Aktuelles aus Achterhoek

Zeitreise im Achterhoek

Zu seinem 1. Mittelaltermarkt hatte der Verein Natur und Kultur im Achterhoek (NUK) eingeladen. Auf der Vereinswiese konnte man lebendige Geschichte erleben. Dort war ein Mittelalterlager aufgebaut, das zum Schauen und Mitmachen animierte.

Lagermeister Sebastian Janz und Rainer Verhülsdonk als 1. Vorsitzender des NUK, die den Mittelaltermarkt organisiert hatten, waren die Herren des wahrlich beeindruckend angelegten Lagers. Die Gruppe „Hopfentreu“ mit den Spielleuten Claus Kampen und Ulli Hütgens zog mit Dudelsack, Ukulele und Gesang durch die Zeltstadt und schuf zwischen Wimpeln, Fahnen und Gilde- beziehungsweise Lagerschildern der Teilnehmer eine fröhliche Stimmung.

Im Mittelalter definierten sich die Menschen durch „Stände“, angefangen vom Adels- und Ritterstand über Kaufleute, Krieger, Bauern, Handwerker. Bettler waren damals nicht „Sozialversager“, die auf ihrem Lebensweg irgendwo falsch abgebogen waren, sondern auch sie hatten ihren festen Platz im göttlichen Heilsplan und vererbten diesen Stand über Generationen.

Die heutige Ungewissheit der Zukunft scheint nicht nur die Aussteller auf Mittelaltermärkten in „ihre Freizeitwelt“ eintauchen und diese für ein paar Tage im Jahr leben zu lassen; auch für die Besucher scheint es eine anziehende Welt zu sein, in der es noch berechenbares Miteinander gab – und dies trotz Seuchen und schreiender „Sozialschere“, die noch viel weiter auseinanderklaffte als heute. In Rollenspielen kann jeder für ein paar Stunden Ritter, Bogenschütze oder Krieger sein, ohne Blut zu vergießen, als Wahrsagerin die Zukunft vorhersagen, ohne die Höllenstrafen oder die Verbrennung als Hexe zu fürchten, oder Schwerter schmieden, ohne diesen Stand gleich auf seine Kinder und Kindeskinder vererben zu müssen.

So war es auch auf dem Mittelalterfest im Achterhoek. Unter anderem übten „Freie Niederrheinische Bogenschützen“ mit 24 Pfeilen im Köcher ihre Treffsicherheit auf die Strohzielscheibe, und die Kelten „Amator Massa“ (wilder Haufen) führten ihre Greyhounds, die ihre Vorfahren 500 nach Christi aus Ägypten mitbrachten, umher. Eine Kräuterfrau zeigte mit Efeu-Extrakt, Lindenblüten, Weidenrindentee, Knoblauch und Beinwellumschlägen, was die Natur an Medikamenten bereithält, und was manchmal als Ersatz für Präparate aus der Apotheke dienen könnte. Die „Freien Wölfe vom Caternberg“ tollten mit ihren irischen Wolfshunden durchs Lager, und die Wikinger „Langförli fra Winternam“ (Weitgereiste aus Winternam) Moka Hansdotir (Moka Hans Tochter) vertrieb sich die Zeit mit „Nadelbinden“, Karl Karlssohn (der Sohn von Karl) flocht Weiden und ihre Tochter, die auch im realen Leben Ferun heißt, vergnügte sich mit Hufeisen-Werfen.

Viele weitere „Lager“ bereicherten den Mittelaltermarkt auf dem natürlich auch für das leibliche Wohl der zahlreichen Gäste gesorgt wurde.

Beim Reiterball kamen sie sich näher

Das Fest ihrer Goldenen Hochzeit feierten n diesen Tagen Thea und Theo Ingenbleek aus Achterhoek. „Dieses Fest werden wir immer in Erinnerung behalten“, versichert das Jubelpaar, das sich überaus dankbar für all die Vorbereitungen zu ihrer Goldenen Hochzeit zeigt.

