50 Pfadfinder in Kervenheim aktiv

Internationales Zeltlager „Roverway“ sorgte für Aktionen in der Burg, bei der Pfarrcaritas und in Seniorenheimen

Etwa 50 Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus Luxemburg, Frankreich, Portugal, Spanien und Deutschland trafen sich in Kervenheim. ( Foto: Bischöfliche Pressestelle / Anke Gellert-Helpenstein)
Etwa 50 Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus Luxemburg, Frankreich, Portugal, Spanien und Deutschland trafen sich in Kervenheim. ( Foto: Bischöfliche Pressestelle / Anke Gellert-Helpenstein)

Pfadfinder tun heute immer noch das, was sie seit den Tagen ihrer Gründerväter tun: Sie finden Pfade, oft auch in die Herzen anderer Menschen. Und das auf vielen Wegen, wie sich in dieser Woche im Grenzgebiet der Niederlande und Deutschland im Kreis Kleve zeigte. 50 junge Leute – zwischen 16 und 21 Jahren und damit Mitglieder der Rover-Stufe der Pfadfinder – haben in Kervenheim ihr Lager aufgeschlagen und von dort aus soziale Aktionen im Umland gestartet.

Das Zeltlager ist Teil des alle drei bis vier Jahre stattfindenden internationalen Lagers „Roverway“ mit 3500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern – ein Treffen, das in diesem Jahr bis zum 2. August in den Niederlanden läuft und zweigeteilt ist. Der Heidelberger Christoph Rechsteiner, Bundesreferent der Roverstufe der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG), erklärte: „Wir befinden uns hier in Kervenheim im ‚Path‘-Teil des Roverways. Dabei teilen sich die 3500 Pfadfinder in kleine Zeltlager auf, um sich durch gemeinsame Aktionen, soziale Projekte und Gespräche in Gruppen zu finden. Danach treffen alle Paths wieder zum großen Roverway im niederländischen Zeewolde zusammen.“

In Kervenheim begegneten sich in diesem Sinne rund 50 Pfadfinder. Die Rover kommen aus Luxemburg, Frankreich, Portugal, Spanien und Deutschland. Die Verständigung auf Englisch eint die jungen Leute, gemeinsame Aktionen tun ihr übriges.

Trotz der Hitze stand auch ein Tag auf dem Programm, an dem die Pfadfinder in Kleingruppen soziale Projekte verwirklichten. „Der Gedanke zu helfen ist ja ein ganz zentraler Gedanke unserer internationalen Gemeinschaft“, betonte Rechsteiner. So sahen es etwa auch die Französinnen Camerone und Margaux, die mit vier weiteren Pfadfindern im Uedemer Seniorenwohnheim, dem Laurentiushaus der Caritas, antraten. Gemeinsames Eis essen und Musizieren standen auf dem Programm, das die Senioren im recht gut gekühlten Cafebereich mit den jungen Frauen genossen – obwohl Gespräche aufgrund der Sprachbarrieren schwierig waren.

Andere Pfadfinder kümmerten sich um Senioren im Caritas-Wohnheim in Winnekendonk. Dort waren auch Portugiesen dabei – zur großen Freude einer Bewohnerin, die lange in Portugal gelebt hatte und sich riesig freute, wieder einmal Portugiesisch zu sprechen.

Auch in einer Ferienbetreuung wurden einige Rover aktiv. Sie trafen dort auf ein ebenfalls portugiesisch sprechendes Flüchtlingskind, das so begeistert von den Pfadfindern war, dass es jetzt selbst einmal „Pfadi“ werden möchte. Wieder andere Rover halfen in einer Kleiderkammer der Caritas und in einem Caritas Senioren-Tagestreff. Respekt zollten die Kervenheimer vor allem jenen Rovern, die das Ausräumen der unbewohnbar gewordenen Kervenheimer Burg in Angriff nahmen. Trotz extremer Hitze beluden sie mit enormer Energie vier große Container mit Müll und halfen so bei der Grundreinigung des historischen Gemäuers.

Das DPSG-Organisations­team des Kervenheimer Paths um Nina Jäckel aus Köln, Fabian Wohlgemuth aus Düsseldorf und Christoph Rechsteiner zeigte sich sehr zufrieden mit dem Engagement der internationalen „Pfadis“. Schließlich meinten sogar die wärmegewohnten „Südländer“, dass es „schon ziemlich heiß in Deutschland“ sei – dennoch drückte sich niemand vor den sozialen Hilfseinsätzen.

Überhaupt sind Pfadfinder weltweit alles andere als ein Auslaufmodell – ganz im Gegenteil. Der Zulauf sei da, erklärte Rechsteiner: „Pfadfinder passen gut in unsere Zeit. Wir schaffen Freiräume für Kinder und Jugendliche, vermitteln soziale Kompetenzen, entschleunigen Alltage und sind eine internationale Bewegung, die auch für die Auslebung des Glaubens Freiraum bietet.“

Obwohl die DPSG katholisch ausgerichtet ist, sei sie doch offen für jeden. „Es gibt keine Glaubenspflicht bei uns, auch wenn unser Zeichen das schwarze Kreuz auf der Georgslilie ist. Viele sind interkonfessionell“, sagte Rechsteiner, und weiter: „Es gilt der Grundsatz: Der Glaube liegt in der Tat.“ Genauso haben es die Pfadfinder in Kervenheim praktiziert.