Mittwoch, 22. Februar 2017

Abenteuer Alltag

KB-Reporterin Christel Hundertmarck erzählt von alltäglichen Begebenheiten aus ihrem Leben in Kevelaer.

Lesen Sie hier ihre jüngsten Kolumnen.

Christel Hundertmarck

„Schatz, was ist passiert?“ Sich schüttelnd war er vom Frühstückstisch aufgesprungen und gurgelnd zur Toilette gestürmt. Ich hatte null Ahnung, was da vor sich ging. Gerade noch hatte er friedlich Zeitung lesend dagesessen. Als er seinen Tee in den Ausguss kippte, konnte ich mir schon denken, worum es ging. Und so war es auch. Der Tee war schlicht und ergreifend versalzen.

Beim Nachfüllen des Zuckertöpfchens hatte er sich den falschen Behälter geschnappt. Dabei ist der doch beschriftet, dachte ich mir. Aber Schatz hatte mal wieder nicht darüber nachgedacht, dass es auch dabei nicht schlecht gewesen wäre, hätte er seine Brille auf der Nase gehabt.

Es ist schon ein Elend. Schatz besitzt mittlerweile drei unterschiedliche Augengläser. Eine Brille zum Autofahren, eine Brille für Computerarbeiten und eine Lesebrille. Was ihm eindeutig fehlt, ist anscheinend die Haushaltsbrille. Theoretisch könnte er für Hausarbeiten, bei denen man genauer hinschauen muss, die Autobrille nehmen. Aber was nutzt diese ihm, wenn sie im Auto liegt und ich mit dem Auto unterwegs bin.

Die Lesebrille ist nicht unbedingt so geeignet, da er da seinen Nacken verrenken müsste. Das hätte zur Folge, dass er dann kaum noch etwas geschafft kriegen würde. Denn wie soll man mit einem heißen Körnerkissen im Nacken waschen und putzen? Da gibt es dann noch die Computerbrille, die ist allerdings meistens irgendwie unauffindbar.

Vielleicht bleibt uns da nur, alle Sachen immer an ein und derselben Stelle zu platzieren, um sie auch blind wiederzufinden. Aber dazu sind wir nicht diszipliniert genug. Und Schatzens kleine Missgeschicke sorgen auch dafür, dass mir der Stoff für meine Kolumne nie ausgeht.

„Schatz, der Lobgesang ist fast fertig!“ Erwartungsvoll schaut er mich an, so als könne er es kaum glauben. Letztens hatte er sich beklagt, dass ich immer nur Dinge über ihn preisgebe, in denen er nicht wirklich gut wegkommt. Ich solle doch mal das Hohelied auf ihn anstimmen, meinte er.

Irgendwie hat er ja Recht. Ständig schreibe ich über seine kleinen und großen Missgeschicke oder seine kleinen und großen Unzulänglichkeiten. Und ehrlich gesagt, fand ich das bis jetzt auch immer viel unterhaltsamer. Aber ich will meinen Schatz ja bei Laune halten, deshalb beschreibe ich nun einige positive Seiten. Auch wenn das für meine Leser ein wenig langweilig werden sollte, ich muss es einfach tun!

Schatz sorgt für einen guten Start in den Tag. Egal wann ich arbeiten muss, er macht morgens das Frühstück, steht sogar um 5 Uhr mit mir auf. Ich stolpere direkt vom Bad an den gedeckten Frühstückstisch. Danach darf ich alles stehen und liegen lassen, um mich von ihm nach draußen geleiten zu lassen. Im Winter kratzt er auch noch das Auto frei. Toll! Damit löse ich regelmäßig neidische Blicke bei meinen Kollegen aus.

Kochen kann er auch, laut Aussage unserer Kinder besser als ich. Nach jahrelanger Hausmanntätigkeit hat er da reichlich Übung. Zu meiner Verteidigung muss ich aber sagen, dass seine Speisen meist nicht so gesund sind und dass er nicht backen kann. Ups, ich wollte doch nur Positives verkünden, aber es ist nun einmal die Wahrheit.

Dafür ist er sehr talentiert, was das Färben meiner Haare anbelangt. Da zahlt sich seine leichte Zwängigkeit aus. Kein Strähnchen bleibt grau. Es dauert nur immer eine halbe Ewigkeit bis meine Haarpracht durchgefärbt ist, aber wer schön sein will muss leiden.

Ich kann wirklich ganz zufrieden sein mit meinem Schatz, sonst hätte ich es auch nicht schon mehr als 30 Jahre ausgehalten.

Ich stehe vor dem Spiegel und betrachte ausgiebig mein Gesicht. „Schatz, meinst du, es ist gefährlich, wenn man Testosteron einatmet?“

Mein heutiger Besuch im Fitnessstudio hatte ganz harmlos angefangen, ich trainierte fleißig vor mich hin und fühlte mich ganz gut dabei. Das ging solange, bis ich den Bereich betrat, wo zwei junge Männer versuchten ihre Muskeln zu stählen. Der Duft, den sie verströmten, war wirklich umwerfend. So umwerfend, dass ich das Würgen kaum noch verhindern konnte.

Dabei sahen die Jungs gar nicht so aus, als hätten sie sich drei Tage nicht mehr gewaschen. Die Haare waren nämlich formvollendet gestylt. Aber das muss ja nicht unbedingt etwas heißen. Es soll Zeiten gegeben haben, da hat man statt auf Reinigung des Körpers auf Parfümisierung gesetzt. Aber ich dachte, diese Zeiten seien längst vorbei.

Als ich mir die Knaben näher betrachtete, wurde mir klar, warum ihre abgesonderten Duftstoffe so extrem waren. Sie befanden sich anscheinend gerade in einem Zwischenstadium vom Kind zum Mann. Es musste sich wohl um einen drastischen Testosteron-Schub handeln, aber musste das so stinken? In der Tierwelt mag das ja noch einen Sinn haben, aber ein Menschenweibchen würde auf diese Duftstoffe eher nicht mit Entzücken reagieren.

Ich überlegte kurzzeitig, ob ich den beiden mein Duschgel anbieten sollte, ließ es dann aber doch sein. Wahrscheinlich hätten sie einen roten Kopf bekommen.

So langsam wurde mir angst und bange. Könnte diese Testosteron geschwängerte Raumluft negative Auswirkungen auf mich haben, wenn ich sie einatmete? Ich stellte mir vor, wie mir Haare auf Brust und Oberlippe wachsen und der Kehlkopf anschwillt. Eine solche Veränderung würde bei Schatz sicherlich keine Begeisterungsstürme auslösen.

Wie gut, dass Schatz diese dufte Zeit schon lange hinter sich gelassen hat.

„Schatz, ich habe so kalte Füße!“ Ich habe diesen magischen Satz kaum ausgesprochen, da sehe ich Schatz schon zucken. Das liegt wohl an der negativen Erfahrung, die er im Laufe der Jahre gemacht hat. So ganz unbewusst finden meine abgekühlten Extremitäten den Weg zu Schatzens warmem Körper. Da Schatz aber ziemlich kälteempfindlich ist, mag er das irgendwie so gar nicht. Er nennt meine zarten Füßchen „Eisblöcke“.

Manchmal gehe ich einfach mit dicken Socken ins Bett, und manchmal hilft es tatsächlich. Es scheint ein, besonders unter Frauen, weit verbreitetes Leiden zu sein; auch meine Mutter war davon betroffen. Sie trug im Bett sogenannte Bettschuhe. Ich erinnere mich noch genau an gehäkelte Exemplare in rosa und hellblau. Schön waren die in meinen Augen nun wirklich nicht, aber sie verschwanden ja recht schnell unter der Bettdecke.

Leider leide ich nicht nur an kalten Füßen, mit den Händen habe ich das gleiche Problem. Und auch das hat bei Schatz schon einige Zuckungen ausgelöst. Aber ich kann ja schließlich nicht den ganzen Tag mit Handschuhen herumlaufen. Das würde mich in meiner Arbeit deutlich behindern. Deshalb bin ich auch absolut kein Wintertyp, ich brauche schon deutlich über 20 Grad, um meine Extremitäten auf Temperatur zu bringen.

Zwei Wochen Winter würden mir durchaus reichen und manchmal kommen mir Gedanken, vielleicht auszuwandern in wärmere Gefilde. Aufgrund meiner Liebe zu Kevelaer fällt das jedoch aus, und mir bleibt nur, auf den Klimawandel zu hoffen – auch wenn ich das mit meinem Umweltbewusstsein nicht vereinbaren kann.

Aber es gibt Momente, da ist man sich selbst die Nächste.

„Schatz, ich habe Kaffee gekocht, bring doch mal die Plätzchen mit!“ In Null komma nix steht die Keksdose auf dem Tisch und ich greife beherzt zu.

Meine Begeisterung lässt relativ rasch nach, als ich mir den Keks betrachte – Lebkuchen. Der Blick in die Dose zeigt mir nicht viel Erfreulicheres, irgendwie sind es lauter Altlasten. Spekulatius, Dominosteine, Pfeffernüsse lachen mir entgegen, so richtig Lust habe ich nicht mehr auf das weihnachtliche Gebäck. Aber es muss ja weg, Lebensmittel einfach so wegschmeißen geht gar nicht. Das hat man mir schon im frühen Kindesalter beigebracht.

Ich nehme einen Schluck Kaffee und beiße zu. Oh je, das hätte schwer daneben gehen können, das was mal ein saftiger Lebkuchen war, weist nun die Konsistenz eines Backsteins auf. Mit der Zunge fahre ich meine Kauleiste entlang und kontrolliere, ob ich mir da nicht etwa einen Zahn demoliert habe. Gut gegangen! Nun stelle ich mir die wichtige Frage: Ab in die Tonne oder zoppen? Aber auch durch Eintauchen in das Heißgetränk würde sich das Teil wohl nicht erweichen lassen, denke ich mir und lege den Lebkuchen beiseite.

Dann tue ich, was man eigentlich auch nicht tun darf – ich krame in der Dose und mache die Fühlprobe. Kurzerhand werden alle Backsteine aussortiert, was den Inhalt um gut die Hälfte reduziert. Den einzigen Dominostein kann ich halbwegs genießen, weich und saftig liegt er im Mund, doch am Spekulatius mümmele ich eine gefühlte halbe Stunde herum. Lustlos schiebe ich das Gebäck in seinem Behältnis von rechts nach links, irgendwie schmeckt mir das weihnachtliche Zeug nicht mehr so gut wie noch im November. Vielleicht erbarmt sich Schatz ja, er bringt es auch nicht übers Herz, Essbares zu entsorgen. Aber dieses Mal lässt er sich genauso wenig erweichen wie der Keks. Da läuft er lieber zum Vorratsschrank und schaut, ob es noch was anderes Süßes gibt. Alles hat seine Zeit!

