Der Kreis Kleve hat erstmals eine Delegation aus seiner ukrainischen Partnerregion, dem Rajon („Kreis“) Podilsk, empfangen. Sofiia Khodiuk, Abgeordnete des Bezirksrats Podilsk, Serhii Palamarchuk, Vorsitzender der Gemeinde Kuialnyk, Ilona Kamenshchyk, Leiterin der Abteilung Jugend und Sport der Gemeinde Kuialnyk, sowie Olena Sukhotska, Leiterin der Abteilung für Wohnungswesen und Kommunalwirtschaft der Gemeinde Kuialnyk, besuchten den Niederrhein vom 16. bis zum 22. November 2025. Ziel des Austausches war es, den deutschen Partnerkreis kennenzulernen und insbesondere Kontakte zu Wirtschaft und Verwaltung zu knüpfen.

Solidaritätspartnerschaft als Ausdruck der Verbundenheit

Zum Jahresbeginn hat der Kreis Kleve mit einem Beschluss des Kreistags die Solidaritätspartnerschaft mit dem ukrainischen Rajon im Bezirk Odessa geschlossen. „Diese Partnerschaft ist ein Ausdruck unserer Verbundenheit, unseres Respekts und unserer Unterstützung in einer Zeit, in der Frieden in Europa keine Selbstverständlichkeit mehr ist“, betonte Landrat Christoph Gerwers im Rahmen des Festakts „50 Jahre Kreis Kleve“, bei dem die ukrainische Delegation zu Gast war. Möglich gemacht hat den Austausch unter anderem auch die finanzielle Förderung durch die „Servicestelle Kommunen in der Einen Welt“ aus Bonn, die im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Partnerschaften zwischen ukrainischen und deutschen Kommunen begleitet.

Sofiia Khodiuk nutzte den Rahmen im Berufskolleg Kleve des Kreises Kleve, um die Woche Revue passieren zu lassen, ihre Heimat vorzustellen und den Anwesenden einen Einblick in das Leben in der Ukraine zu gewähren. „Der Bezirk Podilsk mit seinen 220.000 Menschen ist multinational und kulturell vielfältig. Die Freiwilligenarbeit und der Zusammenhalt der Menschen sind zu unserer wahren Stärke geworden, insbesondere in Kriegszeiten. […] Wenn ich jetzt in diesem festlichen Saal stehe, muss ich unweigerlich daran denken, dass in meiner Heimat Ukraine Krieg herrscht. Unsere Soldaten verteidigen jeden Tag mit unglaublichen Anstrengungen die Freiheit und Unabhängigkeit der Ukraine.“ In einer Schweigeminute gedachten die Anwesenden den Gefallenen und den Kriegsopfern.

Bei der Woche im Kreis Kleve sei ihr und den Gästen aus der Ukraine viel Mitgefühl entgegengebracht worden. „Wir fühlten uns nicht nur wie eine offizielle Delegation, sondern auch wie lang erwartete Freunde.“ Daneben brachten die Unternehmensbesuche mit der Wirtschaftsförderung Kreis Kleve bei den Stadtwerken Emmerich a.R., der Firma Omexom in Uedem, der Hochschule Rhein-Waal, der Stadtverwaltung Rees sowie der Fachtagung „Gartenbau am Niederrhein“ in Geldern wertvolle Erkenntnisse und einen gewinnbringenden Austausch. „Die Fachleute und Leiter der Einrichtungen bei den Unternehmensbesuchen erzählten uns nicht nur von ihren Erfolgen, sondern auch davon, wie sie angefangen und welche Herausforderungen sie überwunden haben. Sie gaben uns Ratschläge, die uns auf unserem Weg der Reformierung helfen werden. In jedem Gespräch spürten wir echtes Interesse an der Ukraine, Mitgefühl für unsere Probleme und den Wunsch, uns zu unterstützen. Das ist für uns sehr wertvoll.“

Landrat Christoph Gerwers freute sich über die Aufgeschlossenheit auf beiden Seiten: „Mich hat beeindruckt, mit welchem Interesse und welcher Offenheit unsere Gäste die wirtschaftliche Stärke und die Innovationskraft unserer Region wahrgenommen haben. Diese Begegnungen haben gezeigt, dass Solidarität nicht nur auf Papier besteht, sondern in echten Kontakten, einem fachlichen Austausch und gegenseitigem Lernen lebendig wird.“

Zum Abschied überreichte die ukrainische Delegation dem Landrat ein Gemälde aus der Heimat, eine Einladung, nach Kriegsende den Rajon zu besuchen und den Wunsch, den Kontakt fortzuführen.

Und auch Landrat Gewers ist sich sicher, dass der Austausch nicht mit der Abreise der ukrainischen Gäste enden wird: „Ich bin überzeugt: Diese Partnerschaft wird weiterwachsen – und sie wird beiden Seiten guttun. Denn sie beruht auf Werten, die uns verbinden: Menschlichkeit, Vertrauen und das feste Bekenntnis zu Frieden und Freiheit.“