Eine von der Schwiegertochter liebevoll angefertigte Kerze begleitete das Jubelpaar über den Ehrentag. Dieser begann mit einem feierlichen Dankgottesdienst in der St. Josef Kapelle im Achterhoek, den Pastor Manfred Babel zelebrierte.

Gefeiert wurde anschließend in einem eigens aufgestellten Zelt auf dem Hof. „Das ist schon etwas Besonderes“, weiß das Goldpaar zu schätzen. Bedeutet aber auch viel Vorbereitung. „Ohne unsere Kinder, Schwiegerkinder und Enkel, hätten wir das gar nicht machen können“, versichern Thea und Theo Ingenbleek.
Ein besonderer Dank aber galt der Nachbarschaft vom Alten Kapellener Weg. Liebevoll sorgten diese für einen prachtvollen Jubiläumsschmuck am Haus des Goldpaares.

Beide besuchten die gleiche Schule

1964 lernten sich Thea Aengen-Eyndt und Theo Ingenbleek beim Reiterball in Winnekendonk kennen. „Aber was heißt schon kennenlernen“, sagt der 75-jährige Goldbräutigam. „Wir sind beide im Achterhoek aufgewachsen, haben zusammen die gleiche Schule besucht…“, fügt die 70-jährige Goldbraut fügt hinzu. „Hier kennt eben jeder jeden“, ergänzt der gelernte Landwirt, der der St. Maria-Bruderschaft im Achterhoek angehört. Das „nähere“ Kennenlernen aber brachte Thea und Theo Ingenbleek am 27.August 1968 vor dem Traualtar in der St. Josef Kapelle. Zwei Jahre nach der Hochzeit errichtet sich das Paar ein eigenes Heim für die wachsende Familie zu der sich nacheinander Thomas, Georg, Steffi, Jürgen und Dirk gesellen.

Heute bereichern Schwiegerkinder und elf Enkelkinder das Familienleben. Dieses steht beim sympathischen Goldpaar, trotz aller Arbeit auf dem Geflügelhof und dem täglichen Marktgeschäft, an erster Stelle.

54 Jahre fuhr das Ehepaar zum täglichen Marktverkauf nach Düsseldorf. Dort verkauften sie ihre bewährte Ware wie Eier und Geflügel. Heute wird das Marktgeschäft ganz im Sinne der Eltern vom Sohn weitergeführt. 2004 baute sich das Familien-und Heimatliebende Paar gleich neben dem Wohnhaus seinen Altenteil.

Aber was heißt schon Altenteil beim jugendlich wirkenden Goldpaar. Dieses hält zum Gelingen von 50 Ehejahren einen kleinen Tipp bereit: „Vielleicht hilft ein gemeinsames Ziel“, sagt Theo Ingenbleek, „ganz sicher aber Zusammenhalt“, betont Thea Ingenbleek und schaut dabei ihren Mann an. „Eigentlich sind wir wunschlos glücklich“, versichert das Jubelpaar aus Achterhoek.

Motorradfahrer bei Unfall im Achterhoek verletzt

Am Sonntag, 26. August 2018, gegen 17.45 Uhr befuhr ein 39-Jähriger aus Kleve mit einem Motorrad Yamaha die Straße Achterhoek aus Richtung Winnekendonk kommend in Fahrtrichtung Geldern-Kapellen. Ungefähr in Höhe der Einmündung “Alter Kapellener Weg” geriet er aus bislang ungeklärter Ursache mit seinem Motorrad auf den rechts neben der Fahrbahn verlaufenden Grünstreifen. Daraufhin verlor er die Kontrolle über das Fahrzeug und kam schließlich zu Fall. Der 39-Jährige wurde mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus verbracht. Das Motorrad musste abgeschleppt werden.

Achterhoeks Narren feiern auch im Sommer

Eine stimmungsvollen Tag verbrachten die Mitglieder der Achterhoeker Karnevals-Gesellschaft (AKG) am Sonntag, 19. August 2018, auf ihrem traditionellen Sommerfest, das alljährlich am dritten Sonntag im August ausgerichtet wird.