„Oh Schatz, ich wusste gar nicht, dass du gefährlich bist!“ Ich kenne meinen Schatz nur als ganz friedfertigen und sanftmütigen Menschen, mal abgesehen von den ganz natürlichen Wutausbrüchen, die jeder mal hat. Aber heute stand es im weltweiten Netz: „Tief Axel bedroht Existenzen.“ Schon in den vergangenen Tagen war immer wieder von Axel berichtet worden, der Sturmfluten und Eiseskälte ausgelöst habe.

Diese Meldungen sind ein gefundenes Fressen für mich, denn was macht mir mehr Spaß, als meinen Schatz Axel ein wenig aufzuziehen? „Na, heute wieder besonders stürmisch, Schatz?“ Wie gut, dass seit geraumer Zeit auch Männernamen für Tiefdruckgebiete genommen werden! Früher war ein Tief immer weiblich, was die Gockel der Nation sicherlich klar befürworteten. Schon das Wort „Tief“ ist negativ behaftet und wettertechnisch bringt es meist etwas Schlechtes. Aber in diesem Jahr haben alle Tiefs einen Männernamen, ein Hoch auf die Damen!

Man kann sogar eine Patenschaft für eine Wetterlage übernehmen, für Geld natürlich. 199 Euro sind fällig für ein Tief, für ein Hoch sogar 299 Euro. Dass dieses Tief Schatzens Namen trägt, war Zufall und ganz umsonst – wie herrlich, wieder mal viel Geld gespart. Axel hat in Norddeutschland ordentlich gewütet, aber Schatz hat ein Alibi. Er war die ganze Zeit in unserem beschaulichen Kevelaer, wofür es zahlreiche Zeugen gibt. Hier hat er nicht ganz so viel anrichten können.

Montag, zwischen den Jahren, 9 Uhr.

Ich stehe vor einem riesigen Berg Schmutzwäsche und überlege, ob ich es tun soll oder lieber nicht. Die Stimme meiner Mutter klingt mir in den Ohren: Zwischen den Jahren solle man keine Wäsche waschen, das bedeute für das neue Jahr noch mehr Mühsal und Pech. Aber angesichts der Tatsache, dass mir ein Wäscheberg, der eine ganze Woche vor sich hin muffelt, unangenehm ist, setze ich mich über diesen Aberglauben hinweg.

Würde ich all den mir bekannten abergläubischen Sprüchen eine Bedeutung beimessen, müsste ich den halben Tag im Zickzack laufen, damit mir meine schwarze Katze nicht aus der falschen Richtung über den Weg läuft. Und wenn das Betrachten der Hände wirklich Streit nach sich zöge, müsste ich mir genau überlegen, wann ich mir die Nägel feile. Im Hinblick darauf wäre der Aufenthalt in einem Nagelstudio nicht gerade Frieden bringend.

Ich würde kein Wildschwein essen, um nicht ein Leben lang ein Versager zu bleiben und mir auch nicht die Hände am Tischtuch abwischen aus Angst vor Warzen, die mir sonst wachsen würden. Aber ich esse sowieso kein Wildschwein und benehmen kann ich mich auch (meistens jedenfalls).

Wenn‘s irgendwo juckt, wird‘s spannend. Juckt die Nase, gibt es was Neues, juckt die linke Hand, bekomme ich Geld, ist es die rechte, muss ich welches ausgeben. Und wenn ich dann noch am Morgen eine Spinne entdecke, die Kummer und Sorgen bringen soll – na dann Prost Mahlzeit.

Mancher Aberglaube hat einen psychologischen Effekt. Unser Gehirn stellt schnell Verknüpfungen her. Hatte ich meinen Glücksbringer dabei, als ich bei einer Prüfung sehr gut abgeschnitten habe, werde ich in die nächste Prüfung eventuell ruhiger und entspannter gehen, wenn ich diesen Glücksbringer wieder dabei habe. Aber wehe er ist zu Hause liegen geblieben.

Da ich schon einige Male Salz verstreut habe, ohne dass hinterher ein Unglück geschehen ist, nehme ich das alles nicht so ernst, streichle meine schwarze Katze, auch wenn sie von rechts kommt, und wasche Wäsche, wann´s mir passt. Dabei passe ich natürlich höllisch auf, dass ich bei meiner Hausarbeit keinen Spiegel herunter reiße, ich will ja schließlich nicht sieben Jahre Unglück erleben.

Wie gut, wenn es statt des Aberglaubens ein Glauben ohne Aber gibt.

„Schatz, ich glaube, den nehmen wir!“ Gar nicht so einfach – die Sache mit dem Tannenbaum! Bevor man sich auf den Weg macht, sollte man bestimmte Dinge klar festgelegt haben, sonst wird die Aktion zum Fiasko. Wir haben nun – schon rein altersbedingt – reichlich Erfahrung, was den Kauf des passenden Weihnachtsbaums anbelangt.

Von Vorteil ist, wenn man sich einig ist, ob der Baum groß oder klein sein sollte. Schatz würde sich auch mit einem kleinen Gewächs zufriedengeben, aber für mich muss ein Weihnachtsbaum auf jeden Fall vom Boden bis zur Decke gehen. Dabei sollte die Deckenhöhe des Raumes, in dem die Tanne platziert werden soll, möglichst bekannt sein. Sonst heißt es: Sägen oder die Decke anbohren, was nicht unbedingt empfehlenswert ist.

Weiterhin ist es gut, zu wissen, wo es die prächtigsten Exemplare zum günstigsten Preis gibt. Schon seit vielen Jahren machen wir uns mit einem befreundeten Paar gemeinsam auf die Suche nach dem ultimativen Weihnachtsbaum. Wir haben so diverse Verkaufsstellen durch und so einiges dabei erlebt. Ganz schlecht ist, wenn man relativ spät ist, dann gibt es nur noch kleine, krumme Schrumpeltannen zu Höchstpreisen.

Unsere Freundin ist besonders wählerisch, sie hat eine klare Vorstellung von ihrem Traumbaum und vor dem geistigen Auge immer schon die fertig geschmückte Version. Klar, dass dieser Superbaum nicht so leicht zu finden ist. Da wird die Tanne mehrmals umrundet, gedreht und gewendet, jede Lücke inspiziert und die Spitze genauestens beäugt. Weil das Ganze ein Weilchen dauert, haben wir uns angewöhnt, nicht an warmer Kleidung zu sparen.

Die alljährliche Weihnachtsbaumkaufaktion macht soviel Spaß, dass wir nun schon zu sechst sind. Und wenn jeder sein „Bäumchen“ im Netz hat, gibt es Kaffee, Tee und Kekse. Spätestens dann wird uns allen wieder warm.

Ich wünsche allen ein friedvolles, entspanntes Weihnachtsfest!

„Guck mal Schatz, er passt nicht!“ Da hätte ich noch so drücken oder quetschen können, es war einfach zu eng. Jetzt mögen vielleicht einige denken, ich würde in einer Umkleidekabine stehen und versuchen, meine Röllchen in ein neues Outfit zu packen. Aber weit gefehlt! Was da nicht passte, war Aschenbrödels Schuh. Das Mädel muss wirklich zarte Füßchen gehabt haben. Allerdings war das Exemplar, das ich anprobierte, auch wenig dehnungsfähig, weil aus stabilem Metall und festgeschraubt auf einer Treppenstufe.

Schlotz Moritzburg in der Nähe von Dresden war einer der Schauplätze für die Aufnahmen zum Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ und ich erkannte sofort die Treppe, über die Aschenbrödel gelaufen war und dabei ihren Schuh verloren hatte. Denn, ich gebe es unumwunden zu: Ich bin bekennender Aschenbrödel-Fan. Kein Weihnachten ohne diesen herrlich schnulzig-kitschigen Film – aber auch nur zu Weihnachten. So habe ich immer ein ganzes Jahr Zeit, mich darauf zu freuen.

Schatz hält mich diesbezüglich für bekloppt, aber da steh´ ich drüber. Es hat ja schließlich fast jeder so seine kleinen, persönlichen Traditionen und Vorlieben. Meine beste Freundin Bärbel begeistert sich total für den Film „Drei Männer im Schnee“, und so schauen wir uns diesen alten Schwarz-weiß-Schinken immer zur Adventszeit bei Tee und Gebäck an.

Und wenn dabei das Feuer im Ofen prasselt, denke ich: „Ist das Leben nicht schön?“ Ach ja, diesen rührseligen Weihnachtsfilm schauen Schatz und ich gemeinsam – jedes Jahr.

„Komm Schatz, wir machen Kaffeepause!“ Das einzig Schöne an einem Einkaufsbummel ist für Schatz immer die Zeit, die wir zwischendurch in einem Café verbringen. „To go“ läuft bei uns gar nicht! Während des Gehens heißen Kaffee trinken, führt bei mir eher zu Flecken in der Jacke, als dass es ein Genuss ist. Und Milchkaffee aus Pappbechern schmeckt genauso komisch wie Sekt aus Plastiktassen.

Ich kann auch nicht während des Laufens Nachrichten in mein Handy drücken, geschweige denn beim Radfahren. Dass ich dabei höchst fragliche Buchstabenkombinationen zustande bringen würde, wäre noch die harmlosere Variante. Es wäre auch durchaus möglich, dass ich bei solch einer Aktion über ein Streichholz stolpere und mich auf die Nase lege. Als Kind bin ich mal mit der „Pommes-Tüte to go“ gegen einen Briefkasten gerumst und habe mir eine Beule geholt.

So richtig Multitasking-fähig war ich nämlich noch nie. Zeitunglesen beim Frühstück geht gerade noch so. Als ich noch geraucht habe, meinte ich, ich müsste auch während der Autofahrt den Glimmstängel im Mund haben. Das habe ich aber drangegeben, nachdem mir die Kippe aus der Hand gefallen und unter den Sitz gerollt war. Panisch habe ich die nächste Möglichkeit zum Anhalten gesucht. Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen. Bis in die hinterste Ecke war der glühende Stummel gekullert.

Mal sehen, wie die Entwicklung weitergeht. Vielleicht gibt es irgendwann mal ein „Klo to go“.

„Schatz, guck´ dir das mal an!“ Seit langer Zeit träume ich schon von einer neuen Küche. Aus diesem Grund geht auch kaum ein Werbeprospekt, der sich mit dieser Thematik beschäftigt, ungesehen an mir vorbei. Vor einigen Tagen hatte ich wieder einmal ein entsprechendes Papier in der Hand. Und was musste ich da erblicken? Der Po von der Pooth auf der Anrichte, direkt neben Toaster und Kaffeetasse.

