Bürgermeister darf nun ausmisten

Nach und nach kamen die Möhnen zur Eroberung der Rathausschlüssels aus allen Himmesrichtungen zusammen. Diesmal aber nicht vor dem Amtssitz des Bürgermeisters am Peter-Plümpe-Platz, sondern aufgrund der stetig wachsenden Möhnenschar vor den Stufen des Bühnenhauses.

Unter den Damen befand sich mit Erika Kammann auch die Frau des früheren Festkettenträgers und VfR-Präsidenten. „Ich kann nicht anders“, stimmte sie fröhlich mit ein, als die Möhnen in das Bühnenhaus zogen.

Auch Magda Umkrieg hatte ihren Spaß. Ihr 92. Geburtstag stand unmittelbar bevor. „Ich bin jedes Jahr mit dabei“, funkelten die Augen der wohl ältesten aktiven Närrin an diesem Tag im Bühnenhaus.

Die Kostüme der Ladys zeigten das ganze Ausmaß Kevelaerscher Jeckenkreativität, vom knallgelben „Sesamstraßen“-Bibo mit entsprechendem Federkleid bis zum Badewannenschaum mit Quietscheentchen.

„Wir sind uns der Verantwortung bewusst und werden sie in den nächsten sechs Tagen angemessen ausfüllen“, kündigte VfR-Präsidentin Elke Tebartz schon vor dem Einmarsch an, was die Übernahme der „jecken“ Macht in den nächsten Tagen betrifft.

Im Bühnenhausfoyer empfingen die Närinnen mit dem Vorständen von VfR und KCK dann Tebartz und Dominik Pichler, die quasi „im Schlepptau“ der „Swingenden Doppelzentner“ einzogen.

Vor dem eigentlichen Akt der Schlüsselübergabe wurde dem erste Bürger der Stadt erstmal seine Krawatte gestutzt. Das neue Kinderprinzenpaar Louis I. und Nele I. präsentierten sich mit einer launigen Rede dem närrischen Frauenvolk. Danach gab es von ihnen  einen Orden für Pichler.

Der Richard Gere des Karnevals

„Ihr wollte mich damit wohl bestechen“, wollte der erste Bürger der Stadt seine Macht trotzdem noch nicht sofort abgeben.

Erstmal leitete er mit dem Geburtsdatum 31. August elegant zu der Person über, die in diesem Jahr als Schlüsselträger auserkoren worden war: Mit Verweis auf den Geburtstag von Richard Gere und der Chart-Nummer 1 vom 31. August 1979 „You´re the one that I want“ von John Travolta und Olivia Newton-John.

Klarer schälte sich die Person heraus, als es um 135 Kühe im Stall („Er kennt den Umgang mit Damen“) und der Rolle als früherer stellvertretender Zugleiter und KCK-Vizepräsident ging. Und so übernahm „der Richard Gere und John Travolta des Kevelaerer Karnevals“ (Pichler), Jürgen Gleumes, den großen Schlüssel der Stadt.

Gleumes nutzte sofort sein neues „Amt“ und versprach: „Wer sich bei mir wegen was melden will, das kriegen wir hin – auch Steuersenkungen.“ Er trage „den Schlüssel auch ein Stück für den KCK.“

Ein neuer Job für Pichler

Und Gleumes überraschte den „abgelösten“ Bürgermeister mit einer hölzernen Mistgabe-Attrappe. „Die Tiere müssen ständig versorgt werden, da kommen Sie ins Spiel“, musste er Pichler, der die Gerätschaft anders benutzte, sogleich ermahnen: „Das ist keine Gitarre.“ Anschließend gab er dem „Übergangs-Landwirt“ noch große Plastikhandschule und andere Utensilien für seinen neuen Arbeitsbereich.

Bürgermeister Pichler hat jetzt Zeit zum Ausmisten.

Danach stand die Party im Mittelpunkt. Maria Voß sorgte mit karnevalistischem Liedgut und dem Motto „Brave Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin“ für Polonäse-Stimmung.

„Attacke“ Karin Raimondi durfte ihre Freude bekunden, nach ihrer gesundheitsbedingten Abwesenheit wieder im Karneval dabei zu sein: „Danke an alle, die für mich eine Kerze angezündet haben.

Danach blies in ihre Trompete, stimmte mit dem Schlüsselträger das „Himmellied“ an. Und das Lied „Feiern wir ein Fest, solang der liebe Gott uns lässt“ stand sinnbildlich für ihre närrische Lebenslust – und die der mitfeiernden Narrenschar.

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