Zum Einstieg ging es ab dem Mittag mit zwei Bollerwagen, Kuchen, Kühlboxen mit kalten Getränken zum Boßeln. Von der Achterhoeker Kirche aus führte der Weg über Feldwege und Feld bei Otten vorbei zurück zum Gemeinschaftsraum an der Kirche. “Einfach den Ball schmeißen und da, wo er vom Weg abkam, von da aus weiter werfen – so was wie Minigolf auf dem platten Land”, beschrieb Yvette Lindemans von der AKG den Ablauf des Ganzen.

Auf dem Schweinehof von Bernhard Steenmans wurde die 25-köpfige Gruppe dann zum gemeinsamen Spanferkelessen eingeladen. Im Anschluss daran durfte die närrische Gemeinschaft einen Blick in den dortigen Schweinestall werfen. Das Fest klang im geselligen Beisammensein bis in den späten Abend auf dem Steenmans-Hof aus.

Eine ganz besondere Gemeinschaft

Es war ein besonderer Gottesdienst, den Pastor Manfred Babel in der St. Urbanus Kirche ausrichten durfte. Nicht nur, dass er im Rahmen der Feier an den Geburtstag von Johannes den Täufer (Johannistag) erinnern konnte. Babel begrüßte auch 24 Kommunionkinder der dritten Volksschulklassen von Winnekendonk und Achterhoek aus dem Jahr 1948 in den ersten Reihen.

„Am 27. Juni 1948 gingen Sie hier zur ersten heiligen Kommunion. Damals waren Sie 44“, verwies der Mitorganisator des Treffens, Arthur Elders-Boll, darauf, dass zwölf Männer und Frauen inzwischen verstorben sind. Ihre Namen flossen später in die Fürbitten mit ein. Pastor Babel hatte im Weihnachtspfarrbrief der Gemeinde St. Antonius vor zwei Jahren selbst angeregt, die Jubelkommunionen ab 50 Jahre zu feiern. Nun schlug er in seiner Predigt den Bogen von Johannes, dessen Name „Gott ist gnädig heißt“, zu den Kommunionskindern: „Wenn Sie 70 Jahre zurückschauen, dann hat man jeden Tag erlebt: Gott ist gnädig.“
Jeder habe seine eigene (Glaubens-) Geschichte, erinnerte er an die Zeit des Zweiten Weltkrieges, in die viele der Kommunionkinder hineingeboren worden waren, und den Beginn der Schulzeit am 1. April 1946.

Der damalige Pfarrer Joseph Reiners wollte, dass sein Goldenes Priesterjubiläum am 6. Juni und die Kommunionfeier drei Wochen später nicht in der alten Holzbaracke hinter der Kirche, sondern in der gerade wiederaufgebauten Pfarrkirche gefeiert wird.

„Sie sind Zeugnis eines Glaubens, der sich gehalten hat und überprüft wurde“, wandte sich Babel an die Kommunionkinder. Hier bestehe „eine feste Gemeinschaft, die sagt: wir gehören zusammen, wir stützen uns, denken an andere.“ In dem Sinne erinnerte er an Dänemark in der Nazi-Zeit, als der damalige König Christian seine Landsleute aufforderte, aus Solidarität mit den verfolgten Juden ebenfalls einen Judenstern zu tragen, damit sie nicht zu unterscheiden Wären. „Wie gut es ist, dass man zusammenhält.“

Babel verlas anschließend noch einen Gruß des Weihbischofs Rolf Lohmann, der an das Gebet vieler Kommunionskinder erinnerte: „Jesus, Jesus komm zur mir. Oh wie sehn ich mich nach Dir. Meiner Seele bester Freund, wann werd ich mit dir vereint.“

Dieser Jesus „hat Sie durch 70 Jahre begleitet, durch schöne, frohe und schwere Zeiten war Er Ihnen nahe, gab Ihnen Kraft, Stärke und Trost“, rief Lohmann in dem Schreiben die Kommunionkinder auf: „Halten Sie die Sehnsucht nach Jesus wach.“ „Früher war alles sehr streng und diszipliniert. Wir saßen mit gefalteten Händen in der Kirche“, erinnerte sich Irmgard Spelter noch gut an diesen besonderen Tag. „Wir mussten uns an der Schule aufstellen und zogen gemeinsam zur Kirche in Reih und Glied. Und es muss heiß gewesen sein“, erzählte Hanni Paasen, die damals noch Derks hieß. „Dass man sie alle nochmal wiedersieht“, fand die 79-Jährige einfach nur schön.