Es mag ja Menschen geben, die die Pooth und deren Allerwertesten zum Anbeißen finden. Aber ich sehe das völlig anders. Nun ja, ich bin ja auch kein Mann! Was habe ich meinen Kindern immer gepredigt, dass es sich nicht gehört, die Füße oder den Hintern auf dem Tisch zu platzieren. „Auf den Tisch gehört der Kuchen, da hat der Popo nichts zu suchen.“ Sind meine Ansichten jetzt völlig veraltet oder kommt es darauf an, wessen Popo sich da neben dem Frühstücksgedeck befindet? Wie wäre es, wenn eine 60-jährige Ottonormalverbraucherin in der Schlafanzugbux da hocken würde?

Dass sich eine fesche Mieze auf der Motorhaube eines Autos räkelt, kennt man ja. Anscheinend lässt sich ein Fahrzeug auf diese Art und Weise besser verkaufen. Aber eine Küche! Allerdings – vielleicht ist ein Mann so eher bereit, sich auf eine neue Küche einzulassen. Und Frau freut sich. Nur leider zieht das bei Schatz überhaupt nicht, egal wer da seinen Hintern auf der Küchenzeile platziert.

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„Schatz, es grummelt!“ In seinem Gesicht steht ein Fragezeichen, denn Schatz hat noch nichts dergleichen wahrgenommen. Mein Blick deutet Richtung Himmel, an dem sich mehr und mehr graue Wolken zusammenbrauen. Und war da nicht eben so ein Zucken in der Luft?

Ich kann gar nicht verstehen, wie er dieses unheimliche Geräusch nicht hören kann. Für mich ist klar, dass sich da ein Gewitter nähert, und das ist für mich der Horror. Nicht so für meinen Schatz, der auch noch bei heftigstem Blitzen und Donnern ruhig und gelassen bleibt, während ich nahe daran bin, in Panik zu verfallen und nach einem sicheren Ort Ausschau halte.

Bin ich bei beginnendem Grummeln mit der Fiets unterwegs, laufe ich zur Höchstform auf. Mein Fahrstil wird dann augenblicklich Tour de France-verdächtig und ich bemerke erst hinterher, welche Höchstleistungen ich vollbracht habe. Eigentlich bräuchte ich danach eine Dusche, aber das geht bei Gewitter ja auch nicht. Blitz und Donner sind überall.

Wie gut kann ich meinen Hund verstehen, der noch früher als ich ein herannahendes Unwetter spürt und sich zitternd in eine Ecke verkriecht.

Dass ich das 24Stunden andauernde Gewitter in dem kleinen französischen Gebirge vor einigen Jahren überlebte, grenzt für mich an ein Wunder. 24 Stunden erhöhter Blutdruck und gesteigerte Pulsfrequenz sind schon eine Belastung für den Körper. Immer wieder ging der Strom aus und es hallte von den Donnerschlägen, so dass es mir durch Mark und Bein ging.

Gott sei Dank ist es bei uns am beschaulichen Niederrhein meistens nicht ganz so schlimm (Ausnahmen bestätigen die Regel) und wir in Kevelaer haben ja auch noch Marias Mantel. Trotzdem wird mich ein Gewitter wohl niemals kalt lassen. Warum das so ist, hat wahrscheinlich damit zu tun, dass mir meine Mutter diese Furcht vor Blitz und Donner vorlebte. Wenn es damals grummelte, zog sie die Rollos herunter, zündete eine Kerze an und wartete darauf, dass das Unheil an uns vorüberzog.

Ich sehe der Gefahr bibbernd ins Auge und lasse die Rollos oben!

„Schatz, krieg keinen Schreck, wenn du mich siehst!“ An seinem Blick konnte ich gleich sehen, was ihm auf der Zunge lag. „Was hat sie jetzt wieder angestellt?“ Wenn man schon so lange zusammen ist, weiß man irgendwann, was einen erwartet. So nahm Schatz es dann recht gelassen, als er mich da auf dem Sessel sitzen sah – ein Eispack auf dem Fuß, ein weiteres auf dem Kopf.

Manchmal geschehen mir eben Dinge, die aus einem alten Dick und Doof-Schinken stammen könnten. Ich wollte nur mal eben flott in die Küche. Da passierte es. Aus unerfindlichen Gründen schlug ich mir den Fuß um, kam ins Wanken, wollte mich am Türrahmen festhalten und griff dann leider ins Leere. Dafür war ich mit dem Kopf recht treffsicher und prallte mit der Stirn voll gegen die Kante. Na, ja und dann ging ich zu Boden. Dass ich dabei den Wassernapf unseres Hundes mitriss, war das kleinere Übel.

Als ich mir dann später ein Sälbchen für die nicht unerhebliche Beule holte, stieß ich mit der Schädeldecke gegen die Ecke der Schranktür. Das war der Moment, in dem ich überlegte, ob ich lieber für den Rest des Tages im Sessel sitzen bleiben sollte. Bei einem ähnlichen Erlebnis vor einigen Jahren schlug ich mir die Autotür vor den Kopf und schmiss sie dann verärgert zu. Zu dumm, dass mein Daumen noch dazwischen steckte.

Letztendlich ist das Wichtigste, achtsam zu sein oder zumindest immer eine ausreichende Anzahl von Kühlakkus in der Truhe zu haben.

„Schatz, ich hab‘ eine Treckerphobie!“ Eigentlich mag ich den Herbst, die bunten Blätter, das schöne Licht, gemütliche Abende… Aber eines ist mir ein Graus: Die vielen Trecker, die sich mühsam über die niederrheinischen Straßen quälen.
Manchmal zieht ein einzelnes Gefährt gleich zwei Anhänger hinter sich her, und die sind meistens mehr als voll. Da hilft es auch nicht, dass auf der Rückseite des Anhängers ein 100-Aufkleber prangt, wenn die Zugmaschine nicht mehr als 40 km/h fahren darf.

Zu dieser Jahreszeit sind die Traktoren an jedem Tag unterwegs. Sie sind vollbeladen mit Kartoffeln, Kohlköpfen und natürlich Rüben. Unzählige Rübentransporte bewegen sich Richtung Appeldorn, wo man ihnen das Süße herauspresst. Und ich zockele hinterher, fast täglich.

So ein langes Gespann zur Hauptverkehrszeit auf der B9 zu überholen, ist fast unmöglich. Und wenn es gelingt, habe ich garantiert kurz darauf das nächste vor mir.

Bloß nicht so dicht auffahren, denke ich mir – angesichts der Ladung, die oft zu abenteuerlichen Türmchen gestapelt ist. Vor einigen Jahren durfte ich erleben, wie es ist, wenn die runden Früchte ins Kullern kommen.

Nach einer recht anstrengenden Spätschicht freute ich mich auf mein Zuhause. Und wieder einmal hatte ich einen Rübentrecker vor mir. Im Kreisverkehr passierte es. Hinten löste sich die Ladeklappe und dann kam richtig was in Bewegung. Der Kreisel füllte sich mehr und mehr mit Rüben, aussichtslos für mich, daran vorbei zu kommen.

Während ich da so stand und aufs Weiterfahren wartete, stellte ich mir vor, wie es gewesen wäre, hätte ich nicht so viel Abstand gehabt. Verschollen wäre ich gewesen. Da hatte ich nochmal Glück im Unglück. Heute fuhr ich zur Abwechslung mal hinter einem Trecker mit Güllefass her, ein wahrhaft sinnliches Erlebnis.

„Schatz, bald ist St. Martin!“ Wenn es irgendwie geht, sind wir dabei – ich mit Glühwein und Schatz mit seiner Kamera. Es gab Zeiten, da dachte Schatz mit Grausen an die Vormartinszeit. Denn einige Wochen vor St. Martin hieß es: Laternenbasteln im Kindergarten.

Schatz ist grundsätzlich handwerklich sehr geschickt. Er schraubt, sägt, lötet, haut die dicksten Bäume um und auch Strom und Wasser machen ihn nicht bang. Aber das Zusammenkleben von Papier und Pappe konnte ihn schon immer schier zur Verzweiflung bringen. Leider blieb es ihm über viele Jahre nicht erspart. Als Hausmann und Vollzeitvater absolvierte er zahlreiche Bastelstunden mit seinem Nachwuchs. Grob gerechnet muss er es auf mindestens zwölf Martinslaternen und vier Schultüten gebracht haben.

Jedes einzelne Werk stellte für ihn eine ganz besondere Herausforderung dar, besonders dann, wenn nur lösungsmittelfreier Kleber verwendet werden durfte. Ich höre ihn heute noch fluchen, wenn er nach getaner Arbeit mit verklebten Fingern nach Hause kam. Er gab sich aber immer alle Mühe. Schließlich sollten die bastelnden Mütter um ihn herum ja nicht sagen: „Typisch Mann!“ Und wenn so gar nix mehr ging, die eine Seite sich wieder löste, während die zweite gerade klebte, dann half nur noch der Tacker.

Welche Erleichterung war es für ihn, als diese Zeiten endlich vorbei waren. Aber wer weiß, vielleicht heißt es irgendwann: Opas basteln mit Enkeln. Bis dahin genießen wir den Martinsabend mit Kamera und Glühwein.

„Hör mal Schatz, ich muss mich jetzt mal outen!“ Seine weit aufgerissenen Augen sprechen Bände, sodass ich augenblicklich einlenke und erkläre, dass es nicht das ist, was er jetzt vielleicht gerade gedacht hat.

Es geht in diesem Fall schlicht und ergreifend um die Wahl des Radioprogramms. Ehrlich, wie ich bin, gebe ich unumwunden zu, was ich heute getan habe, und das bereits zum wiederholten Male. Ja, es ist wahr, ich habe WDR4 gehört! Nun ist es raus!

Es ist noch gar nicht lange her, vielleicht so 20 Jährchen, da hätte ich mich dafür in Grund und Boden geschämt. Damals wurde auf diesem Sender Musik gehört, die der Generation meiner Eltern und Großeltern gefiel. Und Vieles war in meinen Ohren einfach nur furchtbar. Aber wie das im Leben nun mal so ist, jetzt gehöre ich zu den Älteren und nun läuft auf WDR4 die Mucke meiner Jugendzeit, wenn auch die seichtere Variante.

