Seit 35 Jahren gehört „Kabarett unter’m Dach“ fest zum kulturellen Leben der Wallfahrtsstadt – und wer mit Bruno Schmitz spricht, spürt sofort, warum: Hier steckt Leidenschaft drin, Ausdauer und eine große Liebe zur Bühne. Aus einer Idee für mehr Auftrittsmöglichkeiten für junge Kabarettistinnen und Kabarettisten wurde in Kevelaer eine Reihe, die längst Kultstatus hat und bis heute Menschen aus der ganzen Region anzieht.
Vom Lehramt ins Rampenlicht
Als Bruno Schmitz 1989 gemeinsam mit Didi Jünnemann als Duo „Laut und lästig“ erstmals in Kevelaer auftrat, war die Grundlage für etwas Größeres gelegt. Die beiden waren damals schon so gefragt, dass die Doppelbelastung aus Lehramt und Bühnenprogramm kaum noch zu stemmen war. Schmitz entschied sich nach 15 Jahren im Staatsdienst für die Kunst – ein mutiger Schritt, der sich für die Kabarettszene am Niederrhein mehr als ausgezahlt hat.
Die Idee für eine feste Kabarettbühne in Kevelaer traf in der Stadt auf offene Ohren. Vor allem Heinz Goemans und Maria Pooth aus der Stadtverwaltung unterstützten das Vorhaben nach Kräften. Ohne diesen Rückhalt, erinnert sich Schmitz, wäre „Kabarett unter’m Dach“ in dieser Form kaum möglich gewesen.
Eine Bühne mit Geschichte
Entstanden ist die Reihe im früheren Gymnasium, der heutigen Begegnungsstätte – ein Ort, der sich über die Jahre zu einer festen Adresse für Kulturfreunde entwickelt hat. Stefan Reudenbach begleitete die Veranstaltungen von Beginn an und erlebte, wie groß der Zuspruch schon früh war. Der Vorverkauf glich oft einem kleinen Wettlauf, Karten waren regelmäßig rasch vergriffen.
Dass das Publikum kam, hatte gute Gründe: Unter dem Dach in Kevelaer standen Namen auf dem Programm, die später bundesweit bekannt wurden. Volker Pispers, Dieter Nuhr, die Missfits, Atze Schröder, Herbert Knebel oder Nessi Tausendschön sind nur einige der Künstlerinnen und Künstler, die hier auftraten. Viele von ihnen spielten damals noch vor vergleichsweise kleinem Publikum – und genau das machte den Reiz dieser Reihe aus.
Neues Programm, alte Begeisterung
Auch heute ist die Reihe lebendig und fest in Kevelaer verankert. Für die Spielzeit ab September 2026 stehen erneut bekannte und beliebte Namen auf dem Programm, darunter René Steinberg, Herbert Knebels Affentheater, Carmela de Feo alias La Signora, Tina Teubner, Pistors Fußballschule, Stefan Verhasselt, Jürgen B. Hausmann und Luisa Charlotte Schulz. Die Unterstützung der Stadt Kevelaer bleibt dabei ein wichtiger Baustein für den Fortbestand der Reihe.
Bruno Schmitz selbst ist kurz vor seinem 80. Geburtstag immer noch mit voller Energie dabei. Auch bei der Kölner Stunksitzung gehört er weiterhin zu den prägenden Köpfen, inzwischen verstärkt bei der Tour „Stunk unplugged“. Sein Blick auf das Alter ist dabei alles andere als schwermütig: Das Älterwerden mache ihm Spaß, sagt er, und es erfülle ihn mit Stolz, dass das Projekt so lange erfolgreich ist.
Kevelaer kann Kultur
Dass „Kabarett unter’m Dach“ in Kevelaer so gut funktioniert, liegt auch an der besonderen Mischung aus Nähe, Atmosphäre und Verlässlichkeit. Die Begegnungsstätte bietet keinen anonymeren Großraum, sondern ein Publikum, das ganz nah dran ist an den Künstlerinnen und Künstlern. Genau diese Mischung aus Professionalität und familiärer Stimmung hat der Reihe über Jahrzehnte ihren Charakter gegeben.
Für Kevelaer ist das mehr als ein Veranstaltungsformat. Es ist ein Stück Identität, ein kultureller Treffpunkt und ein Beweis dafür, dass auch in einer Stadt wie der Wallfahrtsstadt große Bühnenmomente entstehen können. Dass Bruno Schmitz das Projekt als sein „Kind“ bezeichnet, passt dazu sehr gut: Es ist erwachsen geworden, aber jung im Herzen geblieben.
Schnelle Fakten
Kabarett unter’m Dach in Kevelaer
– Seit 35 Jahren eine feste Größe im Kulturkalender der Stadt.
– Spielort ist die Begegnungsstätte in Kevelaer.
– Das Format entstand aus der Idee, Kabarett und Kleinkunst dauerhaft vor Ort zu verankern.
– Viele heute bekannte Künstlerinnen und Künstler traten hier früh vor kleinem Publikum auf.
– Die neue Spielzeit startet ab September 2026.
– Karten sind unter anderem online über reservix.de sowie an der Kulturkasse Kevelaer erhältlich.


Robin Boettcher
Privinzial Thomas Aben