Keine Liste, keine Fotos

Leider gebe es von dem Tag „keine Kommunionsliste, kein Foto, nix“, sagte Arthur Elders-Boll, der „zu Sechst“ in dem Achterhoeker Jahrgang war. Zusammen mit Franziska Wehling (Winnekendonk) hatte es ihn viel Arbeit gekostet hatte, um alle miteinander zuammenzubringen. Fünf der noch 32 Lebenden hatten sich nicht gemeldet, drei kurzfristig wegen Krankheit abgesagt.

Im Anschluss an den Gottesdienst machte sich die 24-köpfige Gruppe auf zur Gaststätte „Zur Brücke“, wo Elders-Boll, Babel und der Winnekendonker Ortsvorsteher Hansgerd Cronenberg zu den Anwesenden sprachen.
Cronenberg erinnerte dabei an die Höhepunkte der Winnekendonker Ortsgeschichte. Danach wurde gut gegessen, Fotos früherer Zeiten herumgereich und so manche Anekdote ausgetauscht.

Der Gegenpol zu den Traditionalisten

Einen entspannten Tag in natürlicher Idylle verlebten die Mitglieder und Sympathisanten des Vereins Natur und Kultur im Achterhoek (NuK) auf dem Gelände der alten Feldscheune am Achterhoeker Schulweg.

Anlass für das Zusammentreffen war das fünfjährige Bestehen des Vereins. Das hatte die Aktiven um ihren Vorsitzenden Rainer Verhülsdonk dazu veranlasst, ein Sommerfest auf die Beine zu stellen. „Die Leute können miteinander klönen und Spaß haben“, hatten Verhülsdonk und Co. für jeden Geschmack was zu bieten. Die Kinder hatten Tipis gebaut. Zudem gab‘s Kinderschminken. Daneben warteten in der Feldscheune jede Menge Kuchen und Kaffee auf die Gäste, die es sich im Sitzrundell, in der Hängematte oder am Tisch gemütlich machen konnten.

„Wir haben eine Menge bewegt“, konstatierte Verhülsdonk beim Reflektieren über fünf Jahre NuK im Achterhoek. „Jetzt werden überall Grünstreifen mit insektenfreundlichen Pflanzen angelegt“, nannte er ein Beispiel für eine angestoßene Debatte, die zu einem konkreten Umdenken geführt hat.

Er erwähnte die diversen kulturellen Aktivitäten, warb dabei direkt für das nächste Blueskonzert am 8. September. „Das Umdenken muss von unten kommen“, so seine Überzeugung. Mitstreiter Matthias David nannte den NuK „das größte Projekt, das ich mitgestalten durfte.“ Er verwies auch auf die Naturschutzprojekte des Vereins und die „menschenverbindende“ Wirkung für „Menschen von 6 bis 94 Jahre“, die sich auf dem Gelände befanden. Immerhin hat der NuK in der relativ kurzen Zeit schon 323 Mitglieder für sich gewinnen können. „Damit hat keiner gerechnet“.

Man werde nicht mehr als „Spinner“, sondern als „kompetenter Gesprächspartner“ wahrgenommen. Auch das habe sich gewandelt. „Wir sind so der Gegenpol zu den Traditionalisten und der kreative Schmelztiegel im Achterhoek“, sagte David

Lob gab‘s auch vom Bürgermeister: „Es ist schon großartig, weil hier was bewegt wird. Vor fünf Jahren hat noch keiner von Vogel- oder Insektensterben geredet. Jetzt ist es ein Mainstream-Thema.“ Dominik Pichler war an dem Tag privat mit einem seiner Jungs da und legte sich unter anderem beim Kickerturnier ins Zeug.

Nach dem Kickern rollte dann auf der Leinwand der „richtige“ Fußball und die Natur-und Kulturfreunde im Achterhoek fieberten beim Spiel der Deutschen Mannschaft mit.