Aber für den Weg zur Arbeit ist das gar nicht so verkehrt. Zum Beispiel gestern: Die sich täglich wiederholenden Songs auf WDR2 oder Antenne gingen mir auf die Nerven, auf Klassik und Gelaber hatte ich in den frühen Morgenstunden auch keine Lust. Ich zappte weiter und da erklang plötzlich „Daddy cool“, sogleich fühlte ich mich zurückversetzt in meine Udo- und Mühlenzeit. Es blieb nicht bei dem einen Erinnerungsfetzen, ein altbekanntes Stück nach dem anderen bahnte sich seinen Weg in meinen Gehörgang. Ich konnte sogar mitsingen und trommelte dazu im Takt mit den Fingern aufs Lenkrad.

Jegliche Restmüdigkeit verflog alsbald und gut gelaunt erschien ich an meinem Arbeitsplatz. Meine Kinder mögen den Kopf schütteln, aber so wie ich noch die Erbstücke meiner Oma (Heintje und Freddy Quinn) habe, werde ich meinen Kids einmal Michael Holm und die Les-Humphries-Singers vererben.

„Schatz!“ – Keine Antwort. „Schaaaaaatz!“ – immer noch nichts. Kurz bevor ich zum dritten Mal rufen wollte, fiel es mir ein. Schatz war gar nicht zuhause. So ist das eben hin und wieder: Manchmal ist der Kopf zu voll, ein anderes Mal zu leer. Und dann werden auch wichtige Dinge schon mal vergessen. Deshalb bin ich ein regelrechter Listenjunkie geworden – To-do-Liste, Urlaubspackliste, Einkaufsliste… Ohne Liste geht (fast) nix.

Erst gestern ist mir wieder etwas ganz Typisches passiert. Für meine sportlichen Aktivitäten benötige ich einiges an Equipment, eigentlich immer das Gleiche. Hochkonzentriert – dachte ich jedenfalls – begann ich meine Tasche zu packen. Als alles drin und der Reißverschluss zu war, ging ich noch mal kurz durch, ob ich auch wirklich an alles gedacht hatte. „Sportshirt – hab´ ich, Badelatschen – hab´ ich“, alles schien in bester Ordnung zu sein. Also machte ich mich auf den Weg.

Und dann kam es: Das komische Gefühl, irgendetwas vergessen zu haben. Aber was? Ich schimpfte mich selbst „Zwängel“ und fuhr weiter. Es lief auch alles wunderbar bis zu dem Moment, als ich mir die Haare einschäumte. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: An Kamm oder Bürste hatte ich nämlich nicht gedacht. Nun denn, ich fummelte meine Haarpracht so gut es ging mit den Fingern auseinander. Ein bißchen Rasta-Look, aber gar nicht so übel.

Einige Wochen zuvor hatte es mich deutlich schlimmer getroffen. Da hatte ich nämlich die frische Wäsche vergessen und stand vor der schwierigen Frage: Die verschwitzten Sachen wieder anziehen oder auf Unterwäsche verzichten? Aber wie ich mich da entschieden habe, bleibt mein Geheimnis.

„Schatz, du hast dich doch nicht etwa verliebt?“ Völlig der Welt entrückt und verzückt starrte Schatz auf die Person, die ihn genauso verzückt anschaute. Ich zupfte an seinem Ärmel, aber er redete nur davon, wie cool das doch sei. In all den Jahren unserer Beziehung hatte ich ihn noch nie selbstverliebt erlebt. Deshalb war es mir total fremd, dass er jetzt mit seinem Spiegelbild flirtete. Recht schnell stellte sich dann aber heraus, dass seine Begeisterung nicht durch den Blick auf das eigene Antlitz ausgelöst worden war, sondern dass ihm dieser Spiegel so gut gefiel.

Als ich mir das Exemplar betrachtete, kam mir gleich Schneewittchen in den Sinn. Währenddessen war Schatz schon in ein Gespräch mit der Verkäuferin vertieft. Es gelang mir dann aber doch, ihn weiterzuziehen, immerhin hatten wir auf dem Trödelmarkt schon so viel gekauft, dass wir es niemals schaffen würden, alles mit dem Fahrrad zu transportieren.

Aber wie das so ist, wenn am Hallenbad der jährlich stattfindende Trödelmarkt des Bädervereins stattfindet, man trifft Jan und Allemann. Gute zweieinhalb Stunden verbrachten wir dort mit Gucken, Kaufen und Quatschen. Und dann trafen wir Freunde, die glücklicherweise mit dem Auto da waren. Sie erklärten sich sofort bereit, unsere ganzen Schätze einzuladen und zu uns nach Hause zu bringen.

Tja, und am späten Nachmittag kam der Anruf, der Schatz glücklich machte. Der Spiegel war nicht verkauft worden und wechselte dann doch noch den Besitzer, weil mein werter Gatte seine Handy-Nummer hinterlassen hatte.

Nun hängt das gute Stück im Flur, ich habe aber noch nicht gewagt, ihm die entscheidende Frage zu stellen: Spieglein, Spieglein …

„So, Schatz, ich wäre dann soweit!“ Die Weinflasche ist entkorkt, diverses Knabberzeug steht bereit und ich sitze erwartungsvoll, in eine Decke gehüllt, auf dem Sofa. Für einen gemütlichen Heimkinoabend haben wir uns eine DVD ausgeliehen, die Schatz jetzt in den DVD-Player schiebt.

Aber irgendetwas stimmt nicht. Laut Anzeige läuft die Scheibe, aber zu sehen ist rein gar nix. Noch recht entspannt ruckelt mein Angetrauter an den Anschlüssen und schwupp, es erscheint das Startbild. Der Wein fließt ins Glas, wir stoßen an und entspannt legen wir uns zurück. Der Film läuft, aber zu hören ist nix. Auch das Herumdrücken auf den unterschiedlichen Fernbedienungen bringt keinen Erfolg.

Mittlerweile sind 20 Minuten rum und ich habe das erste Glas Wein intus. Es folgt ein länger andauerndes Gewühle im Back­ground unseres Entertainmentsystems. Der Anblick, wie Schatz den Kabelsalat zu bewältigen versucht, ist fast so spannend wie der Film. Kurzzeitig ist mal ein Ton zu vernehmen, aber das Vergnügen ist nur von kurzer Dauer. Inzwischen ist auch das zweite Glas Wein fast leer.

Aber wer meinen Gatten kennt, weiß, so schnell gibt er nicht auf. Und er schafft es! Nach einer weiteren halben Stunde haben wir Bild und Ton. Schwitzend sinkt er aufs Sofa! Wir sehen und hören, aber verstehen tun wir nix – alles Englisch. Bei allem Getue hat keiner auf die Sprachauswahl geachtet, also zurück das Ganze.

Endlich läuft alles! Wir lassen uns gebannt ins Geschehen auf dem Bildschirm ziehen, aber dann sind die Chips alle und ich drücke statt „Pause“ die Stopptaste. Es folgt mühseliges Vorspulen, und dann – wieder Englisch!

Da es schon recht spät ist, muss erst noch mal schnell der Hund raus, bevor wir dann endlich den restlichen Film genießen können. Was lange währt, wird endlich gut!

„Oh, nein! Schatz, du hast geknuit!“ Noch während ich dieses Wort ausspreche, bemerke ich, dass ich es seit gefühlten Jahrhunderten nicht mehr benutzt hatte. Ich erinnere mich dumpf, dass diese Bezeichnung für Kleckern in meiner Kindheit gang und gebe war. Aber meine Kindheit liegt nun auch schon eine halbe Ewigkeit zurück. In den Straßen unseres geliebten Städtchens hört man immer weniger das früher selbstverständliche Kävels Platt.

Bis auf einige Ausdrücke und Worte habe ich diesen Dialekt auch nie wirklich sprechen gelernt und auch verstehen konnte und kann ich längst nicht alles. Das mag daran liegen, dass fünfzig Prozent meiner direkten Vorfahren einen Migrationshintergrund aufwiesen. Meine Mutter kam aus Duisburg! Mein Vater war des Plattdeutschen zwar mächtig, aber aus Rücksicht auf meine Mutter verständigte er sich zuhause auf Hochdeutsch. Es soll aber Leute gegeben haben, für die Hochdeutsch eine Fremdsprache darstellte.

Kevelaer wuchs und damit auch die Zahl der Einwanderer – Tugetrockene!

Damals konnte man die „Tugetrockenen“ gut an ihren Sprachkenntnissen erkennen. Wenn auf die Frage: „Sich jä tugetrocke?“ als Antwort „Wie bitte?“ kam, erübrigte sich jede weitere Klarstellung. Heute gibt es wahrscheinlich schon mehr Tugetrockene als wirkliche Kevelaerer Ureinwohner. Es herrscht in unserem beschaulichen Ort eine unglaubliche Sprachenvielfalt. Neben Holländisch, was ja nicht wirklich fremd ist, höre ich Polnisch, Arabisch oder Türkisch, wenn ich beim Discounter meines Vertrauens an der Kasse stehe. Nur Kävels Platt eben nicht!

Und da Schatz auch „en Tugetrockene“ ist, konnte er mit „Knuien“ rein gar nichts anfangen.

„Schatz, guck mal, brauchen wir so was?“ Der Werbeprospekt zeigt den neuesten Trend – Fitnessarmbänder. Mit modischem Outfit haben die nicht wirklich viel zu tun. Da verdienen einige findige Menschen viel Geld mit unserem steigenden Kontrollbedürfnis und dem mangelnden Vertrauen zum eigenen Körper.

Schatz und ich sind uns gleich einig – WIR brauchen so was nicht. Dabei kann Big Brother fürs Handgelenk eine ganze Menge. Er zählt die Schritte, die ich am Tag tue, und wie viele Kalorien ich währenddessen verbrauche. Eine Schlafanalyse und die Überwachung der Herzfrequenz sind auch mit im Angebot.

Es wäre vielleicht ja interessant zu wissen, wie häufig ich mich in einer Nacht drehe und wende, aber ich weiß leider auch so, dass es Nächte gibt, in denen ich mich schlaflos herumwälze. In solchen Nächten verbrauche ich sicherlich auch einige Kalorien mehr.

Und dass mein Herz schlägt, spüre ich glücklicherweise auch noch, anderenfalls wäre ich vielleicht tot. Manchmal klopft es ruhig und gemütlich, dann wieder flott und ab und zu stolpert es sogar ein bisschen. Und das ist ganz normal!

Irgendwie funktioniert bei mir alles noch ganz gut ohne Kontrolle von außen und das stimmt mich unglaublich froh. Ich spare mir das Geld und gehe mit meinem Schatz lecker essen – ohne Kalorienzählen!

Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser!

