Kevelaer will den Bahnhof und sein direktes Umfeld grundlegend neu denken. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung wurde deutlich: Die Stadt plant, den Bereich rund um den Bahnhof nicht mehr nur in kleinen Schritten zu verändern, sondern als zentrale Mobilitätsdrehscheibe für Bus, Bahn, Rad, Fuß und Auto weiterzuentwickeln. Der Ausschuss folgte mehrheitlich dem Vorschlag der Verwaltung, dafür eine Machbarkeitsstudie auf den Weg zu bringen.
Gesamtkonzept statt Stückwerk
Ausgangspunkt ist ein Antrag der CDU-Fraktion, der ein Gesamtkonzept für das Bahnhofsumfeld fordert. Ziel ist es, „Kleinteiligkeit“ und isolierte Einzelmaßnahmen zu vermeiden und stattdessen eine übergreifende Planung für das gesamte Areal zu erstellen. Die Verwaltung unterstützte diese Grundrichtung, plädierte aber dafür, zunächst eine Machbarkeitsstudie zu beauftragen. Diese soll neben dem eigentlichen Bahnhof auch die Bereiche westlich und östlich der Schienen sowie die Anbindungen bis zum Europaplatz in den Blick nehmen.
Dass Kevelaer den Bahnhof als zentrale Schaltstelle versteht, ist bereits in städtischen Veröffentlichungen verankert. Das Areal wird offiziell als Mobilitätsdrehscheibe beschrieben, an der Bürgerbusse, Linienbusse, der Schienenverkehr, Taxistände, Carsharing, Park-and-Ride-Flächen, Fahrradverkehr und Fußwege zusammenlaufen.
Pilgerbusse als zentrale Frage
Besonders umstritten blieb im Ausschuss die künftige Organisation des Pilgerbusverkehrs. Mehrere Wortbeiträge machten deutlich, dass die bisherige Konzentration an verschiedenen Standorten nicht zur Ruhe geführt hat und eine dauerhafte Lösung gesucht wird. Zugleich wurde darauf hingewiesen, dass der frühere Peter-Plümpe-Platz wegen der Zweckbindung aus der Städtebauförderung kaum noch als Standort in Betracht komme.
Die Verwaltung betonte, dass eine belastbare Planung ohne Machbarkeitsstudie kaum möglich sei. In den Beratungen wurde außerdem deutlich, dass die Zahl der Pilgerbusse stark schwankt und keine offizielle Statistik geführt wird. Laut Niederschrift können an einzelnen Tagen zwischen null und einer zweistelligen Zahl an Bussen ankommen.
Finanzierung und Zeitplan
Ein weiterer Schwerpunkt der Debatte war die Finanzierung. Für die Machbarkeitsstudie sind in den Haushaltsmittelmeldungen für 2027 bereits 50.000 Euro vorgesehen. Zugleich wurde mehrfach betont, dass eine spätere Umsetzung ohne Fördermittel von Land oder Bund kaum stemmbar wäre. Vor dem Hintergrund bereits beschlossener Maßnahmen im Mobilitätsbereich meldeten einige Fraktionen Zweifel an, ob Kevelaer wirklich ein neues Gutachten brauche oder zunächst vorhandene Konzepte konsequenter umsetzen solle. Die Verwaltung hielt dagegen, dass gerade die komplexe Situation am Bahnhof einen übergeordneten Blick erfordere und die Studie die Grundlage für weitere politische Entscheidungen und spätere Förderanträge bilden könne.
Was am Bahnhof schon passiert
Dass am Bahnhof bereits einiges angestoßen wurde, zeigt der Blick auf die jüngsten Maßnahmen: Die Radstation wird modernisiert, die Bike-and-Ride-Anlage deutlich erweitert und mit digitalen Radboxen ergänzt. Anfang August 2026 wurde bekannt, dass die Radstation Kevelaer nun Teil des Systems DeinRadschloss ist. Für Pendler und Alltagsnutzer bedeutet das mehr sichere Abstellplätze und eine einfachere, digital gesteuerte Nutzung.
Nächster Schritt
Am Ende sprach sich der Ausschuss mehrheitlich dafür aus, die Machbarkeitsstudie als Auftakt einer schrittweisen städtebaulichen und verkehrlichen Entwicklung zu vergeben. Sie soll den Bahnhof, die umliegenden Verkehrsflächen und alle wichtigen Verkehrsträger zusammen denken und damit den Rahmen für die nächsten politischen Entscheidungen setzen.
Schnelle Fakten
Entwicklung des Bahnhofsumfelds zur Mobilitätsdrehscheibe
- Beschlusslage: Mehrheitlich für eine Machbarkeitsstudie
- Umfang: Bahnhof, Straßen und Flächen westlich und östlich der Schienen bis zum Europaplatz
- Kostenansatz: 50.000 Euro für 2027 in der Haushaltsplanung
- Hintergrund: Bereits laufende Maßnahmen bei Radstation, Bike-and-Ride und Radboxen



Bischöfliche Pressestelle/Anke Gellert-Helpenstein