Friederike ließ den Erzengel kopfstehen

Kevelaer. Sturmtief „Friederike“ hat auch in Kevelaer für Chaos gesorgt. Viel zu tun gab es am Donnerstag für die Wehrleute der freiwilligen Feuerwehr der Stadt Kevelaer. Aufgrund der Wetterbedingungen stand sogar der Erzengel Michael, welcher auf der Kerzenkapelle montiert ist, kopf.

90 freiwillige Helferinnen und Helfer arbeiteten über 80 Einsätze in sechs Stunden in und um Kevelaer ab. Eine Vielzahl an umgestürzten Bäumen, abgedeckte Dächer, ausgelöste
Brandmeldeanlagen und ein schwerer Verkehrsunfall hielten die Feuerwehrleute aus
Kevelaer und seinen vier Ortsteilen im Dauereinsatz.

Vielerorts erfuhren die Wehrleute Anerkennung und Wertschätzung für ihre Dienste, es gab
jedoch auch einen Fall, in dem Feuerwehrleute während Absperrmaßnahmen beleidigt und
angefeindet wurden. An der Bury St. Edmunds-Straße drohte laut Polizei die Dachverkleidung eines Discounters auf einen Parkplatz zu stürzen. Als die freiwillige Feuerwehr das Dach sicherte, wurde sie von einem unbekannten Mann beleidigt. Der Mann konnte aufgrund des laufenden Feuerwehreinsatzes nicht auf seinem „Stammplatz“ parken. Als die Polizei eintraf, war der Mann bereits weggefahren. Die Beamten leiteten ein Strafverfahren gegen den Unbekannten ein. „Verbale oder körperliche Angriffe gegen Rettungskräfte werden in der Wallfahrtsstadt nicht geduldet und konsequent zur Anzeige gebracht“, heißt es dazu von der Seite der Feuerwehr.

In Kervenheim an der Straße Et Grotendonk überschlug sich ein Skoda Fabia, nachdem er von der Fahrbahn abkam und gegen einen Baum fuhr. Die 47-jährige Fahrerin aus Uedem musste durch die Feuerwehr befreit werden. Sie verletzte sich schwer und wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Im Kreis Kleve verzeichnete die Polizei rund 170 witterungsbedingte Einsätze. Dabei erhielt die Leitstelle der Polizei etwa 130 Anrufe, in denen Gefahrenstellen durch umgestürzte Bäume und Strommasten gemeldet wurden.

Nach dem Unwetter sind im Großteil des Regionalforstamtes Niederrhein die Wege in vielen Waldflächen unpassierbar geworden. Entlang der Wege sind zahlreiche Gefahrenbäume an denen noch abgerissene dicke Äste hängen, die jederzeit herabfallen können. Das Regionalforstamt Niederrhein warnt die Bevölkerung davor, die betroffenen Waldflächen in den nächsten Tagen zu betreten. Auf keinen Fall sollten diejenigen Wege begangen werden, über die noch geworfene Bäume oder Äste liegen. Dort herrscht höchste Lebensgefahr. Die Erholungssuchenden werden um Verständnis gebeten, dass die Aufräumarbeiten andauern werden.

Doch nicht nur die Behörden haben zu tun: In Kevelaer traf „Friederike“ den Abholtag des Dualen Systems. Gelbe Säcke rissen auf, Tonnen stürzten um – und danach lagen die Straßen und Gehwege voll Müll. „Die Anwohner haben eine Straßenreinigungspflicht“, stellt Klaus Verheyen von der Stadtverwaltung fest. Mit anderen Worten: Jeder kehre vor seiner Haustür. Denn der „Eigentümer“ des Plastikmülls sei zum einen kaum auszumachen und zum anderen liege kein schuldhaftes Verhalten vor. Auch die Firma Schönmackers, die vom Dualen System mit der Abholung in Kevelaer beauftragt ist, sei nicht in der Verantwortung. „Die sind schon den Säcken hinterher gelaufen“, weiß Heynen.

Die Stadt Kevelaer greift dort ein, wo ordnungsrechtliche Probleme entstanden sind. „Erbsendosen auf der Straße gehören nicht dazu“, veranschaulicht Heynen. Die nämlich hat auch er am Donnerstag schon vor der eigenen Haustür selbst einsammeln müssen.