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„So Schatz, ich wäre dann so weit!“ Ich hatte die Fenster unseres Wohnwagens geschlossen, Brötchen und Äpfel eingepackt und die Regenjacke für alle Fälle in der Fahrradtasche verstaut. Es vergingen dieses Mal auch nur gute 5 Minuten, bis Schatz seine Fotoausrüstung so weit geordnet hatte, dass diese bereit für die geplante Fahrradtour war.

Die Tür wurde verriegelt und ich wollte mich schon auf´s Radl schwingen, als ihm einfiel, dass er Sonnenbrille und Käppi noch im Wohnwagen liegen gelassen hatte. Da ich nett bin, und damit es schneller geht, erbarmte ich mich, schloss auf, holte das fehlende Equipment heraus, schloss wieder zu.

Als ich einen erneuten Startversuch ins Auge fasste, fiel Schatz beim kontrollierenden Rundumblick auf, dass da noch die Lüftungsschlitze geöffnet waren. Bei plötzlich einsetzendem Starkregen könnte das erhebliche Folgen für die Inneneinrichtung unseres fahrbaren Heims mit sich bringen. Ich blinzelte in die Sonne – es sah nach allem anderen als nach Starkregen aus – und kramte die bereits sorgsam verstauten Schlüssel hervor.

Der Gedanke an einen eventuellen drastischen Wetterumschwung hatte bei meinem Schatz eine abgespeicherte Abfolge von Sicherheitsvorkehrungen ausgelöst, die er auch gleich in die Tat umsetzte.

In der Zwischenzeit hatte mich ein leichtes Hungergefühl übermannt und ich begann im Proviantbeutel zu kramen, um dann, mittlerweile etwas entnervt, festzustellen, dass ich den Beutel mit dem Schnupp nicht eingepackt hatte. Schatz hatte soeben wieder abgeschlossen. Aber eine Radtour ohne Schnupp? Geht gar nicht!

Als ich wenige Minuten später mit besagtem Beutel den Wohnwagen verließ und den Schlüssel im Schloss herumdrehte, sah ich, wie mein Angetrauter seinerseits begonnen hatte, in der Fahrradtasche zu wühlen. „Wo sind denn die Taschentücher?“, fragte er, demonstrativ schniefend. Da auch das Durchforsten sämtlicher Jackentaschen nicht zum Erfolg führte, blieb mir nichts anderes übrig als, na was wohl? Tür auf – Papiertaschentücher raus – Tür zu!

Seit unserem ersten Versuch zu starten war inzwischen eine Viertelstunde vergangen, aber nun konnte es endlich losgehen. Mit der Sonnenbrille auf der Nase radelten wir durch die Natur, genossen frische Luft und Sonnenschein.

Eine Stunde später überraschte uns der Regen. Dank sei Schatz, dass wir die Lüftungsschlitze geschlossen hatten!

„Schatz, weißt du noch damals?“ Die gemeinsame Fahrt mit unseren mittlerweile erwachsenen Kindern am Wochenende hat Erinnerungen in uns wachgerüttelt, die uns heute schmunzeln lassen. Urlaub mit 4 Kindern + Hund ist schon was ganz Spezielles – besonders, was die Autofahrt anbelangt.

Oft quälten wir uns um 3 Uhr nachts aus dem Bett, damit wir unter einigermaßen friedlichen Bedingungen die ersten 300 Kilometer bewältigen konnten. Aber kaum ging eines der 8 Äuglein auf, ging es auch schon rund. „Sind wir schon da?“ war meistens der erste Satz, den wir dann von den hinteren Reihen vernehmen konnten.

Und dann dauerte es auch nicht mehr lange bis die ersten Bedürfnisse kundgetan wurden: „Ich habe Durst, ich habe Hunger, ich muss Pipi!“ Also Rastplatz suchen und Pause! In der noch kühlen Morgenluft schlotterten wir um die Wette und plünderten den Proviant. Es dauerte noch eine ganze Weile bis alles wieder sicher verstaut war und alle, einschließlich Hund, gepieselt hatten. Umso kürzer war die Zeitspanne bis die ersten Zankereien losgingen. Leider ist ein Auto nicht so breit, dass soviel Abstand zum Nachbarn eingehalten werden kann, der jeglichen Körperkontakt unmöglich machen würde.

Mit dem Frieden war es vorbei und demzufolge auch mit der Ruhe. Nur der Hund ertrug den immer wieder anschwellenden Tumult mit unendlicher Geduld. Auf Einzelheiten möchte ich nicht eingehen, aber es gab keine Urlaubsfahrt, auf der wir nicht verlauten ließen, dass wir nie wieder zusammen in Urlaub fahren würden – so ein Blödsinn! Spätestens im folgenden Jahr saßen wir wieder im bis unters Dach vollgepackten Auto. The same procedure as every year!

Wenn wir jetzt zu zweit in Urlaub fahren, ist das fast schon langweilig, aber nur fast!

„Schatz, hast du schon gehört? Das soll das Staureichste Wochenende dieses Jahres werden!“ Was hatte ich mich gefreut über das Geschenk meiner Kinder zum Geburtstag – ein Ausflug zum Musical „König der Löwen“ in Hamburg. Ich war drauf und dran mir die Stimmung selbst zu vermiesen.

Samstag früh um 9.30 Uhr sollte es losgehen, und wirklich, wir verteilten uns pünktlich auf zwei Autos. Wie gewohnt hatte ich Marschverpflegung für eine ganze Fußballmannschaft eingepackt – Brötchen, Obst, Süßigkeiten, Getränke. Das alles stapelte sich im Kofferraum des Wagens meiner Tochter, ein Fehler, wie sich später herausstellen sollte.

Ich muss zugeben, dass ich schon vor dem Start alle verrückt gemacht hatte mit meinen negativen Prognosen. Bis zur Abfahrt hatte ich gefühlte hundert Mal den Verkehrsnachrichten im Radio gelauscht und die Staulänge vor meinem geistigen Auge wachsen sehen. Dass ich diesbezüglich ununterbrochen meinen Kommentar dazu abgab, nervte offensichtlich, denn irgendwie machte es den Anschein, als würde sich keiner darum reißen, mit mir zusammen im Auto zu sitzen.

Natürlich fuhr man nach Navi, unbegreiflich, wie man ohne Landkarte auf Reisen gehen kann! Es kam dann, wie es kommen musste, wir verloren uns schon nach den ersten zehn Kilometern aus den Augen. Allein deshalb fatal, weil ich nicht in dem mit dem Proviant ausgestatteten Auto saß. Ein paar Fläschchen Wasser, vier Duplos und eine Tüte Gummibärchen für vier Leute – eine mittelschwere Katastrophe, mit der Folge, dass ich meinem Gejammer wegen des einsetzenden Hungers freien Lauf ließ.

Auch meine Ideen, wie man die Staus umfahren könnte, waren nicht besonders hilfreich. Letztendlich waren die anderen eine Stunde früher am Ziel, satt und zufrieden. Für die Rückfahrt verteilte ich den restlichen Proviant auf beide Autos und bemühte mich, sparsam zu sein mit überflüssigen Kommentaren. Letzteres war mir unter Androhung von Rauswurf auferlegt worden.

Autofahrten mit der Familie waren schon immer was ganz Spezielles, aber davon nächste Woche mehr!

„Schatz, weißt du was es beim Bäcker gibt?“

Auf einem großen Plakat vor der Bäckereifiliale wird es angepriesen, „das Handwerker-Frühstück“. Ein belegtes Brötchen, eine Tasse Kaffee und eine Bild-Zeitung für 3,69 €.

Ich muss gleich an unsere mittlerweile geschlossene Metzgerei denken, die schon vor grauer Vorzeit täglich in den frühen Morgenstunden von Handwerker-Kolonnen aufgesucht wurde. Vor Ort wurden Brötchen geschmiert und individuell belegt. Als Kind habe ich mich immer gefragt, warum die sich nicht zuhause ihre Stulle schmieren können, so wie meine Mutter für mich das Pausenbrot.

Nach Jahrzehnten hat sich das Verhalten anscheinend immer noch nicht verändert, nur dass damals neben den Brötchen oft eine Flasche Bier mit in den Einkaufskorb wanderte – statt Kaffee. Den gab es früher auch noch nicht „to go“. Ja, es gab Zeiten, da war Alkohol am Arbeitsplatz nicht wirklich verboten. Manche Bauarbeiter rührten gar nicht erst den kleinen Finger, bevor nicht der Kasten Bier am Platz war. Und „dat Elf-Ührke“ durfte natürlich auch nicht fehlen. Wenn ich mir so manches alte Haus betrachte, kommt mir der Gedanke, dass die Wände vielleicht aus eben diesem Grund nicht so ganz gerade sind.

Zum Glück sind die Handwerker heute auf Kaffee umgestiegen. Sicherheit ist oberstes Gebot. Leider sind die jungen Männer auf dem Bau auch vorsichtiger geworden, was den Umgang mit der Sonne anbelangt. Kaum einer wagt sich noch mit nacktem Oberkörper aufs Gerüst, was die Damenwelt um den Anblick knackiger, gebräunter Oberkörper bringt.

Aber warum gehört die Bild-Zeitung zum Frühstück?

„Schatz, guck mal! Die machen Werbung für Drei-Wetter-Taft!“ Ein Fragezeichen machte sich in Schatzens Gesicht breit. Ganz zurecht fragte er sich, was die Fußball-Europameisterschaft mit Haarspray zu tun haben sollte.

Während er noch grübelte, schaute ich mir fasziniert die jungen Männer an, die einer ledernen Kugel hinterher rannten. Gegelt und gestylt bewegte sich so manche modische Herrenfrisur keinen müden Zentimeter. Ob Sonne, Wind oder Regen – die Frisur sitzt. Selbst nach ausgiebigem Haareraufen in brenzligen Situationen veränderte bei einigen Jungs keines ihrer Härchen seine Position.

Was waren das für Zeiten, als so mancher Fußballspieler kaum sehen konnte, wohin er den Ball ballerte, weil ihm die Haarpracht wie ein Vorhang vor den Augen hing. Man erinnere sich da an Paul Breitner mit seiner Lockenpracht und an die strähnigen Stangenlocken eines Günter Netzer. Die Mode ändert sich eben.

Was mussten wir schon alles erleben bei den Herren der Schöpfung, ich denke da zum Beispiel an die Minipli-Dauerwelle für den modebewussten Mann. Mit Schlaghose und weit geöffnetem Hemd, das den Blick freigab auf das große Kreuz, welches im wallenden Brusthaar zu versinken drohte, war das Styling perfekt.