Wenn Strategie Spaß macht

„Rüber, Jonas, gib mir den Ball“, riefen die anderen Kinder aufgeregt, als der junge Mann sich noch nicht richtig entscheiden konnte. „Jetzt werfen“, sagte einer seiner Mitspieler und traf dann den Gegner auf der anderen Seite des Spielfeldes. „Er hat nur noch zwei Leben“, motivierten sie sich für den weitere Fortgang des Spiels.

Auf der Rasenfläche des Dorfplatzes Achterhoek ging es zeitweilig hoch her. Die Aktiven der Karnevalsgesellschaft AKG hatten zum vierten Mal zum gemeinsamen Völkerballturnier eingeladen.

„Wir haben gesagt, wir ziehen das durch, egal wieviele kommen“, meinte Dominik Bauten, der maßgeblich an der Organisation des Ganzen gestrickt hatte. Zum Auftakt der Serie waren es noch bis zu zwölf Teams gewesen, die einen lustigen Sonntag miteinander verbrachten.
„Das hat eine Tradition, die leider etwas abflacht“, konnte Bauten diesmal insgesamt nur drei Teams – zwei vom eigenen AKG und den Kegelclub „KC druff im Suff“ zum Vergleich begrüßen. Und das, obwohl die AKG „alle Vereine, mit denen wir sonst feiern“ und vor Ort angesprochen hatten, unterstrich Johannes Otten.

„Spaß hatten wir jetzt trotzdem – ist halt nur schade, dass das Dorf nicht so richtig mitmacht“, machten er und die knapp zwei Dutzend Erwachsenen und Kinder das Beste aus dem Tag.

Das Schöne am Spiel sei „die Teamarbeit“, fand der zwölfjährige Jonas. „Du kannst nicht einfach draufwerfen, du musst da strategisch denken“, profitierte er von dem gelegentlichen Spiel im Sportunterricht.

Auch Annika Lindemans hatte an dem Tag ihren Spaß. „Die Kleinen sind echt gut, die geben Gas“, erinnerte sich die 20-Jährige gerne daran, „dass ich auch alles gespielt habe, was mit Ball zu tun hat“. Und der gleichaltrige Moritz Noeldner vom Kegelclub, dem Sieger des kleinen Turniers, der mit einem Gutschein für die Fitness-Arena Kevelaer bedacht wurde, meinte dazu: „Ich bin immer voll dabei, egal, was wir an Sport machen. Und da kommt das kleine Kind in Dir wieder hoch.“

Am Mittag brachen die Beteiligten, die sich mit einigen Getränkekästen und ein paar Kleinigkeiten zum Essen versorgt hatten, dann die Zelte ab. Ob es eine Neuauflage des Turniers geben wird, scheint eher ungewiss. „Vielleicht machen wir was anderes, vielleicht man ein Bier-Pong-Turnier. Müssen wir gucken“, sagte Johannes Otten, freute sich aber schon auf ein bevorstehendes Ereignis: „die Winnekendonker Kirmes“.

