Weihbischof Heinrich
Janssen (Xanten)
über dieses Buch:
Auf einer Fahrt nach Fatima
und Altötting entstand und reifte die Idee zu einer Bürgerbewegung
"Maria Kevelaer 2000" - mit dem Ziel, die Gottesmutter als
Patronin der gesamten Stadt Kevelaer auszurufen. So steht es - etwas ausführlicher
- auf dem Buchdeckel des Werkes von Martin Willing, "Maria Kevelaer -
Eine Stadt stellt sich unter den Schutz der Gottesmutter".
Das Buch mit vielen Fotos,
die unmittelbare Erinnerungen wecken und bewahren, dokumentiert auf 240
Seiten den Weg der Bewegung Maria Kevelaer vom 15 .Juli 1998, dem Tag der
konstituierenden Sitzung, bis zum großen Fest am 31 .Mai 2000 - und noch
ein paar Tage mehr.
So ist eine Dokumentation der Bewegung Maria Kevelaer 2000 von der ersten
Vorbereitung an entstanden. Alle wesentlichen Texte, von den ersten Vorträgen
über Berichte von den Vollversammlungen bis hin zu der Einführung zur
Patronatsfeier und zum Patronatsgebet sind darin enthalten.
Das Buch ist mehr als eine Dokumentation.
In einem Prolog (S.15-23) wird die Entwicklung von Kevelaer von den Anfängen
an beschrieben und dabei die Kommunalreform von 1967 bzw. 1969 (S.18-22)
kritisch beleuchtet. Eine kurzgefaßte Stadtgeschichte.
In einem Epilog (S.196-203) wird, ausgehend von Gedanken zur religiösen
Situation unseres Landes, die Wallfahrtsgeschichte erzählt, anders
beleuchtet als gewöhnlich. Das Kriegsgeschehen und die unvorstellbare Not
der Menschen sind nicht Hintergrund für die Entstehungsgeschichte der
Wallfahrt, sondern wecken bei den Menschen der damaligen Zeit Sehnsucht
nach einer Nähe zu Gott, die Menschen oft über Maria finden. Das
Kriegsgeschehen wird knapp und kenntnisreich beschrieben. Hendrik Busmann
und Mechel Schrouse werden als Gestalten des Glaubens vorgestellt. Für
Menschen, die die Geschichte Kevelaers kennenlernen möchten, sind diese
insgesamt knapp 13 Textseiten ein guter Einstieg.
Auf einer Wallfahrt entstand und reifte die Idee, im Heiligen Jahr 2000
ein besonderes Zeichen zu setzen. Auf der Rückkehr von Fatima war es:
"Unterwegs auf den 2650 Kilometern nach Kevelaer kommt mir in den
Sinn, daß solche Wallfahrtsorte ein Gnadengeschenk sind, das wir schützen
müssen, wenn es für uns und unsere Nachfahren erhalten bleiben soll.
Mitten in einem solchen ,Geschenk‘ wohnen wir Kevelaerer - was für ein
Vorzug und was für eine Aufgabe!" (S.26).
Wenige Monate später in Altötting ist "auf einmal die Idee zu Maria
Kevelaer 2000 da" (S.28 und S.26).
Natürlich kommt dann die Frage auf, ist das neben den beruflichen
Aufgaben zu schaffen. Da ist es eine Frau, die solche Gedanken zur Seite
schiebt. Delia Evers sagt ihm: "Das Ziel ist so bedeutsam, daß es an
Alltagsproblemen nicht scheitern darf‘ (S.29).
Über den konkreten Ansatz hinaus eine gültige pastorale Regel.
An mehreren Stellen drückt Martin Willing in seinem Buch die Sorge aus,
die andere mit ihm teilen, - jetzt sage ich es mit meinen Worten - daß
Kevelaer seine Berufung verliert (S.19; S.20f.).
Auf seiner Fahrt nach Einsiedeln in der Schweiz schreibt er: ,,Auf
spektakuläre Ursprungsmirakel... kommt es für das Wachsen und Bleiben
eines Wallfahrtsortes nicht an - dafür aber auf die Menschen und darauf,
wie sie mit ihrer Gnadenstätte umgehen" (S.34). Er hat richtet
erkannt, wenn eine Sache nicht zu Herzen geht, kann sie nicht Herzenssache
werden.
Im Alten Testament, im Buch Samuel, wird berichtet, wie der Herr nachts
dem jungen Samuel erschien und ihn anrief Samual begreift nicht, auch der
Priester Eh kommt mit der Erscheinung nicht zurecht. Und die Bibel erklärt
das damit: "In jenen Tagen aber waren Offenbarungen des Herrn
selten" (1 Sam 3,1).