Und dann die Versuche der reiferen Herrschaften, das sich entwickelnde Grau schnellstmöglich im Keim zu ersticken! Ein Kollege produzierte sich im Selbstversuch einen gelben Schopf und wurde damit zur Lachnummer.

Gott sei Dank ist die Beschaffenheit des Haupthaars nicht alles! Schönheit allein macht noch lange keinen Europameister. Der Märchenprinz meiner Jugendzeit hatte lange, dunkle Locken. Meine Wahl fiel dann aber irgendwann auf den Jüngling mit kurzen, glatten und blonden Haaren. Und auch der wird jetzt so langsam grau.

Guck mal Schatz!“ Mit einer leichten Kopfdrehung deute ich auf ein Haus der gegenüberliegenden Straßenseite. Die alte Dame, die es sich an ihrem weit geöffneten Fenster gemütlich gemacht hat, steht ganz offen zu ihrer Neugier. Ein dickes Kissen liegt auf dem Fensterbrett, sodass sie es dort gut und gerne mehrere Stunden aushalten könnte.

Es gab Zeiten, da gehörte so etwas zum alltäglichen Stadtbild. Statt sich irgendwelche Talkshows im Fernsehen anzuschauen, gingen Oma und Opa auf ihren privaten Beobachtungsposten. Ich muss gestehen, mir könnte das auch zusagen, denn auch mir wird nachgesagt, recht neugierig zu sein. Ab und zu lauere ich unter der Gardine durch, um mitzukriegen, was und wer da auf der Straße so läuft. So manches Mal, wenn ich allzu gebannt auf das Geschehen da draußen starre, erinnert mich Schatz daran, dass mein Verhalten doch sehr auffällig und noch dazu von außen sichtbar ist.

Kann denn Neugier Sünde sein? Bei Kindern sieht man diese Eigenschaft durchaus positiv, mehr so als Wissenschaft, die Wissen schafft.

Wenn ich mich nun aber trauen würde, mein Kissen im Fenster zu drapieren, hätte das zu all den Erfahrungswerten noch den Vorteil der Kommunikation. Aus einem Hallo würde vielleicht ein nettes Schwätzchen mit dem ein oder anderen Vorübergehenden.

Also Leute, packt die Kissen aus für die ganz private Talkshow!

„Schatz, was gibt es zu essen? Ich sterbe vor Hunger!“

Schatz schaut mich entgeistert an, aber ehe er etwas erwidern kann, lasse ich meinen nachmittäglichen Frust raus. „Ich habe mich fast tot geschwitzt, bin pitsch-nass, und das nur, weil ich stundenlang bei der Post in einer Schlange von tausend Leuten gestanden habe.“

Während ich mich völlig erledigt in den nächsten Sessel fallen lasse und mir ein Glas Wasser auf Ex einverleibe, schaut Schatz immer noch entgeistert. Warum guckt der so? Er schüttelt den Kopf und fordert mich auf, doch mal nachzudenken, was ich da soeben von mir gegeben habe. Zunächst weiß ich gar nicht, was er meint. Erst, als er Wort für Wort wiederholt, was ich ihm berichtet habe, verstehe ich es. Ich habe mal wieder ein wenig übertrieben.

Da ich viel zu dick angezogen war, hatten sich einige Schweißperlen auf meiner Stirn angesammelt und unter meinen Achseln spürte ich eine gewisse klebrige Feuchte – für mich gefühlt eben pitsch-nass! Aber ich muss zugeben, ich bin mir nicht sicher, ob ich mich wirklich hätte tot schwitzen können. Ich hätte mich ja auch einiger Kleidungsstücke entledigen können in den 25 Minuten Wartezeit bis zur Abgabemöglichkeit meines Päckchens. Doch gefühlt waren es wirklich Stunden, die ich dort verbrachte. Es ging auch irgendwie nicht voran.

Jeder Kunde schien dort eine halbe Ewigkeit zu stehen, bis er endlich an die Reihe kam – wie lange dauert eigentlich eine halbe Ewigkeit? Na, ja, und tausend Leute waren es auch nicht unbedingt, die da in der Warteposition ausharrten. Wie lang wäre wohl eine Schlange von tausend Menschen vor dem Postschalter – bis zur Basilika oder etwa noch weiter? Ich seufze. „Ja, Schatz, du hast Recht, ich übertreibe manchmal, aber gefühlt war es der Horror und ich komme um vor Hunger!“

Ups, schon wieder leicht übertrieben.

„Schatz, ich habe nichts anzuziehen!“ Es ist 6 Uhr früh und ich stehe vor meinem prall gefüllten Kleiderschrank und kann mich nicht entscheiden.

Ziehe ich den roten Pullover an oder den schwarzen? Was passt besser zur grünen Hose? Nun, ich wähle den schwarzen, nur um ihn dann kurz darauf wieder zurück zu legen, zu warm! Also dann den roten – oder sollte ich vielleicht doch lieber zu Bluse und Strickjacke greifen, nach dem Motto Zwiebellook? Nein, der rote Pulli soll es sein, ich lege ihn zur Hose auf´s Bett. Aber irgendwie gefällt mir die Kombi dann doch nicht so gut, wie zunächst gedacht. Dann suche ich eben eine andere Hose dazu aus – die helle Jeans oder die dunkle? Oder vielleicht besser den schwarzen Rock? Bis das Outfit komplett ist, vergehen gute fünf Minuten. Es müssen ja schließlich noch die Unterwäsche, die Socken, die Ohrringe, etc. ausgewählt werden. Von wegen nichts anzuziehen! Eher zu viel, was sich dann zu einer wahren Herausforderung am frühen Morgen entwickelt.

Auf der Arbeit spielen sich nicht solche dramatischen Szenen ab, da muss eben getan werden, was getan werden muss. Aber nach Feierabend geht es wieder los.

Denn am Nachmittag beim Discounter meiner Wahl läuft es ähnlich ab wie morgens vor dem Schrank. Käse steht unter anderem auf meinem Einkaufszettel. Was nehme ich denn da? Schnittkäse, Weichkäse, Streichkäse? Gouda ist immer gut, aber nehme ich jungen oder alten oder mittelalten? Vielleicht sollte ich dieses mal aber doch lieber Emmentaler, Maasdamer oder Bergkäse wählen. Und soll der Käse von Kuh, Ziege oder Schaf stammen? Streichkäse ist auch nicht so übel, aber dann lieber den Frisch- als den Schmelzkäse! Die Entscheidung ist nicht einfach – Schnittlauch, Chili, Paprika, Kräuter der Provence etc.. Angesichts der Tatsache, dass noch 20 andere Artikel auf meiner Liste stehen, kann so ein Einkauf dann schon mal gut und gerne eine halbe Stunde dauern. Puh! So ein Stress!

Unglaublich, wie oft wir uns an einem Tag entscheiden müssen. Der Überfluss macht das Leben nicht unbedingt einfacher.

Ich habe mich heute wirklich beherrschen können und bin nicht um 8 Uhr zum Discounter gestürmt. Und das, obwohl dort heute echte Designermode im Angebot war. Für den Sommer hätte ich vielleicht noch so eine nette Hose gebrauchen können. Andererseits brauche ich sie wirklich?

Schon so manches Mal habe ich beim besagten Laden vor der Eingangstür gestanden und gemeinsam mit zahlreichen anderen mit den Hufen gescharrt. Aber egal wie viele Leute sich da draußen stapeln, es wird keine Minute zu früh aufgemacht.

Und dann, wenn es endlich so weit ist und sich die Pforte öffnet, rennen alle gleichzeitig los, mit oder ohne Einkaufswagen. Ohne bin ich schneller durch, das hat aber den Nachteil, dass ich nur das kaufen kann, was ich auch tragen kann. Mit Wagen sind Karambolagen vorprogrammiert.

Sind die metallenen Körbe dann endlich erreicht, geht der Kampf weiter. Man muss höllisch aufpassen, sich nicht die ein oder andere Verletzung zuzuziehen. Da stecken mitunter 10 Köpfe gleichzeitig im Drahtgestell und es wird wahllos gegriffen, was zu packen ist. Kriminell wird es, wenn zwei Leute zeitgleich ein Teil ergattern. Gibt der Klügere nach oder der Schwächere?

Wie anstrengend die Prozedur für den Einzelnen war, stellt man dann an der Kasse anhand des entsprechenden Körpergeruchs fest. Und am Nachmittag sind viele erfolgreiche Käufer wieder da – umtauschen!

Da bleibe ich doch lieber gemütlich beim Frühstück.

So ein Mist, verdammte Sch…!“ Ich will gar nicht darlegen, welche Flüche ich noch ausgestoßen habe, als ich mir den Schlamassel zu meinen Füßen betrachte.

Nach der ersten Schrecksekunde stoße ich weitere Schreie aus, habe ich doch gerade eben aus den Augenwinkeln meinen Hund wahrgenommen. Er nähert sich eiligen Schrittes dem Ort des Geschehens. „Geh weg Fynn, mach Platz!“ Wie gut, dass es ein recht wohlerzogener und verständiger Hund ist, aber vielleicht hat er sich auch nur fürchterlich erschrocken, als ich so laut losbrülle. Jedenfalls trollt er sich und legt sich brav auf seine Decke.

Der Anblick ist grauenvoll! Da liegt er auf dem frisch gesaugten Fußboden – der frisch gebackene Sonntagskuchen, ein bis eben noch duftender, saftiger Rührkuchen mit Himbeeren!

Schatz stand schon erwartungsfroh in der Küche, schlug Sahne und kochte Kaffee. Der Tisch war gedeckt, alles war bereit für unser trautes, sonntagnachmittägliches Kaffeetrinken, als das Malheur passierte. Voller Freude über den gelungenen Kuchen war ich mit stolzgeschwellter Brust schwungvoll Richtung Tisch marschiert – anscheinend etwas zu schwungvoll.

Verhängnisvollerweise hatte ich eine Kuchenplatte mit sehr glatter Oberfläche und ohne Rand gewählt. Diverse physikalische Kräfte verliehen dem fruchtigen Backwerk Flügel. Zu dumm, dass ich das Teil bereits in der Küche in ordentliche Stücke zerlegt hatte, die nun bis auf ein einziges unter statt auf dem Tisch liegen.

Gott sei Dank ist der Untergrund sauber, sodass ich rette, was zu retten ist. Wie durch ein kleines Wunder sind die meisten Stücke halbwegs heil geblieben. Aber bis zum Verzehr soll es noch eine Weile dauern, muss ich doch noch ein wenig Himbeermus vom Boden kratzen. Die restlichen Krümel beseitigt dann unser Fynn. Ihm schmeckt es und uns auch, trotz der ungeplanten Zwischenlagerung.