NuK will „grundlos Bäume pflanzen“

Die Mitglieder des Vereins „Natur und Kultur im Achterhoek“ (NuK) hatten „jüngst eine sehr emotional geführte Debatte über Bäume verfolgen dürfen. Für uns war es sehr interessant, dies zu beobachten, weil alle so heftig reagiert haben und mit Feuereifer dabei waren. Das war gut, weil die Politik unmittelbar die Stimmung in der Bevölkerung erfahren konnte“, schreibt Matthias David vom Vorstand.
Und weiter: „Wir vom NuK beobachten aber nicht nur die Bäume in der Stadtmitte, wir werfen immer einen Blick auf das Ganze. Dabei fällt es auf, dass der Streitwert für Bäume in dieser Auseinandersetzung stark an das Erscheinungsbild und dem direkten Nutzen (z.B. Schatten) in der Stadtmitte gekoppelt ist. Anders lässt sich nicht erklären, warum kein Aufschrei durch die Reihen geht, wenn ein Sturm 100 Bäume im gesamten Stadtgebiet und den umliegenden Ortschaften darnieder gelegt hat und es keinen kümmert.“
Der Ruf nach einer Wiederaufforstung ertöne immer nur, wenn man Verluste durch Baumaßnahmen oder Baumfrevel erlebe, nie beim Verlust durch Naturgewalten. Während in der Stadt nun 5 Bäume wegen einer Krankheit fallen müssten, sei im Umfeld von Kevelaer „vermutlich die 10-fache Anzahl“ gefallen. Diskutiert worden sei über eine Entscheidung, die noch gar nicht gefallen sei. Passiert sei aber bisher eigentlich noch gar nichts. „Das würden wir nun gerne ändern“, schreibt Matthias David.
„Wir würden gerne grundlos Bäume pflanzen!“
Der NuK werfe „1000 Euro in den Topf und macht den Anfang. Von diesen 1000 Euro kaufen wir Bäume und suchen dafür Stellen, wo wir sie im Stadtgebiet und den umliegenden Dörfern pflanzen dürfen. Wir wissen von vielen Firmen und Organisationen, dass sie auch etwas für die Natur tun wollen und fordern alle auf, diesen Topf zu füllen und mitzumachen. Einfach so, grundlos!“
Zum Hintergrund dieser Aktion schreibt David: „Fast immer haben die großen Naturschutzprojekte, von denen wir in der Vergangenheit gelesen haben einen Ausgleichscharakter. Heißt also: Wenn ich hier eine Fläche überbaue, muss ich einen Ausgleich schaffen (siehe OW1 / Niers bei Te Gesselen). Das Gleiche mit den Bäumen in der Innenstadt. Fällen wir Bäume, kommen neue, als Ausgleich. Wir nennen so etwas gerne „Makulatur-Naturschutz“. Es findet also kein Zuwachs statt. Niemand forstet die Sturmschäden auf ,oder jene Bäume, die entlang der Straßen durch Unfälle geschädigt werden. Um einfach einmal einen Zuwachs zu generieren, wollen wir völlig grundlos Bäume pflanzen.
Wir sollten sie Zukunftsbäume nennen, weil sie nicht für uns gedacht sind, sondern für unserer Kinder und Enkel. Hätten unsere Vorfahren nicht so gedacht, sähe es heute vielerorts trostlos aus.“
Der NuK fragt: Wer macht mit? Welche Firma oder welcher Verein oder welche Organisation stockt unsere 1000 Euro auf? Bitte mit dem NuK Kontakt aufnehmen: info@nuk-achterhoek.de. Wir übernehmen gerne die Koordination der Aktion.“

Marienstatue im Achterhoek

Das war auch für den ehemaligen Wallfahrtsrektor und jetzigen Weihbischof Rolf Lohmann ein nicht alltägliches und zugleich bewegendes Glaubenszeugnis. „Das ist Gnade und ein Geschenk zugleich“, betonte der Weihbischof bei der Einsegnung einer weit über 100 Jahre alten Marienstatue am Hungerwolfsweg im Achterhoek.

Etwa 40 Gäste wohnten dieser kleinen Feierstunde an der Hofeinfahrt der Familie Baaken bei. Denn hier erhielt die von einem Holzschnitzer aus Wetten stammende Marienfigur am vergangenen Freitag einen besonderen Ehrenplatz. „Dieses Versprechen mussten wir zwei Menschen geben“, erklärte Johannes Baaken zur Begrüßung an der eigens für die Marienfigur errichteten Gedenkmauer.

Mit der Bitte, einen geeigneten und besonderen Platz zu finden, an dem sich zudem auch noch weitere Menschen erfreuen können, überreichte Tierarzt Dr. Bernhard Brüning noch vor seinem Tod im Jahr 2012 diese Figur an Familie Baaken. Bis dahin pflegte Petra Baaken den Kevelaerer Tierarzt. Das Geschenk stellte zudem ein Zeichen der Dankbarkeit und der Verbundenheit dar. „Damit war für uns klar, die Figur nicht bei Bares für Rares zu verscherbeln“, scherzte Johannes Baaken.

