raten, der sich von Fantasie beflügeln lassen kann, sich diese Ausstellung anzusehen. Er wird Heinz Henschel entdecken. Und vielleicht wird er ihm sogar einen kurzen Gruß nach oben auf die bunte Wolke schicken.

Michael Nicolas

Natur für den Menschen

Es gibt einen großen Unterschied zwischen Umwelt- und Naturschutz, der nicht allen Menschen bewusst ist: Umweltschutz – das steckt schon im Namen – bezieht sich auf jemandes Umwelt, nämlich die der Menschen. Umweltschutz dient immer einem menschlichen Zweck – auch wenn Politik und Wirtschaft das gerne mal vergessen. Um so erstaunlicher, dass das, was vergangene Woche in Kevelaer eher leise und überraschend einhellig beschlossen wurde, waschechter Naturschutz ist – Erhalt der Natur um ihrer selbst willen (siehe KB 06/2018, S. 2).

Gemeint ist das Programm zur bienen- oder besser insektenfreundlichen Stadt Kevelaer. Keine langen Diskussionen gingen vorweg. Ein Antrag der SPD, der genau in die Kerbe schlug, die der Verein „Natur und Kultur um Achterhoek“ (NUK) da schon einige Wochen bearbeitete, und kurz darauf stand das eher informelle Treffen von Bürgermeister, Politikern und Naturschützern. Jeder erkannte nicht nur die Kompetenzen der anderen an. Auch die Sinnhaftigkeit des Vorstoßes wurde von keiner Seite in Frage gestellt.

Und nicht nur das. Schon dieses erste Treffen brachte einen ganzen Katalog sinnvoller, einstimmig beschlossener Maßnahmen auf den Weg. In mancher Kommune hätten schon einzelne der Maßnahmen lange Auseinandersetzung in politischen Ausschüssen mit sich gebracht, vom ganzen Programm in seiner durchaus beachtlichen Tragweite gar nicht zu reden. Für so viel Entschlussfreudigkeit kann man Politik und Verwaltung nur applaudieren.

Der Applaus gilt aber auch dem NUK, der mit wohlüberlegten und realisierbaren Ideen in dieses Treffen gegangen ist. Überhaupt dürfte der NUK ein idealer Partner für dieses Vorhaben sein, liegt die Stärke der Achterhoeker doch seit der Vereinsgründung darin, nicht konfrontativ, sondern vermittelnd Naturschutz und Landwirtschaft zusammenzubringen.
Kevelaer wird von diesem Projekt profitieren; nicht nur, weil die Stadt damit ihr Image polieren kann. Es gibt nämlich noch eine zweite Wahrheit über den Naturschutz: Mit den Insekten kommen auch wieder Singvögel, Fledermäuse und Kleinsäuger verstärkt zurück in die Stadt. Das ist nicht nur Selbstzweck. Es erfreut auch die Herzen vieler Menschen, diese Tiere in ihren Gärten und auf öffentlichen Grünflächen zu beobachten. Und das ist ein Stück Lebensqualität.