Es hätte schlimmer kommen können: Nicht auszudenken, wäre es eine Sahnetorte gewesen!

Humor ist, wenn man trotzdem lacht!

Schatz, äh, was wird das?“ Mit Schaum vor dem Mund schaut Schatz mich irritiert an. Dass er abends um halb elf im Badezimmer steht, mit der Zahnbürste in der Hand, ist erst mal nichts Ungewöhnliches, aber dass er dabei seinen Fotoapparat über der Schulter hängen hat, erscheint mir doch ein wenig befremdlich.

Mein erster Gedanke ist: Die kommt mir nicht ins Bett! Gut, so eine Kamera ist etwas anderes als Hund oder Katze – haart nicht, bewegt sich nicht und gibt auch keine Geräusche von sich. Trotzdem kann ich mir dieses Teil nicht als Bettgenossen vorstellen. Auch die Vorstellung, dass mein werter Gemahl mitten in der Nacht auf die Idee kommen könnte, mich zu fotografieren, passt mir nicht wirklich. Die so entstandenen Fotos wären sicherlich nicht unbedingt vorteilhaft.

Nun, der Fotoapparat ist seit je her sein liebstes Spielzeug, aber auch die noch so heißeste Liebe hat Grenzen. Also spreche ich meinen Gedanken laut aus: „Die kommt mir nicht ins Bett!“

Er reagiert glücklicherweise sehr verständnisvoll. Er hat doch tatsächlich gar nicht wahrgenommen, dass die Kamera noch über seiner Schulter hängt.

Bei den Mahlzeiten zu fotografieren habe ich ihm schon fast abgewöhnen können. Aber es kommt doch immer wieder vor, dass es mit ihm durch geht. Da sitze ich friedlich am Kaffeetisch, quatsche mit meinen Kindern und denke an nichts Böses, als plötzlich das Objektiv auf uns gerichtet wird. Und schon schreien alle, dass Papa die Knipserei beim Essen endlich mal sein lassen solle. Es existieren weiß Gott genug Fotos von kauenden und schlürfenden Familienmitgliedern.

Dass es fast keinen Spaziergang oder Ausflug ohne das fotografische Equipment gibt, nehme ich schon nicht mehr wahr. So ist er eben! Jedem Tierchen sein Pläsierchen!

Siehste, Schatz, wat hab` ich gesacht?“ Sein Blick folgt meinem ausgestreckten Zeigefinger, der auf die dicken Wolken zeigt, die am Himmel zu sehen sind. Schatz hatte es mir nicht glauben wollen – wieder einmal!

Der Himmel ist grau, ein Schauer jagt den anderen und es ist richtig usselig, nicht zu vergleichen mit dem letzten Wochenende, als die Sonne von einem makellos blauen Firmament knallte. Schon an diesem traumhaft schönen Wochenende hatte ich prophezeit, dass das nächste nur mies werden könnte.

Und dafür gibt es eine ganz simple Erklärung: Kevelaer hatte Kirmes! Und wenn zur Kevelaerer Kirmes ein gar prächtiges Wetter die Herzen der Bürger erfreut, dann kann es eine Woche später nur schlecht sein. Denn zu Pfingsten ist bekanntlich in Geldern Kirmes. Seit ich weiß, wie „Wetter“ geschrieben wird, weiß ich, dass es in der Natur der Dinge liegt, dass Bombenwetter in Kevelaer gleichbedeutend mit Mistwetter in Geldern ist – leider auch manchmal umgekehrt. Letzteres hat selbstverständlich unser geliebtes Kevelaer nicht verdient.

Aber es ist Jahr für Jahr das Gleiche, Schatz glaubt mir nicht. Rational denkend wie er nun einmal ist, kommt er mit meteorologischen und sonstwie schlauen Erklärungen. Dabei ist es so einfach! Wohlweislich habe ich alles richtig gemacht und keine Unternehmungen im Grünen für Pfingsten geplant.

Aber einmal ist die Sache doch daneben gegangen. Als Jugendliche fuhr ich mit Freunden über Pfingsten ans Meer, ich war mir ganz sicher, dass es schön werden würde, denn die Kevelaerer Kirmes war wettertechnisch so richtig versaut gewesen. Nun goss es auch in unserem Kurzurlaub wie aus Eimern – allerdings nur an der See. In Geldern schien die Sonne.

Man muss kein Wetterfrosch sein, um vorhersagen zu können, was das Pfingstwochenende bringt.

Schatz, denk an den heiligen Antonius, das hilft!“ Aber Schatz hat immer noch Zweifel daran, wie der Heilige ihm helfen soll. Wieder einmal hat er etwas verlegt, spurlos verschwunden scheint das kleine Büchlein, das er sich von einer Freundin ausgeliehen hat. Im Erdgeschoss hat er angeblich bereits alles abgegrast und auch in seinem Arbeitszimmer habe er jede Ecke durchforstet – meint er.

Selbstverständlich helfe ich auch dieses Mal wieder gerne und durchkämme systematisch unsere Räumlichkeiten, doch dieses Mal bin auch ich ratlos. Sogar auf dem Arbeitstisch habe ich jedes Utensil in die Hand genommen und jedes Papierschnipselchen umgedreht. Und da kommt der heilige Antonius ins Spiel. Schon Mutter und Oma rieten mir, ihn um Hilfe zu bitten, wenn ich was verloren oder verlegt hatte.

Während Schatz weiterhin den ganzen Raum von links nach rechts dreht, halte ich einen Moment inne, denke an den heiligen Antonius und trete zwei Schritte zur Seite. Im Gegensatz zu meinem Gatten bin ich nun ganz entspannt und irgendwie bin ich mir sicher, dass ich das Gesuchte finden werde.

Da fällt mein Blick auf den Arbeitstisch und sofort sehe ich das Büchlein dort liegen. Unwillkürlich muss ich grinsen, habe ich doch bei meiner Kramerei auf dem Tisch genau davor gestanden und es nicht wahrgenommen. Danke Antonius!

Manchmal muss man eben einen Schritt zur Seite treten und innehalten, damit man das Ganze aus einem anderen Blickwinkel sieht.
o.

Vorsicht Schatz, zieh‘ den Kopf ein!“ Irritiert schaut Schatz zu mir herüber und zieht dabei unwillkürlich und ruckartig den Kopf ein. Leider hat er sich gerade die frisch gefüllte Tasse Kaffee zum Mund führen wollen. Die eine Schrecksekunde reicht aus, dass die heiße, braune Flüssigkeit auf seine Hose schwappt und dem Träger derselben eine kleine Brandwunde beschert.

Das komische Fluggerät, das mich veranlasst hat, die Warnung auszusprechen, kreist immer noch einige Meter über unseren Köpfen und brummt dabei mal mehr, mal weniger laut. Irgendwie fühle ich mich beobachtet. Welcher Nachbar hat sich da so eine neumodische Drohne zugelegt und was will er bei uns ausspionieren? Möglicherweise erscheint am Montag ein Foto von uns in der Zeitung – wir beim friedlichen Kaffeetrinken auf der Terrasse und Schatz mit einem großen Fleck auf der Hose.

Da ich nicht im Besitz einer Waffe bin und das Teil da in der Luft unerreichbar ist, bin ich dem hilflos ausgeliefert. Privatsphäre im Eigenheim ade! Ich male mir aus, wie es sein wird, wenn noch mehr Leute so ein Ding starten. Wird es da einen Mini-Luftkrieg über den gepflegten Gärten unserer beschaulichen Stadt geben? Und was ist, wenn bei so einer Drohne genau über uns der Akku versagt und sie uns beim Absturz auf den Kopf fällt und die Frisur ruiniert? Nicht auszudenken!

An diesem Nachmittag ist es in Wirklichkeit eine ganz normale Biene, die den Frieden stört, aber die ferngesteuerten, mit Kamera ausgerüsteten Drohnen sind stark im Kommen!
Für mich stellt sich da die Frage: Muss man alles haben und jede Mode mitmachen?

Schatz, hast du meinen Schlüssel gesehen?“ Voll ausgerüstet für den Arbeitstag steht er in der Tür. Wie nett von ihm, dass er nicht mit seinen verdreckten Arbeitsschuhen durchs Haus stapft, um selbst seinen Schlüssel zu suchen.

Am Schlüsselbrett hinten hängt er nicht, an dem vorne auch nicht. Ich laufe aufmerksam jeden Raum ab, aber nichts, kein Schlüssel weit und breit. Zu übersehen ist der dicke Schlüsselbund eigentlich nicht. Ich solle doch mal in seiner Jeans nachsehen und in seiner anderen Arbeitshose. Wie gut, das ich sowieso nichts zu tun habe. Also ein weiterer Gang durch diverse Räumlichkeiten, in denen er seine Wäsche deponiert hat. Zum Glück bin ich wirklich gut im Finden und nach relativ kurzer Zeit kann ich meinem Schatz das Gesuchte präsentieren.

So vergeht kaum ein Tag ohne eine Suchaktion. Manchmal antworte ich auf eine Frage, ob ich dies oder das gesehen habe, schon einmal ein wenig schnippisch: „Schau doch mal im Kühlschrank nach!“. Neben Schlüsseln verschwinden auf unerklärliche Weise auch Schuhe, Mützen, das Handy oder sonstige lebensnotwendige Kleinigkeiten.

Ein Utensil, das sich mindestens einmal täglich in Luft auflöst, ist die Lesebrille, oder besser gesagt, eine der Lesebrillen. Mittlerweile sind es drei und häufig ist keine einzige davon auffindbar. Ich bin froh, dass ich meinem Schatz fast immer helfen kann, und meine Bemerkung, dass es gut sei, dass der Kopf angewachsen ist, ist nicht böse gemeint – wirklich nicht!

Wie langweilig wäre das Leben ohne unsere kleinen Schwächen.

„Schatz, ich glaube, ich bin älter, als ich mich fühle!“ Um ihm zu demonstrieren, warum ich gerade in diesem Moment darauf komme, halte ich ihm den dünnen Katalog eines Versandhauses unter die Nase. Dieser war eine Viertelstunde zuvor im Briefschlitz gelandet.

Neugierig, wie ich nun einmal bin, habe ich ihn nicht gleich in den Papiermüll gesteckt, sondern mal eben durchgeblättert. Durch das, was ich da erblickte, fühlte ich mich augenblicklich in meine Kinder- und Jugendzeit versetzt. Genau diese Art von Versandhaus-Katalogen hatte meine Oma immer gleich in mehrfacher Ausführung. Sie nutzte sie auch ausgiebig und erhielt regelmäßig Pakete von diversen Firmen.