Das gilt ähnlich für geistliche Ideen und ihre Umsetzung. Martin Willing
sagt über seine Idee, den Gnadenort Kevelaer zu schützen: "Sie war
auf einmal da" (S.28). Aber die Orte, wo diese Idee entstand, sagen,
warum sie entstehen konnte.
In einem anderen Zusammenhang gibt es einen Hinweis, wie dieses "schützen"
heute aussehen muß: "Schutzraum für das Gnadenbild sind unsere
Herzen" (5.15 7). Und darum geht es auch in den folgenden Monaten,
die das Buch nachzeichnet.
Ein eigenes Kapitel beschäftigt sich mit der Mariensäule und einem
Marienbrunnen. Ein unliebsames Kapitel, aber auch ein bezeichnendes.
Zur ersten Vollversammlung am 27.Oktober 1998 sind Vertreter aus allen
Vereinen und Gruppen eingeladen. In der Einladung heißt es:
"In der Mine des Heiligen Jahres 2000 soll die Gottesmutter um ihr
Patronat für unsere Heimatstadt gebeten werden" (S.41).
In der Präambel der Bewegung Maria Kevelaer steht:
"Maria hat Kevelaer als Gnadenort erwählt. Auf diese Erwählung
antworten und versprechen wir, das uns Mögliche zu tun, damit Kevelaer für
die Menschen ein Unadenort bleibt. Wir bitten Maria für alle Zeiten um
ihr Schutzpatronat für die ganze Stadt. Wir errichten als äußeres
Zeichen unseres inneren Anliegens auf dem St.Klara-Platz eine Mariensäule"
(S.44).
Man spürt aus dem Buch heraus, wie sehr der Verfasser, der die Idee
geboren hat, betroffen ist, daß das Anliegen mißverstanden und falsch
gedeutet wird.
Die ganze Diskussion und alle Reaktionen — nicht nur auf dieser
Vollversammlung — machen überdeutlich, wie schwer es auch in Kevelaer
ist, ein geistliches Anliegen zu vermitteln. Es ist wie im Buch Samuel,
die Menschen sind entwöhnt, sie kennen so etwas nicht mehr. Die
Diskussion darüber bringt aber auch die Wende. In vielen Gesprächen in
kleinen Gruppen und in einer Fülle von einzelnen Aktionen wird der Boden
bereitet für das, was fünftausend Menschen am 31 .Mai dieses Jahres
feiern und versprechen. Und das wiederum zeigt, wie heute eine geistliche
Idee wächst.
Das Buch ist mehr als eine Dokumentation.
Es ist ein Buch mit persönlichen Erfahrungen und Empfindungen. Das zeigen
die Berichte vom Besuch an
verschiedenen Wallfahrtsorten.
Es ist ein Buch, das umfangreiches Wissen sowohl über Details als auch über
große Zusammenhänge von Marienerscheinungen und Gnadenorte gibt. Es ist
ein geistlicher Reiseführer durch das Innere, durch das Wesen von
Wallfahrtsorten.
Martin Willing bettet die Erzählung von der Bewegung Maria Kevelaer ein
in die Geschichte von Gnadenorten, von Entstehungsgründen (u.a.S.25,
S.31-34, S.173f) und Entstehungszeiten (5.196). Er macht sich Gedanken über
Marienerscheinungen. Er informiert über das, was man unter Marienweihe
versteht.
Er nimmt Zeugnisse von der Marienfrömmigkeit aus Kevelaer auf wie das
Gedicht des Priesters Joseph Lang ,Maria Kevelaer‘ (S.67-69) und das
Marienlied "Auf stiller Heid"‘.
Auf ein kleines Kapitel möchte ich noch aufmerksam machen. Es heißt
"Gedanken eines Kevelaerers". Josef Heckens, der sich um
Kevelaer als Wallfahrtsort verdient gemacht hat, gehörte zum Kuratorium
der Bewegung Maria Kevelaer. Er übergibt am Ende einer Sitzung - für ihn
die letzte - Gedanken, die er sich gemacht hat, an Delia Evers. Es sind
Zitate mit der Überschrift ,Maria 2000‘. Ein Wort daraus ist bald für
ihn Wirklichkeit geworden. Er zitiert aus dem Hymnus Akathistos, wo von
Maria gesagt wird:
"Sei gegrüßt, du unsere Brücke von der Erde zum Himmelreich".
In den letzten Jahren ist die Kevelaer-Literatur angewachsen.
Martin Willing und Delia Evers haben verschiedene Bücher herausgebracht.
Andere sind in Arbeit oder Vorbereitung.
In einer Zeit, wo oft nur flüchtig wahrgenommen und schnell vergessen
wird, dürfen wir uns über dieses Buch "Maria Kevelaer" freuen
und ihm viele Leser wünschen.
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