100 Jahre Bildung für alle

Für die Volkshochschulen ist 2019 ein ganz besonderes Jahr, unterstrich VHS-Direktor Theo Reintjes bei der Vorstellung des aktuellen Kursprogramms für das erste Halbjahr im Gocher Langenberg-Zentrum.
Die Volkshochschulen feiern „100 Jahre Weiterbildung für alle“, weswegen eine große „100“ das Deckblatt des neuen Programms ziert.
„In Weimar wurde die Volksbildung in die Weimarer Verfassung aufgenommen“, erläuterte Reintjes. Daraus ging eine Welle von Volkshochschulgründungen hervor, die den Zugang für verschiedene soziale Schichten zum Wissen erleichterte.
„Durch die Weimarer Verfassung wurde Bildung erschlossen, ein wichtiges Pfund. Das war und ist ein Kitt für den Zusammenhalt der Gesellschaft bis heute“, meint der VHS-Direktor.
Ein wesentlicher Bestandteil heute sei in der Beziehung die Integration, wo man über elf Integrationskurse in Goch, Pfalzdorf und Weeze anbiete und über die Sprachkurse wirke. „Das braucht auch enorme Bürokratie, aber den Aufwand macht man für die Menschen gerne.“
Über zuletzt gab es bei den Sprachprüfungen 26 Zertifizierungen für A2 und B1. „Integration ist mehr als Sprache, aber ohne geht es nicht“, sagt Reintjes.
„Auch das Kommunale wurde verankert, die Förderung durch die Länder, die Freiberuflichkeit der Lehrkräfte und die Freiheit der Lehre“, zählte er einige wesentliche Merkmale der Gründerzeit auf, die bis heute das Angebot prägen. „Und auch der Aspekt der Frauen“ sei zu beachten, ergänzte seine Stellvertreterin Daniela Gust.
Das bedeute im gleichen Maße auch „100 Jahre Bildung vor Ort“, betonte Reintjes. Denn man sei in allen vier Kommunen – Weeze, Goch, Kevelaer und Uedem – mit einem Programm vertreten, stehe da über die Interessen im regelmäßigen Austausch. Einen offiziellen „Feiertermin“ für das Jubiläum der Volkshochschulen gebe es mit der „Langen Nacht de Volkshochschulen“ am 20. September auch schon.
Im Jahr 2018 habe man erstmals über 14.000 Unterrichtsstunden in rund 550 Veranstaltungen mit knapp 10.000 Teilnehmern angeboten.
Im Bereich „Geschichte und Mensch“ hob Reintjes für Kevelaer die beiden Vorträge über den Historienmaler Friedrich Stummel am 15. März und über „100 Jahre Bauhaus“ am 9. April in Kooperation mit dem Niederrheinischen Museum hervor.
Und in Sachen Verbraucherfragen wird am 15. Mai in der Öffentlichen Begegnungsstätte die Frage erörtert, „wie Arbeit 4.0 unser Leben verändert.“
Neu ist auch im musischen Bereich ein „Gitarren-Einsteiger-Workshop für Singer & Songwriter“ am 7. April in der Begegnungsstätte. Und das Malen im Rahmen der „Sommer-VHS“ vom 18. bis 21. Juli dort hat die Künstlerin Gabriele Lomm übernommen.
Im „Gesundheits“- Spektrum der verschiedenen Angebote zu Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung sei erstmals auch ein Workshop zu „Resilienz – der Widerstandskraft der Seele“ am 6. April mit Udo Spelleken von der Paritätischen Akademie NRW in der Begegnungsstätte geplant. „Das war schon mal vorgesehen, es gab eine hohe Nachfrage“, so der VHS-Leiter. „Aber das mussten wir verschieben – jetzt ist es möglich.“
Was Sprachen anbetrifft, setzt die VHS in Kevelaer einen charmanten Akzent auf die französische Sprache. Dazu bietet die VHS im „Café Lindenbaum“ am 29. März ein „pétit dejeuner“ an, wo ausschließlich nur Französisch geredet werden soll.
Ergänzt wird das durch einen Kabarettabend „Meine Rendez-vous mit Deutschland“ am 4. April und einem Chansonabend am 4.J uli mit der Muttersprachlerin Marie-Christine Schwitzgöbel in der Begegnungsstätte. „Wir wollen neue Formate ausprobieren, um darüber den Menschen die Sprache näher zu bringen“, erläuterte Reintjes den Ansatz.
Im Bereich „Berufliche Bildung“ sollen Selbstständige in der ÖBS auch die Chance erhalten, den Einstieg als Online-Händler (16./ 23.3, 9-16 Uhr) zu erlernen. „Den Leuten bewusst machen, wie das geht“, sei da die Idee.
Anmeldungen für die Kurse seien auch online möglich, dort sei auch das aktuelle Programmverzeichnis abrufbar. Das „klassische“ Programmheft werde aber in einer 10.000er-Auflage aktuell in den vier Kommunen verteilt. „Dann liest man vielleicht auch eher mal das ganze Programm durch“, sagt Reintjes. Für das Heft kämen auch noch Anfragen per Telefon.
Die breite Angebotspalette an verschiedenen Standorten sei „ein Kompromiss“ und „suboptimal“, weil man oft an den Veranstaltungsorten nicht deutlich gekennzeichnet sehe, dass die VHS dort existiere, meint Daniela Gust.
Das gelte allerdings nicht für Kevelaer, wo an der ÖBS deutlich die „VHS“ gekennzeichnet sei. Auch an die Parkzeiten vor der Öffentlichen Begegnungsstätte sei gedacht worden: Was die Länge der Veranstaltungen betrifft, sei man auf einen Rhythmus von eineinhalb Stunden gegangen, „damit die Leute keine Knolle kriegen.“
Was den beschlossenen Umzug der Volkshochschulen-Verwaltung und einiger Kurse von Goch nach Pfalzdorf in die dortige frühere St. Martin-Hauptschule angeht, konnte Theo Reintjes noch keine Angaben für ein genaues Datum machen.
Die Räumlichkeiten dort ließen sich sicher sehr gut herrichten, aber erstmal müssten Aufträge vergeben werden, bevor was passiere. „Mitten im Semester wird der Umzug nicht möglich sein“, so Reintjes. Allerdings soll das Ganze noch in diesem Jahr angepackt werden.