Und ich habe festgestellt: Es gibt sie immer noch – die Dinge, die Mutter und Oma damals so dringend benötigten. Neben rosafarbenen Polyester-Nachthemden und Haarnetzen „zum Schutz der Frisur über Nacht“ entdeckte ich in diesem Prospekt doch tatsächlich noch ein Exemplar der damals so beliebten Kittelschürzen.

Um die Kleidung zu schonen trug man im normalen Hausfrauenalltag immer eine Kittelschürze drüber und in einem heißen Sommer auch schon mal ohne viel drunter. Nicht einmal zum Einkaufen wurde dieses Kleidungsstück ausgezogen, nun Metzger und Bäcker waren ja auch um die Ecke und alle anderen trugen sie ja auch.

Ich bin schon lange nicht mehr jemandem in Kittelschürze begegnet. Ob man die in Kevelaer überhaupt noch kaufen kann? Bei „Oma Du“ hätte man bestimmt noch ein Exemplar ergattern können. Aber diesen Laden gibt es ja auch schon lange nicht mehr.

Ich fühle mich definitiv noch nicht alt genug für eine Kittelschürze und entsorge den Katalog ordnungsgemäß.

Die Zeiten ändern sich, aber manches bleibt, und wenn’s nur die Erinnerung ist.

„Oh weia, Schatz, schau doch mal, was in deinem Horoskop steht: Die Verletzungsgefahr ist in dieser Woche besonders hoch.“

Während ich meinem Schatz noch die neuesten Vorhersagen vorlese, ertönt aus der Küche ein lauter Schrei, gefolgt von einer imposanten Fluchtirade. Der Ruf nach einem Pflaster wird laut und ich eile geschwind an den Ort des Geschehens, wo mein Schatz seinen bluttriefenden, linken Daumen in die Höhe reckt. Rasch ist die Wunde versorgt und ich mache mich daran, mit Hilfe eines feuchten Lappens die Blutflecken aufzuwischen, die sich überall auf dem Fußboden verteilt haben.

Da der Verletzte nun nicht mehr in der Lage ist, weiter Zwiebeln zu schneiden, übernehme ich diesen Part. Aber kaum habe ich das Messer in die Hand genommen, höre ich erneut lautes Fluchen. Was ist passiert? Auf dem Weg ins Wohnzimmer ist er über unseren Hund gestolpert und hat mit seinem Kopf den Türrahmen touchiert. Als ich meinem Schatz den Eisbeutel auf die Stirn drücke, frage ich mich, ob vielleicht doch was dran ist am Horoskop.

Eigentlich glaube ich ja auch nicht an Horoskope, und wenn dann nur ein bisschen und nur das Gute und zugeben würde ich es schon mal gar nicht. Aber warum lese ich es dann überhaupt? Meistens erweisen sich diese Vorhersagen auch als völlig falsch. Auf den versprochenen Geldsegen im März 2010 warte ich heute noch vergebens.

Was steht nochmal in meinem Horoskop für diese Woche? – „Gönnen Sie sich mal wieder einen besonderen, schicken Abend zu Zweit!“ Ich betrachte meinen Schatz, der auf dem Sofa sitzt mit Pflaster und Eisbeutel und tue das einzig Sinnvolle:

Ich befördere das Horoskop in die Tonne und widme mich der Zubereitung des Abendessens. Und wenn ich mir dabei in die Finger schneide, dann ist das eben so. Ich schimpfe ein wenig und klebe ein Pflaster drauf.

„Schatz, guck´ mal! Ist das Kunst oder kann das weg?“ Die Reaktion von Schatz ist eindeutig. Wie konnte ich auch nur ansatzweise darüber nachdenken, seine Fotografierversuche aus den Siebziger Jahren zu entsorgen? Also packe ich die Mappe mit den schon leicht ausgeblichenen Fotos wieder ins Regal.

Ausmisten habe ich mir für den heutigen Tag vorgenommen und so ca. 5 Stunden dafür angesetzt. Ein großer Karton für Müll wartet darauf gefüllt zu werden. Nun ist bereits 1 Stunde vergangen und bis auf einige leere Verpackungen und Rechnungen von Dingen, die seit mindestens 4 Jahren nicht mehr existieren, hat noch nichts den Weg in den Karton gefunden. Kein Wunder, wenn man jedes Teil 3mal dreht und wendet, bevor die Entscheidung dann doch zugunsten von „Behalten“ fällt.

Nach einer weiteren Stunde intensiven Betrachtens alter Bilder, Schriftstücke und Reiseandenken schaue ich mich um. Eine wirkliche Veränderung ist nicht zu erkennen. Was steht da noch in den Aufräumratgebern? Ach ja, eine Kiste für „weg damit“, eine für „vielleicht“, eine für „behalten“! Ich werde es versuchen und platziere auch sofort 2 weitere Kartons mit den entsprechenden Beschriftungen neben meine Müllkiste.

Und dann entdecke ich ganz unten im Regal den alten Schuhkarton mit den Liebesbriefen, die mein Schatz und ich uns zu Beginn unserer Beziehung geschrieben haben. Nach den ersten 2 Briefen hole ich mir erst einmal eine Tasse Kaffee und mache es mir auf dem Fußboden gemütlich. So noch ein Kissen in den Rücken und schon schmökere ich in den alten Gefühlsduseleien. Wie schnell doch so eine Stunde vergeht! Natürlich wandern die Briefe in die Behaltenkiste – was für eine Frage!

Für das Entrümpeln der Buchsammlung geht eine weitere Stunde drauf. Die Niederrheinkrimis abgeben – geht gar nicht, und Bücher wegwerfen schon mal überhaupt nicht. Ich überlege, wer die zahlreichen Bände, die in Zweierreihen im Regal stehen, brauchen könnte und hole einen weiteren Karton mit der Aufschrift „Bücheroase“. Dieser füllt sich auch einigermaßen, aber wirklich luftiger wirkt das Regal trotzdem nicht.

Nach den geplanten 5 Stunden quillt der Behalten-Karton über und die Wegwerfkiste ist zu Dreiviertel gefüllt. Immerhin habe ich einen vollen Altkleidersack. Völlig erschöpft lasse ich mich aufs Sofa fallen und überlege, ob ich mit meiner Aufräumaktion noch in diesem Jahr fortfahren sollte.

Loslassen ist gar nicht so einfach – ich werde es wohl üben müssen!

„Schatz, verstehst du das?“ Ich starre entgeistert auf das vor mir liegende Kevelaerer Blatt und frage mich, was Jesus mit einem Fitness-Guru zu tun hatte. Eigentlich nicht vorstellbar, dass er zwischen Predigen und Heilen eine Gymnastikmatte ausgebreitet hat, um seine Muskeln zu kräftigen. Bisher war es für mich keine Frage, dass die Menschen zu Jesus Lebzeiten andere Sorgen hatten, als einen prallen Bizeps und ein Sixpack.

Lieber noch einmal gucken, aber dort steht es wirklich Schwarz auf Weiß und fett gedruckt „Hätte Pilates nicht …? Also her mit dem Internet und rasch recherchiert! Meine Vermutung wird bestätigt: Es kann keinen Zusammenhang zwischen Herrn Joseph Hubert Pilates, den Erfinder der gleichnamigen Muskelquälerei und Jesus geben. Immerhin trennen die Beiden mehr als 1800 Jahre.

Ich muss zugeben, dass ich fast immer zuerst das Fettgedruckte und die Bilder beachte, wenn ich die Zeitung in die Hand nehme. Die Irritation löst sich aber schnell in Wohlgefallen auf. Es muss sich natürlich um einen „Druckfehler“ handeln, wie immer es zu diesem gekommen sein mag. Vielleicht wurde einfach das U mit dem E verwechselt, und so wurde aus Pilatus Pilates. Oder aber der Zeitungsmensch litt noch unter den Folgen des Fitnesstrainings am Vortag und Herr Pilates war ihm deshalb in diesem Augenblick näher als der römische Statthalter.

Wie auch immer, dieser kleiner Fehler hat sicherlich nicht nur bei mir für Erheiterung gesorgt. Und wer dieses nette Missgeschick nicht gesehen hat, der krame doch einfach Ausgabe Nr. 11 noch einmal hervor!

P.S.: Lachen ist auch ein gutes Bauchmuskeltraining!

„Schatz, guck mal, was ich gefunden habe!“ Ich halte etwas in der Hand, was Schatz nie besessen hat, weil sowas nur Mädchen hatten – mein Poesiealbum!

Sofort blättere ich durch die beschriebenen, bemalten und mit bunten Glanzbildchen beklebten Seiten. Tja, früher schrieb man sich kleine Gedichte und mehr oder weniger geistreiche Sprüche in das kleine Album. Unglaublich was die Freundinnen, Verwandten und auch Lehrer mir da mit auf den Lebensweg gegeben haben.

„Lerne Ordnung, liebe sie! Sie erspart dir Zeit und Müh!“, lese ich da. Irgendwie wahr, aber bei mir ziemlich fruchtlos. Ich habe noch heute Müh` damit, Ordnung zu halten. Oder diesen hier: „Lebe glücklich, lebe froh, wie der Mops im Haferstroh!“ Ich frage mich, was der Mops im Haferstroh macht, dass er so glücklich ist. Vielleicht hatte er ja eine hübsche Möpsin dabei. Aber bevor ich das nicht weiß, vergleiche ich mich lieber nicht mit ihm.

Wo hatten wir diese Sprüche nur her? Heute würde man es googeln, aber wer schreibt heute noch Poesie in kleine Alben? Meine Kinder hatten „Freundebücher“ Da ging es jedoch eher darum, den anderen mitzuteilen, welche Musik man liebt und welche Freizeitbeschäftigungen angesagt sind. Gemeinsam war in beiden Varianten, möglichst viele Einträge zu sammeln.

Mein Poesiealbum ist nicht ganz voll geworden, aber mir wurden dort die wirklich wichtigen Dinge in meinem Leben aufgezeigt. Zusammengefasst sollte ich, wenn es nach den Wünschen der Schreiber geht: Brav sein wie ein Engel und fröhlich, Gutes tun, mein Elternhaus hochhalten, fleißig, fromm, bescheiden, gesund, hilfreich, edel und heiter sein. Wenig reden, zum Glück anderer beitragen, nicht viel verlangen, und mein Herz für keine Krone und keinen Preis geben.

Letztendlich entscheide ich selbst, was in meinem Leben zählt, dazu gehören für mich auch solche Erinnerungen!