40 Jahre in der Gaststätte „Gelder Dyck“

Locker plauderte Michael Seifert an der Theke, seine Ehefrau Raphaele nahm von Gästen und der Frau seines Bruders Blumensträuße und Glückwünsche entgegen. „Erinnerungen habe ich ganz viele – hier sitzt mein Skatbruder, der schon seit 40 Jahren zu uns kommt“, lächelte ein sichtlich erfreuter Gaststättenbesitzer, dem an diesem Tag bewusst wurde, „dass so viele Leute Stammkunden sind“ und am Tag der offenen Tür im Gelder Dyck teilhaben wollten.

Viele Stammkunden

Eigentlich wollte der 64-Jährige gar kein Gastronom werden. Der gelernte Banker wollte sich damals auf Zahntechniker umschulen lassen, hatte den „Idiotentest“ vom Arbeitsamt schon bestanden, berichtet er. „Aber sechs Jahre auf die Umschulung warten, wollte ich damals nicht.“ So kam er auf das berufliche Erbe seiner Eltern zurück, die in Xanten-Vynen lange die sehr bekannte Kneipe „Zu den Linden“ betrieben. „Da bin ich zwischen den Stühlen als Kind rumgelaufen“, später war er auch Ordonnanz bei der Bundeswehr. „Ich bin das irgendwie nie losgeworden.“

Tipp vom Kiosk

Als er am Kiosk an der Bahnschranke einen Kakao trank, bekam er den Tipp. „Ruf doch mal bei Kamps an – die verpachten.“ Und so geht das Paar in das Gebäude, in dem heute „Herr Lehmann“ seinen Sitz hat. „Wir haben das geplant gemacht, aber dass wir so lange dabeibleiben, wusste man mit 24 Jahren nicht.“

Das Paar schloss einen Zehn-Jahres-Vertrag ab. „Damals ging das, da haben uns die Brauereien richtig geholfen!“ 900 Mark im Monat aufzubringen „war auch schon Geld 1978“, sagt Seifert. Aber es lief – und 1988 nahmen sie für einen Umbau nochmal Geld in die Hand.

Damals war der „Gelder Dyck“ noch eine richtige Arbeiterkneipe mit „vielen Postlern von gegenüber“, später kamen viele Junge dazu, sodass sich der Charakter ein wenig veränderte. Über die Zeit könne er ein Buch schreiben, holte er ein solches mit dem Buchdeckel „Das Wichtigste aus dem Leben eines Wirtes“ und leeren Seiten hervor.

Einmal verfrachtete er einen nicht mehr ganz so fitten Postmitarbeiter in den Kofferraum und fuhr ihn auf den Posthof, sodass ihn sein Chef nicht sehen konnte, der im Hof schon schaute. „Unvorstellbar, was da alles passiert ist – da hätten wir sicher die Hälfte Post vom Anwalt für. Eine schöne Zeit.“

Neuanfang 2006

Das zunehmende Kneipensterben zog dann seine Kreise, und auch das Nichtraucherschutzgesetz machte den Gaststätten zu schaffen. „Und wir mussten immer mehr an Spiele-Ideen und sowas entwickeln.“ Dann starb der Eigentümer, sein Enkel hatte mit dem Gebäude andere Pläne – und 2006 wanderte das Paar dann ein paar Meter auf der Gelderner Straße weiter.

Die „ersten vier, fünf Jahre taten schon weh“, gibt Seifert freimütig zu, aber sie haben es hinbekommen. „Die zwei Bier nach der Arbeit, die gibt es nicht mehr“, sagt er, weint der alten Zeit aber keine Träne nach. „Heute besuchen uns Vereine und Kegelclubs – wir haben gut 700 Stammgäste, die oft mehrfach kommen.“

Einen ganz konkreten Plan, wie lange es noch geht, den gibt es nicht. „So lange man fit ist und die Mitarbeiter mitspielen“, denkt er erstmal an die nächsten fünf Jahre. Wenn man etwas gerne macht, so seine Überzeugung, dann „empfindet man das nicht als Arbeit“. Und seine Frau meinte nur: „Wir machen das, so lange es uns Spaß bereitet.“