„An Maria glauben, hilft…“

Das wäre auch ganz und gar nicht im Sinne seines Vaters, Franz Baaken, gewesen, der am 2. Januar dieses Jahres plötzlich verstarb. Denn auch für ihn war der Platz am Hungerwolfsweg ein geeigneter wie auch idealer Standort für die Marienstatue. Für Familie Baaken aber bedeutet diese Marienfigur weitaus mehr. Mit dem Aufstellen der Statue bezeugt die Familie auch ihren fest verankerten Glauben.

Mit bewegenden Worten berichtete Baaken vom persönlichen Schicksal seiner Tochter. Tägliche Gebete zur Mutter Gottes, verbunden mit dem Anzünden einer Kerze am Gnadenbild, gaben der Familie Hoffnung und Kraft.

Diese ergreifende Szene entging auch einer weiteren Beterin am Kapellenplatz nicht. Auf Nachfrage gab sie Johannes Baaken folgende Worte mit auf den Weg: „An Maria glauben, hilft, und wenn alle an einem Strang ziehen, erst recht!“ Annika Baaken, die während der Einsegnung ein eigenes Glaubenszeugnis in Form eines Gedichtes abgab, wurde wieder gesund.

Diese offenen Worte des Glaubens beeindruckten nicht nur Weihbischof Rolf Lohmann, der zuvor eine Messe in der St. Josef Kapelle zelebrierte. Dabei appellierte er in seiner Predigt, sich klar zu seiner Meinung zu bekennen. „Ein Ja ist ein Ja, ein Nein ist ein Nein“, so die Worte des Bischofs und er warnte davor, gefährlichen Tendenzen hinterherzulaufen. Schließlich habe Jesus keine „soften“ Botschaften mit auf dem Weg gegeben, vielmehr: „haben Jesu Worte schon im Gebälk geknirscht“, so der Bischof, der nach dem Gottesdienst zur Einsegnung in Gottes Natur einlud. Denn: „Schöpfer und Schöpfung gehören zusammen“, so der Weihbischof.

Während der Einsegnung lobte Rolf Lohmann besonders die Gemeinschaft und den Zusammenhalt im Dorf: „Das sind Zeichen des Glaubens, die wir brauchen, sie sind so wichtig“, betonte der Weihbischof, „ein Dank an das Engagement, das hier gelebt wird“, führte er weiter aus.

In seiner Funktion als Wallfahrtsrektor habe er es leider nicht geschafft, einen Gottesdienst in der St. Josef Kapelle zu halten: „Jetzt als Bischof ist es mir eine Ehre, schließlich gehört Achterhoek zu meiner Region“, verriet er beim anschließenden gemütlichen Beisammensein, bei dem auch Pastor Manfred Babel, Winnekendonks Ortsvorsteher Hansgerd Kronenberg sowie Freunde und Weggefährten der Familie zugegen waren. Ein „Ja“ zu Maria im Achterhoek, das wurde am vergangenen Wochenende ganz deutlich.

NuK fordert mehr Klimaschutz

Der zweite Klimaschutzvortrag mit Dr. Nina Jordan, seit Februar Klimaschutzmanagerin der Stadt Kevelaer, sorgte für reichlich Gesprächsstoff und hinterließ viele offene Fragen. Eins wurde an diesem Abend auf Gut Neuenhof in Twisteden, zu dem Mitglieder des NuK Vereins (Natur und Kultur im Achterhoek e.V.) eingeladen waren, allerdings ganz deutlich: Klimaschutz kann nicht ohne Umweltschutz gelingen.
Schon kurz nach Beginn des Vortrages, der Schritte zur Müllvermeidung, Einkaufsverhalten, Energieeinsparung, Urlaubsplanung und Vermeidung von CO2- Ausstoß aufzeigte, machten die Mitglieder des NuK deutlich, dass ihnen diese Maßnahmen hinlänglich bekannt seien. Ziemlich schnell formulierten die Naturschützer aus Achterhoek, dass sie von einer beauftragten Klimaschutzmanagerin mehr erwarten, ja, sogar fordern.
Die Anwesenden des Klimaschutzinformationsabends beschäftigen sich zum Teil beruflich, wie auch privat, schon seit Jahrzehnten mit dem Thema Umweltschutz, wissen also genau, wovon sie reden. Die etwa 15 Teilnehmer verkündeten ganz deutlich: „Es ist keineswegs mehr fünf „vor“ zwölf, sondern bereits fünf „nach“ zwölf!“ Von der Klimaschutzmanagerin erhofften sie sich spürbare Zeichen in Sachen Umweltschutz. Die Zeit des Redens müsse endlich vorbei sein. Zwar machte Dr. Nina Jordan in ihrem Vortrag deutlich, wie jeder einzelne – mit dem Fahrrad statt mit dem Auto fahren, keine Erdbeeren im Winter essen, im Biomarkt statt im Supermarkt einkaufen – zum Klimaschutz beitragen kann. Diese Vorschläge jedoch, wie auch eine halbtägliche Wochen-Arbeitszeit von Frau Dr. Jordan für den Umwelt- und Naturschutz, reichte den Mitgliedern des Nuk-Vereins nicht aus.
Was nützen Elektroautos?
„Was nützen uns Elektroautos, wenn um uns herum Bienen und Insekten sterben?“, so die warnenden Worte aus den Zuschauerreihen. Jetzt sei die Zeit, um nachhaltige Projekte zu starten und auch zu fördern. „Der Slogan „Rettet die Bienen“ ist im Moment zwar hochaktuell, wir aber haben Bedenken, dass dieser genauso schnell wieder einschläft“, so die Sorge der Umweltengagierten.
Dass es aber bei Weitem nicht nur um Bienen-und Insektensterben geht, was zwangsläufig zu weiterem Artensterben führt und damit dramatische Auswirkungen für uns Menschen und die Umwelt zur Folge hat, wurde im Laufe des Abends immer deutlicher. So sei für jeden gefällten Baum zwar eine Ausgleichspflanzung vorgesehen, doch die reiche bei Weitem nicht mehr aus. „Es muss dringend, um den nachfolgenden Generationen, sprich Kindern und Enkelkindern eine Lebensqualität zu bieten, ein Zugewinn angepflanzt werden“, so der dringende Apell der Anwesenden.
Des Weiteren machten die Besucher des Klimavortrages auf den katastrophalen Umgang mit der Landwirtschaft aufmerksam. Bankette und Randstreifen würden von vielen Landwirten nicht beachtet, sondern mitgenutzt. Von einer regelrechten Vergewaltigung war sogar die Rede. Doch gerade die Erhaltung dieser wertvollen, meist zusammenhängenden Flächen sei wichtig, um ein Überleben von Pflanzen und Tieren zu sichern. Ein jahrelanger Versuch, auf die Landwirte einzuwirken, sei leider ohne Erfolg geblieben. Zwar könne man den Landwirten nicht vorschreiben, wie sie ihr Land zu bewirtschaften haben, dennoch: „Niemand darf sich an der Natur vergehen“, so die Anwesenden, die sich hier Unterstützung der Klimamanagerin erhoffen.
Diese wolle versuchen, sich darum zu kümmern. Die Zeit des Kuschelkurses in Sachen Umweltschutz scheint, zumindest für die Mitglieder des NuK, die sich zudem um den wertvollen Baumbestand auf dem Kapellenplatz sorgen, vorbei zu sein.
Zwar wollte Dr. Nina Jordan an diesem Abend keine falschen Hoffnungen wecken und auch nichts versprechen. Aber: „Ich möchte die Menschen mitnehmen auf die Reise zum Klimaschutz und versuchen, diesen mit dem Umweltschutz zu verbinden“, so die Klimamanagerin. Eines dürfte an diesem Abend aber ganz deutlich geworden sein: Klimaschutz kann nur mit Umwelt- und Naturschutz gelingen. Einen Beitrag dazu kann jeder einzelne Mitbürger unserer Stadt leisten, indem er statt Schotter und Betonwüste Blumen und Pflanzen leben lässt und damit der Natur und dem Klima eine Chance gibt.